Von der Möhre zur Fritte: Was ist bloß Familienkost?
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Gesunde Mahlzeiten statt Fastfood für die Jüngsten
Das erste Jahr ging wie im Flug vorbei. Gestern noch saßen die Familien- mitglieder gemeinsam am Tisch und einer war ganz bestimmt damit beschäftigt, den kleinen Tim mit Karotten-Brei oder Baby-Menüs jeglicher Farbe zu füttern. Doch heute? Der Dreikäsehoch verlangt quietschend und drängelnd nach mehr von diesen leckeren Pommes, die man so wundervoll zwischen den Fingern zerquetschen und als Matsche in den Mund stopfen kann. Für den Rest der Familie eine wahre Freude ….
Doch – halt: Was macht ein einjähriger Steppke mit Pommes, Pizza oder gar Fischstäbchen? Mitgehangen, mitgefangen? Weil diese auf dem Speiseplan der „Rest“-Familie stehen? Bei kurzem drüber nachdenken wird klar, dass hier in Bezug auf die Ernährung des Jüngsten was schief läuft. Aber was kommt denn nun nach der Beikost? Das Zauberwort nach den Gemüse-Kartoffel-Fleisch-, Milch-Getreide-Breien sollte eigentlich Familienkost heißen, aber leider weiß keiner so genau, was damit gemeint ist.
Und: Seltsamerweise stellt sich bei vielen Eltern - einhergehend mit der fortschreitenden Entwicklung der Motorik und Aufnahmefähigkeit ihres Sprösslings - auch die Denke ein, dass nun die Zeit reif sei, dass „gegessen wird, was auf den Tisch kommt“.
Wurde zuvor tunlichst darauf geachtet, dass Gemüse nur schrittweise in den „Ernährungsplan“ aufgenommen wird, jegliches Allergierisiko gemindert und Rücksicht auf den sich noch entwickelnden Magen- und Darmtrakt genommen wird, - nun scheint die Schonfrist vorbei zu sein und es heißt: Ab an den Familientisch!
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Zwar hat sich in den vergangenen Jahren das Ernährungsverhalten vieler Erwachsener zugunsten eines bewußteren und gesünderen Umgangs gewandelt, zeitgleich entwickelte sich aber leider auch ein Trend hin zu Fastfood und Bewegungsmangel. Doch gottlob: Viele Eltern sind sich ihrer Verantwortung für die „Ernährungserziehung“ bewusst. Die meisten begeben sich auf einen Mittelweg: Neben Pizza, Pasta & Co. gibt´s Gemüse und Fisch, ist der Nachtisch ein Joghurt und der Snack zwischendurch ein Apfel. Leider fehlt manchmal einfach die Zeit für frisch zubereitete Mahlzeiten, - kritisch wird’s zudem wenn lauter schwierige Esser am Tisch sitzen und der kleinste gemeinsame Nenner die Nudeln mit dem Soßen-Fixprodukt sind. Und damit zurück zum Junior, denn auch nach Beendigung des ersten Lebensjahres brauchen die Jüngsten am Tisch noch ein besonderes Augenmerk. Sicher wollen sie es ihren Geschwistern und Eltern oftmals gleichtun und ebenfalls an der leckeren Pizza knabbern, - aber dann sollten diese Speisen gewisse Kriterien erfüllen: Salzarm, nicht scharf, keine schwerverdaulichen oder sehr fettigen Zutaten. (Wer mal das Salz an den Nudeln oder Kartoffeln vergessen hat, ahnt die Geschmacksunterschiede.)
Ein Aufklärungsversuch über die Mehrdeutigkeiten des Nahrungsmittel- vokabulars
Babykost - Beikost? Hatte ich mir je Gedanken gemacht, was damit eigentlich gemeint ist? Gibt es eine Definition oder gar Auflagen für die Titulierung eines kindgerechten Nahrungsmittels mit „Babykost“? Gleiches gilt für den Begriff „kindgerecht“ – was bloß sind „kindgerechte Nahrungsmittel“? Sicher, eine vage Vorstellung hat jeder: Auf den Vitamin- und Nährmittelbedarf abgestimmte Produkte, die für das Kind gesund sind – sein sollten, vielleicht leicht zu kauen und gut verdaulich?
Nach einiger Recherche fand sich dies: „Als Babykost wird industriell hergestellte (Halb-)Fertignahrung für Kleinkinder im 1. Lebensjahr bezeichnet.“ (Quelle: KATALYSE: Kinderernährung, Köln 2002; Kiepenheuer & Witsch Köln). Ihre Herstellung unterliegt somit den strengen Richtlinien der so genannten Diätverordnung, die eine sehr weitgehende Schadstofffreiheit garantiert. Die Diätverordnung legt aber nicht fest, dass beispielsweise für Gläschenkost verwendete Produkte aus ökologischem Landbau stammen. Wie ärgerlich. Und kindgerecht? Irreführenderweise erwecken gerade „Kinderlebensmittel“ durch ihre Aufmachung den Eindruck, dass sie gesundheitsfördernd seien – sie bieten ernährungsphysiologisch aber keine Vorteile. Im Gegenteil: Viel Zucker und Fett, überflüssige Aromen und Farbstoffe lassen sie in die Kategorie Süßigkeiten rutschen. Es gibt keine rechtlich verbindlichen Vorgaben zur Nutzung des Begriffes. „Kindgerecht“ umschreibt auch die Portionsgröße oder Beigaben wie Comic-Helden, Sticker und Tattoos. Mit „gesund“ hat das nicht viel zu tun…