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PEKIP - Den nächsten kleinen Schritt begleiten

PEKIP - Den nächsten kleinen Schritt begleiten
Bild: Kerstin Liesegang

Das Prager-Eltern-Kind-Programm ist der Klassiker unter den Kursen, die das erste Lebensjahr begleiten. Was passiert da eigentlich? kidsgo hat nachgefragt.
Der Raum in Berlin Mitte ist kuschelig warm. Acht nackte Babys liegen im Kreis auf dem Bauch. Sie quietschen und
brabbeln, Mia lutscht zuerst an ihren Zehen, dann an Jules Daumen. Jonathan widmet sich hingebungsvoll einem Holzlöffel. Und die Mamas? Sie beobachten, wie ihre Kleinen Kontakte knüpfen. Einmal pro Woche treffen sich Mütter und Babys zum Kurs, der eineinhalb Stunden dauert. „Meine erste Tochter ist inzwischen sieben Jahre alt, nach ihrer Geburt habe ich sehr früh wieder angefangen zu arbeiten. Unsere gemeinsame Spielzeit kam dabei viel zu kurz“ berichtet die 34-jährige Ute. Das soll bei Mia anders sein, fünf Monate ist sie jetzt. „Im PEKiP-Kurs kann ich mich ganz meinem Baby widmen, das ist für uns beide ein Luxus. Und ich bekomme Ideen für das Spielen Zuhause.“

Babys unter sich



Im ersten Lebensjahr tut sich so viel im Leben eines Babys. Es ist wunderschön, ihm beim Heranwachsen zuzuschauen und seine Entwicklungsschritte zu begleiten. Genau darum geht es in den unterschiedlichen Krabbel-, Spiel- und Entwicklungsgruppen: Ob Pikler, FenKid, ElBa oder PEKiP (Prager-Eltern-Kind-Programm) – überall steht das Baby im Mittelpunkt. Anfang der siebziger Jahre entwickelte die Bochumer Psychologin Christa Ruppelt das „Prager-Eltern- Kind-Programm, das auf den Erkenntnissen des Prager Psychologen Dr. Jaroslav Koch beruht.

Mittlerweile ist es zum Klassiker unter den Spielgruppen geworden, wöchentlich besuchen etwa 50 000 Babys in ganz Deutschland einen PEKiP-Kurs. PEKiP ist ein geschützter Name, nur qualifizierte PEKiP-Gruppenleiter dürfen unter dieser Bezeichnung eine Gruppe anleiten. Zusätzlich zur pädagogischen Fachausbildung ist dafür eine spezielle PEKiP-Zusatzaus bildung nötig.

Schon Babys sind gern in Gesellschaft, das lässt sich in der Gruppe genau beobachten. Spielend erkunden sie die Welt, probieren aus, was sie schon können und lernen neue Fähigkeiten dazu. Bereits mit drei Monaten nehmen Säuglinge Blickkontakt auf, später kommen Greifen, aufeinander zurobben und die Verständigung durch Mimik und Babylaute hinzu. Mit einem halben Jahr tauschen sie ihre Spielsachen: Ball gegen Tuch, Holzklotz gegen Rassel.

Die Idee, dass Mama und Papa diesen Wunsch unterstützen und begleiten, ist Kern des Prager-Eltern-Kind-Programms: Dem Baby Zeit und Aufmerksamkeit widmen, ihm die Möglichkeit geben, vielfältige Erfahrungen zu machen.

Ungeheure Möglichkeiten



„Im Kind sind ungeheure Entwicklungsmöglichkeiten verborgen, von denen wir bis heute keine Ahnung haben“ - Mit dieser Beobachtung legte der Prager Psychologe Dr. Koch in den 60er Jahren den Grundstein für PEKiP. Das war zu einer Zeit, als Eltern ihre Kinder meist sich selbst überließen, sie ins Bettchen legten und auf ihr Weinen nicht reagierten, um sie nicht zu verwöhnen. Koch bemerkte, dass sich Babys schon ab den ersten Lebenswochen deutlich besser entwickelten, wenn ihre Eltern regelmäßig mit ihnen spielten. Und er stellte auch fest, dass die Kinder sich ohne Kleider am wohlsten fühlten: Sie waren viel aktiver und zufriedener, wenn sie sich ohne Strampler und dicke Windel bewegen durften. Deshalb sind alle acht Babys während der PEKiP-Stunde nackt. Aus- und Anziehen ist fester Bestandteil und jeweils die erste und letzte Viertelstunde eines Treffens ist dafür reserviert:

Die Mütter nehmen sich Zeit für diese Zeremonie und sagen ihren Kindern, was sie tun: „Jetzt knöpfe ich dein Jäckchen auf, dann ziehe ich erst den linken Ärmel aus, danach den rechten“. Der Raum ist ca. 27 Grad warm, damit die Kleinen während der Spielzeit nicht frieren.

Eine kleine Pfütze auf der Matte? Kerstin, die die Gruppe leitet, ist da sehr entspannt: „Natürlich pinkeln die Babys ab und zu, aber das Pipi wischen wir mit Wasser weg. Babyurin ist praktisch steril, er enthält keine Keime, die den Spielkameraden schaden könnten“, erklärt sie.

Wenn Mütter während der Gruppenstunde stillen, rät sie dazu, dem Baby eine Windel anzulegen. Schließlich ist PEKiP kein starres Konzept, das keine Abweichung duldet. Und Mamas fühlen sich mit nasser Hose nicht gerade wohl.
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