„Auto", "Puppe" oder "Kuh", welche Wörter Ihr Kind gegen Ende des ersten Lebensjahres auch sagen mag, vorangegangen ist diesen einfachstrukturierten Wörtern ein "Vorspiel", dessen Regeln alles andere als simpel sind. Es zieht sich nämlich monatelang hin und kommt nur stufenweise voran.
Die Fähigkeit, sprechen zu lernen und Sprache zu verstehen, ist allen Menschen angeboren. Auf der ganzen Welt entwickelt sich die Sprache nach demselben System.
1. Stufe: Das Neugeborene reagiert auf Ansprache schon aktiv mit Bewegungen.
2. Stufe: Einige Wochen nach der Geburt beginnt das Baby zu lallen.
3. Stufe: Nach einigen Monaten ist es nicht nur damit beschäftigt, zu lallen, sondern auch zu schnalzen.
Es formt im 2. Vierteljahr sogar bereits Laute, die in seiner Muttersprache gar nicht vorkommen. Vor allem Vokale werden jetzt geübt. Nach und nach kommen immer mehr Konsonanten hinzu. Das Baby beginnt, bestimmte Kombinationen von Vokalen und Konsonanten auszuprobieren, beispielsweise "ba" oder "la".
Sprechen ist ansteckend. Wenn Mütter und Väter oft mit ihrem Kind reden, dann wird es umso begeisterter schnalzen und lallen und versuchen den Eltern auf seine Art zu antworten.
Erwachsene wiederholen übrigens ganz automatisch die Laute des Babys. Ein ganz wichtiger Vorgang beim Sprechenlernen. Und auch hier zeigt sich wieder ganz deutlich, wie sehr sich ein Baby vom anderen unterscheidet. Es gibt nämlich schon in dieser frühen Phase ausgesprochene Viel-Redner, die ihre Silben gar nicht oft genug wiederholen können und ebenso die großen Schweiger, die sich einfach noch Zeit lassen. Beides ist ganz normal.
Was Sie Ihrem Kind erzählen, ist eigentlich ganz egal. Sie können Ihrem Baby getrost Unsinn vorplappern - das Kind lernt eine Menge dadurch. So beginnt es beispielsweise, ein Gefühl für Nuancen in der Sprache zu entwickeln. Es bekommt eine vage Vorstellung davon, was es bedeutet, wenn die Eltern in dieser oder jener Tonlage mit ihm sprechen. Erwachsene reden nicht nur in den höchsten Tönen mit einem Baby, sondern auch in einer ganz besonderen Sprache. Sie bilden kurze, klare Sätze, benutzen einfache Wörter und unterstreichen das Gesagte mit deutlichen Gesten. In allen Kulturen reden Erwachsene auf diese Art mit Babys. Diese Sprechweise darf man aber nicht mit der alles verniedlichenden Babysprache mit ihren "-leins" und "-chens" verwechseln.
Dieser Artikel ist Bestandteil unserer dreiteiligen Serie “Die Entwicklung des Kindes“. Wenn Sie alle Artikel lesen oder zurück zur Übersicht möchten, dann klicken Sie bitte hier .
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