Die junge Mutter ist vielleicht ungewollt schwanger geworden. Es kann sein, dass die Partnerschaft nicht weiter besteht, vielleicht fühlt sich der Partner überfordert in seiner Rolle als Vater. Oder die junge Mutter – aus ungünstigen sozialen Verhältnissen kommend – wünscht sich ein Kind, um endlich mal etwas ganz für sich alleine und zum Kuscheln zu haben. Hat die junge Frau eine eigene Wohnung und ist sie finanziell abgesichert? Es gibt Situationen, die den Start als Mutter sehr erschweren können. Manche überlegen, ob die Brust soweit entwickelt ist, dass ein Mädchen stillen kann. Wenn ein junges Mädchen schwanger werden kann, ist der Körper soweit entwickelt, dass auch dies möglich ist. Die Brust wird ohnehin erst in einer Schwangerschaft auf das Stillen vorbereitet und entsprechend entwickelt. Das passiert auch bei jungen Frauen, und generell am Beginn der Schwangerschaft. Es ist also kein biologisches Problem, wenn junge Frauen nicht stillen. Stillen kann die frühe Bindung (Bonding) und die Entwicklung einer guten Mutter-Kind-Beziehung erleichtern. Junge Frauen sollten bestärkt werden darin, dass Stillen etwas ist, was nur sie ihrem Kind geben können. Damit kann das Selbstwertgefühl gestärkt werden.
Junge Frauen brauchen aber ggf. auch Zeit für sich – Zeit, mit Gleichaltrigen das Teenager-Alter auszuleben. Fälschlicherweise wird ihnen dann geraten, lieber abzustillen, weil sie dann unabhängiger seien. Damit wird ihnen aber eine ganz wichtige Rolle genommen, denn sie sind als Mutter nicht ersätzlich. Ihnen sollte jedoch der Spagat zwischen Mutter und Teenager ermöglicht werden. Das geht auch mit Stillen oder zumindest Teilstillen. Auch eine Ausbildung muss aufgrund des Stillens nicht abgebrochen werden. Dies gilt genauso für Stillen und Erwerbstätigkeit. Ein Informationsblatt dazu sowie zur Aufbewahrung von Muttermilch kann im Sekretariat des Berufsverbandes Deutscher Laktationsberaterinnen gegen einen geringen Betrag angefordert werden, Adresse s. unten. Stillen ist Prävention für Mutter und Kind, gestillte Kinder sind seltener krank. Zudem spart man mit Stillen Geld, ca. 75 Euro pro Monat können eingespart werden – Geld, das die jungen Frauen lieber für sich nutzen sollten. Mutter und Teenager zu sein, das kann nur gut gelingen, wenn Mutter und Kind gut begleitet werden, ohne Bevormundung. Stillen ist dabei ein Teil des Ganzen. Häufig gehen Teenager-Mütter ganz unkompliziert damit um.
Die ältere Mutter hat wahrscheinlich schon eine zeitlang im Beruf gearbeitet, die Familie hat sich jetzt vorgenommen, Kinder zu haben. Manchmal hat es länger gedauert, bis das lang ersehnte Kind da ist. Und plötzlich ist es nicht so, wie es sich die Eltern vorgestellt haben. Mit dem Stillen braucht es Zeit, und für ein Kind 24 Stunden am Tag da zu sein, ist eine Aufgabe, die unheimlich anstrengend sein kann. Die Frauen wollen häufig alles perfekt machen und stellen hohe Ansprüche an sich. Beruflich kamen sie gut zurecht – und nun? Häufig stellen sich ältere Mütter unter Druck, alles perfekt machen zu müssen. Je weniger die Realität den Erwartungen entspricht, desto tiefer fallen sie. Dabei kann das Stillen auf der Strecke bleiben, denn Stillen scheint in unserer Gesellschaft an allem Schuld zu sein. Doch ändert ein Abstillen wenig an der komplexen Situation. Das sollte von kompetentem Fachpersonal erkannt werden, um die Mütter dort abzuholen, wo sie stehen. Mit Unterstützung und Begleitung finden diese lebenserfahrenen Mütter ihren Weg. Häufig sind sie es jedoch nicht gewohnt, sich Hilfe zu holen. Auch eine Rückkehr zum Beruf ist mit ausschließlichem Stillen oder Teilstillen möglich, wenn die Unterstützung dazu da ist.
Somit ist es für alle Mütter gleich: Sie sind von Natur aus in der Lage, ihr Kind mit Muttermilch zu ernähren. Jede Frau bringt eine individuelle Geschichte mit und braucht eine individuelle Begleitung auf ihrem Weg. Manche Frauen brauchen eine individuelle Beratung, und alle profitieren von Still- und Müttergruppen. Unsere Gesellschaft muss sich darum kümmern, dass die Familien ihren Weg finden können, indem sie die Unterstützung und die Angebote gibt und nicht mit Ammenmärchen, widersprüchlichen Ratschlägen und unverarbeiteter Geschichte die Familien verunsichert.
Unterstützung können alle Mütter und Familien bei den unterschiedlichsten Organisationen finden, die unter www.stillen-info.de abzurufen sind.
Still- und Laktationsberaterinnen IBCLC nach PLZ sortiert sind zu finden unter www.bdl-stillen.de oder können erfragt werden im Sekretariat des Berufsverbandes Deutscher Laktationsberaterinnen (BDL): sekretariat@bdl-stillen.de
bzw. Tel.: (0511) 87 64 98 60.
Diejenigen, die gern lesen, können sich über Bücher informieren. Wir möchten hier hinweisen auf die von der La Leche Liga herausgegebenen Bücher, da sie nicht so bekannt, aber sehr empfehlenswert sind:
- William Sears „Schlafen und Wachen“,
Neuauflage 2005, ISBN 3906675033; 13,90 €
- William Sears „Das 24-Stunden-Baby“,
ISBN 3906675041; 13,90 €
- Carlos González „In Liebe wachsen“,
Erstauflage 2005, ISBN 3932022149; 13,90 €