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Wenn Babys ihren Kopf gebrauchen

Auf dem Sofa liegt Papas Brille. Lukas (14 Monate) sieht sie und will sie sich holen. Kein "Nein" kann ihn aufhalten und auch keine Erklärungen. Lukas krabbelt zum Sofa, zieht sich hoch. Doch da legt die Mutter die Brille zur Seite. Jetzt ist der Ofen aus. Lukas schreit empört Zeter und Mordio, trommelt mit den Fäusten auf den Boden und als das nichts hilft, nimmt er gleich noch sein Köpfchen dazu. Und Mama steht hilflos daneben.
Aus der Distanz betrachtet, ist ein Baby, das in Rage gerät, umwerfend komisch. Steckt man mitten drin im (Macht-)Kampfgetümmel, vergeht einem das Lachen. Man ist hilflos und häufig ebenso zornig wie das Baby: "Nun aber Schluss mit dem Theater."

Weil ein Baby seinen eigenen Kopf hat, will es ihn auch gebrauchen, es will mit dem Kopf durch die Wand. Und entdeckt: Hoppla, da sind Grenzen. Einem echten Dickkopf fällt es schwer, das zu schlucken. Er ist enttäuscht, dass er sich seine Bedürfnisse nicht selber befriedigen kann und dass niemand bereit zu sein scheint, ihm seinen Wunsch zu erfüllen.

Häufig treten die ersten Wutanfälle ganz plötzlich, sozusagen aus heiterem Himmel und aus nichtigem Anlass (aus Erwachsenensicht) auf. Wichtig ist, bei aller Dramatik nicht zu vergessen, dass Wutanfälle ganz normal sind: Das Baby möchte selbständiger sein, als es ist. Doch wie kann man das jähzornige Wutbündel bändigen, das da strampelnd auf den Boden eindrischt. Der wichtigste Punkt ist, nicht selber wütend zu werden, den Wutanfall nicht in einen Machtkampf ausarten zu lassen.

Das ist doppelt schwer, weil man nicht nur die
Wut des Babys dämpfen muss, sondern auch die eigene. Ganz schön schwierig, wenn der Nachwuchs vor Zorn schäumt und gar nicht mehr ansprechbar ist. Schimpft man mit dem Baby oder lässt man es links liegen (Liebesentzug), wird alles nur noch schlimmer. Auch ruhiges Reden nutzt wenig, denn ein wütendes Kind hört nicht zu.

Um es gleich zu sagen: Es tut einem Kind gut, wenn es seine Wut austoben darf. Dann ist der Dampf raus. Nimmt man es nach einem solch heftigen Gefühlsausbruch in den Arm, wiegt es sanft, zeigt ihm, wie lieb man es hat, glätten sich die Wogen schnell wieder.

Und wenn Ihnen wirklich mal der Geduldsfaden reißt, Sie das Kind anfahren und sich anschließend vorwerfen, so ungeduldig und unbeherrscht gewesen zu sein, dann nehmen Sie es erst recht in den Arm. Auf diese Weise geben sich die schlimmsten Schuldgefühle meistens wieder. Was übrig bleibt, ist eine gewisse Unzufriedenheit und Ratlosigkeit. Doch zum Trost: Kein Vater, keine Mutter verhält sich immer vorbildlich.

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Kommentare von Lesern:

 
Claudia, Dresden:
01.12.2010 08:59
Ja auch wir kennen diese Wutanfälle. Man ist völlig hilflos weil das Kind sich durch gar nichts beruhigen lässt und man nur abwarten kann. Als ich jetzt morgens beim Hände Waschen mal bei einem Wutanfall laut wurde weil uns die Zeit davon lief (wir mussten in die Kita und ich auf Arbeit), hatte ich den ganzen Tag ein schlechtes Gewissen. Ich frag mich nur ob das nur eine Phase ist oder ob es einfach der Charakter des Kindes ist und man eben mit solchen Wutanfällen leben muss
Irene, Nürnberg:
09.04.2010 09:52
Mein Sohn ist 15 Monate und solche Wutanfälle sind bei ihm schon alltäglich. Ich will dieses oder jenes, bekomm das nicht, dann schlag ich um mich oder mit dem Kopf auf den Boden!!! Leicht ist es nicht da ruhig zu bleiben, aber diese Wutattacken sind so schnell vorbei wie sie kommen
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Entwicklung des Kindes

Dieser Artikel ist Bestandteil unserer dreiteiligen Serie “Die Entwicklung des Kindes“. Wenn Sie alle Artikel lesen oder zurück zur Übersicht möchten, dann klicken Sie bitte hier .
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