Die meisten Menschen in unserer Gesellschaft denken, dass Stillen wie ein Reflex funktioniert und darum nicht viel darüber geredet werden muss. Nach der Geburt wird das Kind an die Brust gelegt und fertig. Doch dem ist nicht so. Stillen ist ein sozial erlernter Prozess, der jeweils von der älteren Generation übernommen und gelernt wird. Hirnforscher sprechen von „Transgenerationaler Weitergabe erworbener Eigenschaften". Da in den Generationen vor uns diese erworbenen Eigenschaften verloren gegangen sind, muss die jetzige Elterngeneration dies nicht nur mühsam nachholen, sondern auch gegen viele Vorurteile der Mutter- und Schwiegermuttergeneration ankämpfen. Das verunsichert die jungen Mütter oft. Da heutzutage schwangere Frauen kaum Stillende aus der Nähe gesehen haben, wären sie gut vorbereitet auf die Zeit mit einem Neugeborenen, wenn sie schon in der Schwangerschaft eine Stillgruppe besuchen (Adressen rechts) oder zum Thema etwas lesen würden. Wir Still- und Laktationsberaterinnen empfehlen nicht mehr den Klassiker von Hanna Lothrop, sondern die Bücher, die Sie in unseren Buchtipps zum Thema Stillen finden. Sie sind kurz, informativ und beruhen auf aktuellem Wissensstand.
Besonders im letzten Drittel der Schwangerschaft sind die Frauen gedanklich mit der bevorstehenden Geburt beschäftigt. Das zweite Drittel der Schwangerschaft ist meist das unbeschwertere, so dass es günstig ist, sich zu diesem Zeitpunkt um die Ernährung des Kindes zu kümmern. Vorbereiten auf die Stillzeit ist schon in der Schwangerschaft sinnvoll, hat jedoch nichts mit Abhärten der Brustwarzen zu tun. Der Körper ist hormonell auf Schwangerschaft und Geburt eingestellt. Dies führt durch eine vermehrte Wassereinlagerung zur Lockerung des Gewebes, die Brüste nicht ausgenommen. Es reicht, ohne BH herumzulaufen oder Löcher in den BH zu schneiden, um die ansonsten gut geschützten Brustwarzen an eine normale Belastung zu gewöhnen.
Den besten Start bekommt die Familie, wenn im Kreißsaal ein ununterbrochener Hautkontakt von Mutter und Kind während der ersten zwei Stunden nach der Geburt oder bis nach dem ersten Stillen möglich ist.
Voraussetzung ist allerdings, dass es Mutter und Kind gut geht. Leider sind es meist Routinemaßnahmen, die verhindern, den ununterbrochenen Hautkontakt zuzulassen. Dabei belegen Studien, dass nach einem idealen Start effektiveres Saugen schneller erlernt wird, die Neugeborenen ihre Körpertemperatur und den Blutzucker besser stabilisieren können und in dieser sensiblen Zeit hormonell bedingt eine intensivere Mutter-Kind-Aktion ermöglicht wird. Ist diese intensive Bonding-Phase aus unterschiedlichen Gründen nicht möglich, sollte sie nachgeholt werden: das Kind nur mit Windel bekleidet auf der nackten Brust der Mutter liegend, beide gut zugedeckt. Auch das 24-Stunden-Rooming-in zu ermöglichen ist ein entscheidender Faktor beim Stillen. Die jungen Mütter erholen sich nicht besser, wenn das Baby nicht bei ihnen ist. Sie bekommen nicht mehr Schlaf, wenn das Kind im Kinderzimmer schläft, jedoch ist bei Rooming-in die Stillfrequenz höher und die Mutter lernt ihr Kind besser kennen. So gestärkt haben es die Frauen im Wochenbett zu Hause leichter zurechtzukommen.
Teil 1
Der Stillstart beginnt schon in der Schwangerschaft
Wenn Sie mehr über das Thema wissen möchten und dazu noch Fragen generell zum Stillen haben, finden Sie im Internet Ansprechpartner und weitere Informationen.
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Buchtipps zum Thema Stillen
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