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Der väterliche Blick aufs Stillen – vier Männer

Am besten ist eine vorurteilsfreie Herangehensweise



Christian ist der Mann einer Hebamme: „Ich bekomme sicher mehr mit als andere Väter, aber das ist nicht immer ein Vorteil. Ich glaube bis heute, dass vor allem meine vorurteilsfreie Herangehensweise zu einer guten Stillzeit für mich geführt hat. Ich habe Stillen immer als etwas völlig Normales und Natürliches wahrgenommen.“ Eleni, seine Erstgeborene ist über zwei Jahre alt und trinkt noch immer ab und an eine Einschlafmilch bei ihrer Mutter. Christian genießt es, wenn seine Frau und seine Töchter innig verbunden beim Stillen im Bett liegen.

Es gibt nicht nur positive Erfahrungen



Doch nicht immer sind die Erfahrungen so schön. Carsten (32) ist Vater eines kleinen Sohnes: „Paul ist jetzt fast ein Jahr alt und wird immer noch gestillt. Meine Freundin und ich hatten während der Schwangerschaft überlegt, dass sie Paul ein halbes Jahr die Brust gibt, doch sie hat den Zeitpunkt zum Abstillen immer weiter rausgeschoben. Mittlerweile bin ich wirklich schwer genervt, ich habe kaum noch Platz in ihrem Leben.“ War Carsten Einstellung anfangs noch sehr positiv, steht er dem Stillen mittlerweile nur noch negativ gegenüber.

Seiner Ansicht nach wird das Stillen an sich zu wichtig genommen, denn als Vater fühlt er sich völlig ausgeschlossen. „Ich habe mich vor der Geburt recht intensiv mit der Angelegenheit auseinandergesetzt, weil ich meiner Freundin zur Seite stehen wollte, gedankt hat sie es mir nicht wirklich.“

Die überwiegende Zahl der Babys wird gestillt



Insgesamt werden in der Bundesrepublik über 80 % aller Babys gestillt. Die meisten von ihnen sechs Monate lang. Ein Zeitraum, den dieWHO empfiehlt, wenn es um das volle Stillen geht. Noch vor 10 Jahren lag die Zahl der gestillten Babys deutlich darunter. Auch andere Stillorganisationen raten dazu, ein Kind die ersten sechs Monate voll zu stillen und dann langsam Beikost einzuführen.

4 Väter - 4 verschiedene Meinungen zum Stillen



„Kinder bekommt man auch mit der Flasche groß“, sagt Carsten. „Die Frau soll abpumpen, dann kann ich die Milch mit der Flasche füttern.“ Er hat Angst, dass ihre Beziehung das nicht mehr trägt.

Auch Thomas wartet sehnsüchtig auf den Zeitpunkt, an dem er die Ernährung seiner Tochter übernehmen kann: „Meine Frau geht bald wieder arbeiten und ich nehme zwei Monate Elternzeit. Da werden meine Tochter und ich uns eine richtig nette Zeit machen, mit Fläschchen!“ Ob seine Frau die Milch dann abpumpt und er sie verfüttert, haben die beiden noch nicht abschließend geklärt. Eine Option stellt es auf alle Fälle dar. Wenn Hannas Mama wieder arbeiten geht, wurde das kleine Mädchen fast ein Jahr gestillt. Als störend hat Thomas das nicht empfunden. „Angst, das fünfte Rad am Wagen zu sein, hatte ich wirklich nie.

Klar ist das eine enge Bindung zwischen Mutter und
Kind, ich kann nun mal nicht stillen. Dafür habe ich andere Aufgaben übernommen. Und mit Hanna rumalbern kann ich auch ohne Stillen.“ Thomas nickt entschieden mit dem Kopf.

Anton ist stolz auf seine Frau: „Dass sie trotz der anfänglichen Schwierigkeiten beim Stillen geblieben ist, imponiert mir. Unsere Beziehung hat dadurch eine ganz besondere und enge Ebene erreicht und ist noch inniger geworden.“

Christian ist in seiner gelassenen Herangehensweise
an das Thema bestätigt worden: „Ich hatte nie das Gefühl, dass meine beiden Kinder mir die Frau wegnehmen oder sie durch Stillen verwöhnt werden. Sie sind beide lebensfroh und freiheitsliebend, was ich teilweise auch auf die intensive Nähe zur Mutter beim Stillen zurückführe. Und sicher war es hilfreich, dabei einen Vater zu erleben, für den das alles ganz selbstverständlich ist.“

Dass solch positiven Erfahrungen nicht in jeder Familie gemacht werden, zeigt das Beispiel von Carsten. Doch davon sollte man sich nicht abschrecken lassen. Kinder verändern eine Partnerschaft, das ist klar. Stillen ist da nur ein kleiner Bereich. Reden beide Partner über ihre Wünsche und die anstehenden Veränderungen, steht einem glücklichen Start ins Familienleben samt Stillen nichts im Weg.

Carolin Schäufele
Teil 1

Väter machen sich über das Stillen Gedanken

Teil 2

Am besten ist eine vorurteilsfreie Herangehensweise

4 Väter - 4 verschiedene Meinungen zum Stillen
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