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Das Zweite kommt – Geschwisterrivalität und Stillen

Die meisten Frauen haben abgestillt, bevor sie wieder schwanger werden, doch es gibt auch Frauen, die in der nächsten Schwangerschaft weiterstillen oder auch nach der Geburt des Geschwisterkindes zwei Kinder stillen, so genanntes Tandemstillen. Das ist eine individuelle Entscheidung der Familie, braucht eine individuelle Beratung und ist nichts Unnormales, auch wenn es für unsere Gesellschaft weniger bekannt ist. Die Frauen müssen neben den Bedürfnissen der Kinder auch an ihre eigenen denken und auch negative Gefühle ohne schlechtes Gewissen zulassen dürfen.

Stillen ist nicht der Grund von Geschwisterrivalität, kann aber vom älteren Kind als Ventil genutzt werden. Abzustillen und auf Flaschenernährung umzustellen verändert die Situation nicht wesentlich. Hat sich das Stillen mit dem zweiten Kind eingespielt, können Mütter die Stillzeiten als Kuschel- und Vorlesezeiten für die Älteren nutzen. Manche Familien haben auch einen Schuhkarton mit interessanten Spielsachen eingerichtet, der nur zu besonderen Situationen zum Spielen genutzt wird, wie z. B. beim Stillen des Geschwisterkindes. Evtl. möchte das ältere Kind die Milch kosten, das könnte durch Abdrücken ermöglicht werden. Meist entscheiden dann die Älteren, dass sie diese Milch nicht mögen und deshalb gern dem Jüngeren überlassen. Wichtig ist, dass Brüder und Schwestern erfahren, dass ihre Gefühle füreinander ernst genommen werden, die Gefühle mit Worten benennen, Ventile aufzeigen, wie sie gefahrlos ihren Ärger los werden können. Es geht auch hier um liebevolles Grenzensetzen. Auf alle Fälle müssen Kinder daran gehindert werden, Schmerzen zu verursachen: „Halt, Menschen soll man nicht weh tun!“ Außerdem müssen Eltern vermeiden, Kinder miteinander zu vergleichen.

Sich Zeit nehmen für das größere Kind ist sehr wichtig, nicht nur von väterlicher sondern auch von mütterlicher Seite. Sehr hilfreich kann in der ersten Zeit dabei ein Tragetuch sein. Gerade in den späten Nachmittag- und Abendstunden sind die Babys unruhig, aber zu der Zeit brauchen auch die müden Geschwisterkinder die Eltern. Steckt das Baby im Tragetuch, ist sein Bedürfnis meist gestillt und Kopf sowie Hände des Erwachsenen frei für das größere Kind.

© Gudrun von der Ohe
Ärztin sowie Still- und Laktationsberaterin IBCLC
1. Vorsitzende des Berufsverbandes Deutscher Laktationsberaterinnen;
www.bdl-stillen.de

Teil 1

Geschwisterrivalität ist normal!

Teil 2

Tandemstillen
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Teil 1

Geschwisterrivalität ist normal!

Teil 2

Tandemstillen

Informationen und Beratungsangebote

Für schwierige Situationen sind immer Einzelberatungen oder ein Austausch mit Eltern angezeigt, die gleiche Erfahrungen gemacht haben. Einzelberatungen und Gruppen zum Austausch finden Sie bei
Still- und Laktationsberaterinnen IBCLCs, siehe unter www.bdl-stillen.de

Stillgruppen bieten auch die La Leche Liga
www.lalecheliga.de
sowie die Arbeitsgemeinschaft freier Stillgruppen
www.afs-stillen.de
an.

Buchtipps

Für die Vorbereitung auf ein Geschwisterkind eignen sich gut Bilderbücher, wie z. B. von

Astrid Lindgren und Ilon Wikland
„Ich will auch Geschwister haben“
(ISBN: 3-7891-6033-4), von

Edith Seitz
„Busi, sagte Henriette“
(ISBN: 3 934941-03-6 ) oder das Buch von

Beate Wollmann und Uta Fischer
„Süße Milch für Jules Bruder“
(ISBN: 3-935964-27-7).

Für Eltern ist das Buch von Adele Faber und Elaine Mazlish „Hilfe, meine Kinder streiten“ sehr zu empfehlen. Es kann über die La Leche Liga bestellt werden.
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