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Verzärtelt und verzogen - Wie Eltern mit Wünschen sensibel umgehen?

Verzärtelt und verzogen - Wie Eltern mit Wünschen sensibel umgehen
Bild: © cs-photo-Fotolia.com

„Dein Kind ist total verwöhnt“, das ist nicht das, was Eltern hören wollen. Dennoch: „Verwöhnung ist heute eines der größten Erziehungsprobleme“, beklagen Pädagogen immer wieder.
Kinder, die im Überfluss leben, haben mit der Zeit zu wenig Herzenswünsche, von denen sie träumen können. So lernen sie kaum, sich selbst für ihre Träume fantasievoll einzusetzen. Lustlosigkeit und Antriebslosigkeit sind die Folgen.

Was können Eltern tun, um nicht in die Verwöhnfalle zu tappen? Väter und Mütter sehr junger Kinder dürfen sich zunächst entspannen. Der Grund: „Im zarten Babyalter kann man ein Kind noch nicht zu sehr verwöhnen“, sagt Andreas Engel, stellvertretender Vorsitzender der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung. Ein Zuviel an Spielzeug erkennt das Baby nicht – und ein Zuviel an Liebe und Zuwendung gibt es nicht. Wer zügig an Babys Bettchen eilt, weil es schreit, schafft Grundvertrauen – mit Verwöhnen hat das nichts zu tun.

Erst Kleinkinder können lernen, dass nicht jedes Bedürfnis direkt erfüllt werden kann. Es gilt, Wünsche des Kindes sensibel zu bewerten: Was ist machbar? Was ist notwendig? Was übertrieben? Engel empfiehlt folgende Formel: „Echte Herzenswünsche versuchen zu erfüllen. Zu vielen anderen Anliegen aber, die sozusagen beim Vorbeigehen am Supermarkt regal als Strohfeuer aufl odern, konsequent „Nein“ sagen.“

Zurückhaltung ist nicht nur beim Schenken von materiellen Dingen geboten. Auch zu viel Zuvorkommenheit kann Kinder verziehen. Schon Kleinkinder sind in der Lage, manche Aufgaben selbst zu übernehmen, wenn sie motiviert sind. Wie toll Marie schon mit dem Löffel isst! Wie geschickt Tom sich die Mütze über den Kopf zieht! Wer sich entspannt zurücklehnt und zuschaut, wird über die Fähigkeiten seines Nachwuchses staunen.

Festtage, Urlaub, vorübergehende Krankheiten: „Natürlich gibt es Situationen, in denen Eltern großzügig sein dürfen, ohne gleich Angst haben zu müssen, ihre Kinder zu verziehen“, sagt Dr. Albert Wunsch, Erziehungs-Coach aus Neuss und Autor des Buches ‚Die Verwöhnungsfalle’.

Sinnvoll sei es, sich und den Kindern Oasen des Wohlbefindens zu schaffen: Ein schöner Wochenendausflug, ein besonderes Abendessen in der Familie, ein Besuch in Zoo oder Schwimmbad. „Aber Achtung“, so Wunsch: „Eine Oase setzt die Wüste voraus!“

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