„Wirst sehen, beim zweiten Kind bist du viel gelassener ...“(Freundin)
Sie ist die erste, die von dem Ärger mit der Schwiegermutter erfährt und die einzige, der man ohne Sorge seine Schwäche und Unsicherheit eingestehen kann. Sie sendet auf der gleichen Wellenlänge und kennt vieles aus eigener Erfahrung.
Kinder – die Besserwisser
„Bei Oma und Opa darf ich aber...!“(Kind)
Kurz vor der Geburt ihres ersten Kindes sagte Melanies Chef zu ihr: „Sie werden sehen, es gibt keinen größeren Egozentriker als ein kleines Kind!“ Damals fand sie das unverschämt, heute, drei Jahre später, weiß sie, was ihr Boss damit meinte. Niemand ist besser darin, das Beste aus allem heraus zu holen, als ein Kind. Darf es bei Mama den Tierfilm nicht sehen, wird es damit argumentieren, dass es bei Papa oder Oma und Opa aber immer den Film sehen darf. Ebenso, wie es dort alle Süßigkeiten dieser Welt bekommt, morgens ausschließlich Nutella aufs Brot streichen darf und abends nie direkt nach dem Sandmännchen ins Bett muss.
Bild: www.utamelletat.de
Autoren – die Theoretiker
„Im Alter von vier Monaten sollte Ihr Kind in der Lage sein, einem regelmäßigen Schlaf-rhythmus zu folgen ...“(Autor)
Schlafen, Essen, Stillen ... beim ersten Kind fragt man sich als Mutter oft, welcher Rhythmus und welches Maß für das eigene Kind wohl richtig sind. Erziehungsratgeber sind in jeder Buchhandlung erhältlich und versprechen schnelle Antworten auf alle Fragen. Einziges Problem: So groß die Auswahl an Ratgebern ist, so unterschiedlich sind auch die pädagogischen Ansätze, mit denen die unterschiedlichen Themen behandelt werden.
Fazit:
Jeder Ratschlag hat auch seine „Kehrseite“.Will ich überhaupt, dass mir jemand reinredet? Will ich mich auseinandersetzen? Denn natürlich birgt die Nachfrage: „Mensch, was kann ich denn bloß machen?“ auch immer das Risiko einer Antwort, die ich nicht hören möchte. Meinungskonflikte können entstehen – allerdings mit einem nicht zu unterschätzenden Potential. Schon so manche Freundschaft oder familiäre Beziehung ist in die Brüche gegangen, weil nicht ausreichend Distanz und Toleranz gewahrt wurden. Sicher, grundsätzlich ist es leichter, von Freunden, Bekannten oder Nachbarn Rat anzunehmen. Keine verwandtschaftliche (und damit über Jahre geprägte) Beziehung verstellt den Blick aufs Thema, doch auch hier gilt es Diplomatie walten zu lassen. Wer lässt sich schon gerne klipp und klar und unverblümt sagen, dass er das eigene Kind verzieht? Dass er zu oft nachgibt oder zu streng ist?
Für Ratgeber und Ratsuchende gilt deshalb gleichermaßen: Ratschläge sollten lediglich höflich formulierte Vorschläge sein. Und jeder von uns muss das Recht haben, trotz der sicher gut gemeinten Ratschläge für sich und sein Kind anders zu entscheiden.
Gerade in dieser Wahlmöglichkeit liegt ja die große Chance des Ratschlags: Ich überdenke mein eigenes Handeln, überlege, was das Beste für meine Familie ist und versuche, die richtige Entscheidung für mich zu treffen. Gudrun von der Ohe, Laktationsberaterin der La Leche Liga, und selbst zweifache Mutter, rät: „Lassen Sie jeden Ratschlag durch ihren Bauch filtern. Nur das, was für Sie selbst passt, sollte zugelassen werden. Was sich falsch anfühlt, passt nicht für die eigene Situation, so gut der Ratschlag auch gemeint sein mag.“
Bei Oma ist es so, bei uns ist es eben anders. Gut ist es, wenn das Kind weiß, dass bei anderen Bezugspersonen andere Regeln gelten.
Gut ist es auch, wenn die anderen Bezugspersonen wissen, welche Regeln Ihnen besonders am Herzen liegen und bei welchen Dingen sie „Abweichungen“ akzeptieren können. So kann zum Beispiel das Nutellabrot am Wochenende guten Gewissens zum Enkel-Verwöhnprogramm gehören, wenn es bei einem bleibt. Und, mal ehrlich: Wurden Sie nicht auch gern von Ihren Großeltern verwöhnt?
Zeit für eigene Entwicklungsschritte geben
Gut ist es, wenn man im Dschungel der Ratschläge Empfehlungen und Informationen erhält, an denen man sich in der Erziehung entlang hangeln kann.
Gut ist es auch, Ratschläge als das zu erkennen, was sie sind: Richtlinien, die auf Durchschnittswerten und allgemeinen Erfahrungen beruhen. Ihr Kind ist jedoch einzigartig – in seiner Art ebenso wie in seiner Geschwindigkeit, Dinge zu lernen. Akzeptieren Sie diese Einzigartigkeit und vertrauen sie in Ihre Fähigkeiten und die Ihres Kindes. Sie werden staunen, wie leicht Ihr Kind morgen plötzlich die Dinge kann, die Sie ihm heute noch auf Biegen und Brechen beibringen wollten.