Die acht Monate alte Nala sitzt auf der Erde und lallt gut gelaunt vor sich hin. Auch wenn ihr „Bababa“ von Papa bis Ball noch so ziemlich alles heißen kann, ist es die Voraussetzung dafür, dass Nala ihre Eltern in ein paar Monaten mit den ersten Wörtern überraschen wird.
Das Tolle ist, ihre Eltern brauchen dafür gar nicht viel zu tun. Alle Fertigkeiten, die ein Baby zum Sprechen lernen braucht, bringt ein gesundes Kind von ganz allein mit. Sprechen lernen fängt mit Zuhören an. Bereits Neugeborene erkennen die Melodie und den Lautbestand der Muttersprache.
Erste Laute formen sich bald zu verständlichen Worten
Und sie haben die Fähigkeit, in dem Schwall unterschiedlichster Stimmgeräusche der Erwachsenen eine Struktur zu erkennen und sich diese binnen weniger Monate so anzueignen, dass sie über eine pure Nachahmung des Gehörten hinaus eigene Spielarten von Sprache finden können.
Das erste „Sprechen“ eines Neugeborenen ist ein Gurren und Säuseln und dient dem Ausprobieren der eigenen Stimme und Sprechmuskulatur. Bei vielen Kindern um den achten Monat herum folgen dann Silbenwiederholungen: „lalala, bababa“. Zu diesem Zeitpunkt hat das Baby sein mentales Lexikon gut gefüllt und vielen Dingen im Geiste bestimmte Wörter zugeordnet. Das Lallen ist der erste Versuch, diese Wörter selbst zu artikulieren.
Sichtbarer Erfolg schafft schnell Fortschritte
Gelingt es ihm schließlich, gibt es kein Halten mehr. Im zweiten und dritten Lebensjahr wächst bei den meisten Kindern der aktive Sprachschatz in rasantem Tempo. Sprachlernprogramme braucht es dafür nicht. Es reicht, ganz normal mit seinem Kind zu sprechen. „Drängen Sie sich Ihrem Kind nicht auf. Nicht Masse ist gut, sondern Sprache im richtigen Moment“, sagt die Psychologin und Spracherwerbsforscherin Gisela Szagun. Das Baby will keinen Sprachlehrer, sondern mit seiner Umwelt in den Dialog treten. Es möchte angesprochen werden und dabei die Mimik und Gestik seines Gegenübers betrachten können. Und es möchte, dass ihm jemand Gehör schenkt. Dann kommt das Sprechen von ganz allein.
Kommentare von Lesern:
Sillke, Sinzig:
24.09.2011 00:41
Meine mitlere Tochter ist jetzt 2 Jahre und 3 Monate. Diese Zeit ist sehr schön. Sie erfindet täglich neue Worte und lernt andere deutlich zu sprechen. Vor ein paar Monaten waren noch Schuhe "Fürfüß". Jetzt sagt sie Schuhe und daür ist jetzt Flugzeug "Zugzeug" und Guck mal "Tumaa".Wirklich sehr schön und das waren nur zwei Beispiele. An alle, die jetzt auch in dieser Phase stecken:Genießt es, es ist viel zu schnell vorbei(habe ich an meiner Großen gesehen, sie ist jetzt schon 8)
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Buchtipp
„Das Wunder des Spracherwerbs“
Die Sprachforscherin Gisela Szagun beschreibt in diesem Buch für Eltern leicht verständlich und dennoch umfassend, wie der kindliche Spracherwerb abläuft und welche individuellen Eigenarten es dabei geben kann, die dennoch als normal gelten. Außerdem gibt die Autorin Tipps, wie man kleinen Fehlern begegnen sollte und wie
Eltern erkennen können, wann eine zusätzliche Hilfe vielleicht doch von Nöten ist.
Gisela Szagun Das Wunder des Spracherwerbs
Beltz-Verlag, 2007,
ISBN 978-3-407-85770-5
14,90 Euro, 224 Seiten. Gebunden