Trotz Elterngeld - Alleinerziehende haben es schwer
Auch die allein erziehende Tina und ihr zweieinhalbjähriger Sohn Malte müssen rechnen. Tinas Arbeitsvertrag war während ihrer Elternzeit ausgelaufen, eine Verlängerung gab es nicht. Sie ist jetzt auf ALG II angewiesen. Nach Abzug aller Ausgaben für Miete, Warmwasser, Strom und einer Versicherungspauschale für Malte bleiben keine 100 Euro pro Woche zum Leben. „Da muss mancher Wunsch hinten anstehen“, beschreibt Tina. „Die Fingerfarben für 3,99 Euro kann ich erst kaufen, wenn wieder Geld auf dem Konto ist“.
Tina hat in den ersten zwölf Lebensmonaten von Malte zusätzlich zu Kindergeld und Harz IV auch Elterngeld erhalten. „Damit sind wir einigermaßen hingekommen.“ Doch nach Ablauf der Elternzeit fielen die rund 300 Euro Elterngeld weg. Und dann wurde es eng.
Nach Angaben von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder leben rund 40 Prozent der Alleinerziehenden mit Kindern unter drei Jahren von Hartz IV. Davon könnten Zehntausende „im Prinzip raus aus der Förderung und auf eigenen Beinen stehen, weil sie Arbeitsangebote haben“, konstatierte bereits ihre Amtsvorgängerin Ursula von der Leyen.“ Nur wohin mit den Kindern? Betreuungsplätze sind knapp.
Die Folgen sind gravierend: Zahlen des Statistischen Bundesamtes verdeutlichen, dass besonders alleinerziehende Elternteile und ihre Kinder nahe der Armutsgrenze leben. 43 Prozent aller Alleinerziehenden sind nach aktuellsten Zahlen von 2009 von Armut bedroht. „Damit stellen sie neben Arbeitslosen die am stärksten armutsgefährdete soziale Gruppe in Deutschland“, vermerkt das Statistische Bundesamt. Zum Vergleich: In allen Haushalten mit Kindern betrug die Armutsgefährdungsquote 14,6 Prozent.
Aber auch Familien, die nicht an der Armutsgrenze leben, beklagen, dass sie mit ihrem monatlichen Einkommen immer schlechter auskommen. Schuld sind die ständig steigenden Lebenshaltungskosten. Hinzu kommt, dass viele gar nicht wissen, was ihnen bei zu kleinem oder keinem Einkommen an staatlichen Hilfen zusteht und die Information von Seiten der Behörden sind spärlich. Das weiß auch Tina.
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Was steht mir eigentlich zu?
Von den für sie in Frage kommenden finanziellen Leistungen und Förderungen, zum Beispiel der Befreiung von GEZ-Gebühren oder der Praxisgebühr, hat Tina erst 18 Monate nach Maltes Geburt erfahren. „Und nicht vom Sozialamt, das für mich zuständig ist, sondern von Freunden, die in ähnlichen Situationen sind. Die Betreuung durch die Ämter ist nicht gut, es fehlt an
Transparenz.“
Eine Erfahrung, die auch Thorsten gemacht hat. Der Antrag auf Elterngeld habe einer Odyssee durch die Bürokratie geglichen. „Das Formular kommt aus Berlin. Allerdings ohne die Hinweise, was die örtlichen Ämter noch an zusätzlichen Informationen benötigen“, erklärt er. So fehlten bei Antragsabgabe fünf Bescheinigungen, ohne die keine Zuweisung von Elterngeld erfolgt, darunter die Geburtsbescheinigung seiner älteren Tochter Jule. Die Bearbeitung ihres Antrags hat zwei Monate gedauert und bis dahin gab es kein Geld.
Behörden informieren oft schlecht über zustehende Leistungen
Der Staat will besser und schneller helfen
Das zuständige Jugendamt hatte Thorsten gegenüber sogar bestätigt, dass sich die Beschwerden über Art und Dauer der Bearbeitungen häufen. Man habe Personalaufstockung beantragt.
„Wir wissen um die Situation. Deshalb wollen wir neben dem Ausbau der Infrastruktur ein besonderes Augenmerk auf Themen wie Kindergeld, Kinderzuschlag und Elterngeld legen“, sagt Familienministerin von der Leyen. „In der Politik wird das oft gegeneinander ausgespielt. Entweder wird die Betreuungssituation durch Kindertagesstätten verbessert oder mehr Geld für Familien bewilligt“. Nicht nur vor der Bundesministerin liegt noch viel Arbeit, auch Eltern sind gefordert, wenn es um die Beantragung finanzieller Hilfen durch den Staat und die Kommunen geht. Denn ohne Eigeninitiative läuft wenig. Das Fazit von Thorsten und Tina ist, wer sich nicht selbst kümmert, der bekommt kaum weiterreichende Unterstützung. Und gerade für Tina ist die unverzichtbar. Auch wenn es immer wieder Kritik gibt, einige Verbesserungen sind durchaus schon bei den Eltern angekommen. Thorsten möchte im Rückblick die zwei Monate mit seiner Familie nicht missen. „Ich kann es nur jedem Mann und werdendem Vater raten, sich diese Auszeit zu nehmen, auch wenn 2 Monate ziemlich wenig Zeit sind – es war ein schönes Geschenk für unsere Familie“. Zufrieden schaut er auf Jasmin, die in seinem Arm ruhig schläft.
Trotz Elterngeld - Alleinerziehende haben es schwer
Was steht mir eigentlich zu?
Finanzielle Leistungen durch die Bundesregierung:
183 Milliarden Euro jährlich
Eltern verdienen nach Meinung der Bundesregierung eine besondere Form der Unterstützung. Aus diesem Grund werden Familien 156 unterschiedliche Leistungen angeboten. Darunter fallen das Elterngeld, das Mutterschafts- oder Kindergeld, Erziehungsgeld oder auch ein Unterhalts- vorschuss für Alleinerziehende.