Junge Eltern - Späte Eltern, was besser ist, darüber gehen die Meinungen auseinander.
Gibt es überhaupt den Idealfall? Schwer zu sagen. Garantien für eine glückliche Familie gibt es jedenfalls keine. Kinder brauchen Offenheit, Toleranz, Verständnis und vor allem Liebe, ganz viel Liebe. Und das ist sicher nicht vom Alter abhängig. Späte Mütter gelten häufig sogar als ausgeglichener, weil sie nicht mehr das Gefühl haben, etwas zu verpassen. Hier drei unterschiedliche Meinungen aus ganz persönlicher Sicht.
Brigitte Mönning (47), Verlagskauffrau
Als meine Gynäkologin mir mitteilte, ich sei schwanger, fiel ich aus allen Wolken. Eigentlich war ich mit dem Verdacht auf frühe Wechseljahre zur Untersuchung gegangen. Ich war bereits 43 und hatte schon immer eine unregelmäßige Periode. Wie meine Mutter, die auch schon früh ins Klimakterium kam. Und jetzt das. Aus erster Ehe hatte ich bereits zwei fast erwachsene Kinder und mit einem Baby hatten mein Mann Christian, der noch dazu zehn Jahre älter ist, und ich bestimmt nicht mehr gerechnet. Ich hatte erst vor einigen Monaten die Pille abgesetzt um zu sehen, ob ich überhaupt noch einen Eisprung habe. Für eine Weile würde es ja auch mit anderen Verhütungsmethoden gehen, dachten wir. Zugegeben, sind wir damit ein bisschen sorglos umgegangen.
Mein erster Gedanke war, bloß das nicht. Schließlich hatte ich gerade eine neue Abteilung in der Firma übernommen und ein Kind passte da überhaupt nicht rein. Außerdem war ich immer schon der Meinung, dass man möglichst früh Kinder bekommen sollte. Ich war damals voll und ganz für die Kinder da und bin in meiner Rolle als Hausfrau und Mutter total aufgegangen. Kind und Karriere, das war für mich kein Thema. Erst als die Kinder größer waren, habe ich verschiedene Lehrgänge besucht und wieder angefangen zu arbeiten. Um es kurz zu machen. Es folgten einige schlaflose Nächte, Tränen und lange Gespräche. Ich habe mich für das Kind entschieden, gemeinsam mit meinem Mann.
Heute ist Lea drei Jahre alt und wir möchten unseren süßen Sonnenschein nicht mehr missen. Trotzdem merke ich, dass ich vielen Anforderungen, die so ein kleines Temperamentsbündel an einen stellt, längst nicht mehr so gewachsen bin, wie vor 20 Jahren. Auch die Schwangerschaft verlief nicht so komplikationslos. Ich habe alle Vorsorgeuntersuchungen gemacht, einschließlich einer Fruchtwasseruntersuchung. Da war wenigstens etwas von der Angst weg, ein krankes Kind zu bekommen. Ich bekam dann aber noch vorzeitige Wehen und habe die letzten Wochen der Schwangerschaft liegend im Krankenhaus verbracht. Das war nicht angenehm. Trotzdem kam Lea dann per Kaiserschnitt zur Welt. Wie gesagt, ich möchte die Kleine nicht missen, aber wenn ich all die jungen Mütter im Kindergarten sehe, fühle ich mich manchmal ganz schön alt. Manchmal denke ich auch darüber nach, wie alt ich bin, wenn Lea mal Abitur macht. Und Christian wird immer wieder für Leas Opa gehalten. Ich weiß nicht, wie sie in der Schule mal damit umgehen wird.
Meine ohnehin späte Karriere hat einen echten Knick bekommen, aber seit Lea im Kindergarten ist, arbeite ich wieder halbe Tage. Mehr nicht. Schließlich sollen wir noch so viel wie möglich voneinander haben.