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Impfen: Kaum ein Thema wird so kontrovers diskutiert

Impfen – das ist ja nur ein kleiner Pieks, oder?
Bild: Dmitry Naumov@fotolia.de

Sebastian ist auf der Welt, gesund und munter. Seit acht Wochen ist das Baby der Sonnenschein der Familie. So klein noch die Finger, so winzig die Zehen. Zum Glück ist er kerngesund! Dennoch: Schon soll er, so die dringende Empfehlung des Kinderarztes, geimpft werden. Impfen – das ist ja nur ein kleiner Pieks, oder?
„Ich habe mich dazu entschlossen, dem Appell meines Kinderarztes zu folgen und meine Kinder durchimpfen zu lassen“, sagt die Kölnerin Anne Gerling, Mutter von Sebastian und den älteren Kindern Antonia und Julian. „Dennoch fällt mir, vor allem bei Sebastian, der Gang zum Impftermin schwer. Dass einem so kleinen Kind schon Krankheitserreger injiziert werden sollen, löst natürlich Unbehagen aus.“ So wie dieser Mutter geht es vielen Eltern. Sie alle müssen sich entscheiden: Impfen oder nicht?

Denn generell gilt: In Deutschland besteht keine
Impfpflicht.



Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin erarbeitet lediglich Empfehlungen für Schutzimpfungen. Jeder Bürger, jede Mutter und jeder Vater darf selbst entscheiden, ob er diesen Empfehlungen folgt oder nicht.

Impfen bedeutet abgeschwächte Bakterien oder Viren zu spritzen



„Bei einer Impfung spritzt der Arzt abgetötete oder abgeschwächte Krankheitserreger wie Bakterien oder Viren, manchmal auch nur Teile von Erregern“, erklärt Andrea Ulrich von der Pressestelle des Deutschen Grünen Kreuzes in Marburg. Manchmal, wie bei der Impfung gegen Rotaviren, Erreger schwerer Durchfallerkrankungen, steht eine Schluckimpfung zur Verfügung. Das Immunsystem reagiert auf den Impfstoff wie auf den natürlichen, krank machenden Keim: Es bildet Abwehrstoffe, die so genannten Antikörper, und merkt sich den Eindringling. „Taucht danach der natürliche Erreger tatsächlich auf, wird er in der Regel sofort unschädlich gemacht. Eine Erkrankung, die selbst unter modernen Behandlungsbedingungen tödlich enden kann, verläuft so sehr viel harmloser, in der Regel bricht sie erst gar nicht mehr aus“, sagt Andrea Ulrich.

Impfen schützt vor Krankheiten



Es ist genau dieses Argument, das die Befürworter von Impfungen immer wieder anführen: Impfungen schützen davor, durch Krankheiten wie zum Beispiel Diphtherie oder Polio dauerhafte Gesundheitsschäden davonzutragen oder sogar zu sterben.

Das zweite wichtige Argument für Impfungen: Möglichst viele Menschen müssen geimpft werden, damit gefährliche Krankheiten ausgerottet werden können – so wie es mit Pocken und Polio in Europa gelungen ist. Kommt es jedoch zur Impfmüdigkeit in der Bevölkerung, so können sich solche Krankheiten schnell wieder ausbreiten. Erst 2006 grassierten Masern wieder gefährlich in Nordrhein-Westfalen; zwei
Kinder starben.

Trotz der Erfolge wird die Impfung auch kritisch gesehen



Dennoch: Kaum ein Thema wird so kontrovers diskutiert. Nicht alle Eltern sind von den Impfprogrammen überzeugt. Zum Beispiel deshalb, weil der Impfkalender der STIKO bereits zwei Monate alte Babys einbezieht. Warum? Das Robert Koch-Institut begründet das so: „Bestimmte Infektionen treffen Säuglinge deutlich schwerer als ältere Kinder. Klassisches Beispiel ist der Keuchhusten. Dabei kommt es in rund einem Viertel der Fälle zu Komplikationen wie Lungenentzündungen oder Atemstillständen, wenn das Kind jünger als sechs Monate ist.“

Der Verband Unabhängiger Heilpraktiker mit Sitz in Köln hat Einwände. „Eine Impfung in zu frühem Alter greift in das noch nicht vollständig ausgebildete Immunsystem des Kindes ein“, gibt Vorstandsmitglied Dr. Frank Herfurth zu bedenken. Abgeschwächte, aber aktive Impfkulturen könnten in einem Stadium, in dem man noch zu wenig über die Entwicklung und Stärke des Immunsystems des Kindes weiß, unter Umständen schwerwiegende Reaktionen auslösen, befürchtet er. Auch enthielten viele Impfstoffe allergen wirkende Substanzen, über deren Verhalten insbesondere im kindlichen Organismus oft zu wenig bekannt sei. Dr. Herfurth: „Eine vorbeugende Impfung ist nur sinnvoll, wenn es eine große bis übergroße Gefährdung in der Bevölkerung gibt.“
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Weitere Informationen

Die Impfempfehlungen der ständigen Impfkommission, kurz STIKO, der Bundesrepublik Deutschland:
www.kindergesundheit-info.de

Das Robert Koch-Institut (RKI) ist das Bundesinstitut für Infektionskrankheiten und nicht übertragbare Krankheiten. Seine Aufgabe besteht darin, Gesundheitsgefahren zu erkennen.
www.rki.de
Rubrik: Infektionsschutz/Impfen.

Alle in Deutschland verwendeten Impfstoffe müssen vom Paul-Ehrlich-Institut (PEI) – dem Bundesamt für Sera und Impfstoffe in Langen – zugelassen sein: www.pei.de.

‚Impfen schützt’ – so der Titel der Seiten des
Bundesverbandes der Kinder- und Jugendärzte e.V.: www.kinderaerzte-im-netz.de/

Das Netzwerk für unabhängige Impfaufklärung: www.impfkritik.de

Verband für Impfgeschädigte in Plettenberg:
www.impfschutzverband.de

,Beiträge zu einer differenzierten Impfentscheidung’ Dr. med. Steffen Rabe, Arzt für Kinderheilkunde und Jugendmedizin in München: www.impf-info.de

Eine kritische Betrachtung des Themas Impfen auch aus Sicht der Naturheilkunde und Homöopathie: www.impfschaden.info

Impfen Pro & Contra: Das Handbuch für die
individuelle Impfentscheidung. Von Martin
Hirte. Droemer/Knaur 2008. Broschiert, 10,95 €.

Impfen – der richtige Zeitpunkt

Dr. Ursel Lindlbauer, Impfexpertin des Bundesverbandes der Kinder- und Jugendärzte, und Mitglied der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin empfiehlt:

Ein Kind soll nicht geimpft werden, wenn
  • das Kind hohes Fieber hat oder an einer schweren Infektionleidet.
  • das Kind Medikamente erhält, die das Immunsystem schwächen, wie z.B.Cortison in höheren Dosen oder Cytostatika.
  • das Immunsystem des Kindes generell geschwächt ist. Bei Kindern mit einer angeborenen Immunschwäche muss in Zusammenarbeit mit dem behandelnden Zentrum individuell entschieden werden.
  • das Kind gerade operiert wurde oder eine Operation bevorsteht.
Leichte Infekte mit erhöhter Temperatur sind kein Grund, eine Impfungzu verschieben. Auch Allergien sind in der Regel kein Hindernis.

Fragen Sie Ihren Kinderarzt danach.

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