Schon das Baby winkt der Mama begeistert beim Abschied zu, bedeckt den Teddybär mit einer Decke, wenn er schlafen soll und versucht mit dem Löffel Brei zu essen, wenn die Familie zusammen beim Mittag sitzt. Dass dabei der ein oder andere Löffel daneben geht und anfänglich alles erst einmal betastet und zerkrümelt werden muss, gehört dazu. Wenn das Matschen mit dem Brei allerdings zur reinen Provokation wird, weil der Hunger längst gestillt ist, heißt es eingreifen. Konsequentes Handeln sichert den Familienfrieden und gibt den „Benimm-Neulingen“ wichtige Orientierungshilfen.
...und Ausnahmen sind erlaubt
Wenn die Regeln klar sind, darf es auch mal Ausnahmen geben. Zum Beispiel einen „Finger-food-Tag“, an dem alle Familienmitglieder einmal Spaghetti mit dem Mund schlürfen können. Und so spielerisch feststellen können, dass der Gebrauch von Löffel und Gabel durchaus eine wertvolle Hilfe sein kann.
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Die innere Haltung zählt...
Gutes Benehmen sollte nichts mit Drill zu tun haben, sondern eine innere Haltung ausdrücken. Dazu gehört es neben den erlernten Dankes- und Grußformeln, auch persönliche Interessen mal hinten an stellen zu können oder nicht immer alles auszusprechen, nur „weil es doch die Wahrheit ist“ (die den Anderen unter Umständen unnötig verletzt). Mindestens genauso wichtig ist die Erfahrung, dass Regeln auch für die Großen gelten und mit den „Benimm-Pflichten“ auch „Rechte“ einhergehen. Zum Beispiel das Recht, „Nein!“ sagen zu dürfen, wenn Fremde oder Bekannte umarmt oder geherzt werden möchten. Oder sich Erwachsene in der Einkaufsschlange einfach vordrängeln.
Vor allem aber zählt dazu, die Grenzen seiner Mitmenschen zu akzeptieren und sie nicht ungefragt zu übertreten. Übrigens ein Punkt, in dem wir Erwachsenen nicht immer mit leuchtendem Beispiele voran gehen. Denken sie nur daran, wie häufig manch gut meinende Fremde ihren Kopf ungefragt in den Kinderwagen eines Neugeborenen steckt, um diesem mal kurz die Wange zu tätscheln. Hat sie sich wohl vorher gefragt, wie der hilflose kleinen Zwerg sich fühlt, wenn er plötzlich „überfallen“ wird von jemandem, der ganz anders riecht und aussieht als die Mama?
TIPP: Ansprüche altersgerecht anpassen
Ein Zweijähriges kann noch nicht kleckerfrei Essen, begreift aber schnell, dass es vom gemeinsamen Essen ausgeschlossen wird, wenn es das Besteck zum x-ten Mal auf den Boden wirft. Für einen Fünfjährigen stellt der Umgang mit Messer und Gabel vielleicht noch eine Herausforderung dar, dafür kann er eine Tasse bereits so gerade halten, dass er seinen Kakao nicht verschüttet. Passen Sie Ihre Ansprüche an gutes Benehmen den Fähigkeiten und Bedürfnissen des Kindes an.
Fazit
Gutes Benehmen hat viel mehr mit Herzensbildung und Konsequenz zu tun, als mit antrainierten Verhaltensmustern. Am einfachsten lernen Kinder das Gewünschte, wenn Mutter und Vater das vorleben, was ihnen im Alltag wichtig ist. Die besten Erfolgsaussichten hat dabei, wem es gelingt, die Regeln spielerisch in den Alltag einzubauen. Dann drücken gute Manieren das aus, wofür sie gedacht sind: einen respektvollen, aufmerksamen, höflichen und gleichwürdigen Umgang miteinander. (st)
… nach dem Aufstehen freundlich „Guten Morgen“ sagen; grüßen wenn man kommt und sich verabschieden, wenn man geht.
… sich morgens und abends Gesicht und Hände waschen und die Zähne putzen.
… nach dem Niesen ein Taschentuch benutzen.
… kleckerfrei essen, kauen mit geschlossenem Mund.
… für die Dauer eines Mahlzeit-Ganges am Tisch sitzen bleiben.
… beim Tisch decken oder beim Abräumen helfen.
… in der Öffentlichkeit nicht rülpsen, pupsen oder popeln.
… sich entschuldigen, wenn man trotzig oder zornig war.
Manchmal haben Kinder noch nicht die körperlichen Voraussetzungen für bestimmte Umgangsformen. So wird ein Kind, das Schwierigkeiten hat, Stift oder Schere zu halten, in den seltensten Fällen mit Messer und Gabel umgehen können. Lassen Sie Ihrem Kind also noch ein Weilchen Zeit. Sehr hilfreich ist es für Kinder, wenn Sie eine Umgebung und Atmosphäre schaffen, die gutes Benehmen erleichtert. Zum Beispiel mit Ihnen gemeinsam den Tisch schön decken, mit Tischdecke und Blumen. Oder Kinderstühle verwenden, die die richtige Größe haben, um entspannt und aufrecht am Tisch zu sitzen.
Quelle: Franziska von Au, Knigge für Kinder, Urania 2oo5.