Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen im kidsgo-Gespräch: Über die Situation der Familien, ihre Erfolge und wie sie selbst Muttersein und Karriere unter einen Hut bringt.
kidsgo: Da müssen auch hartnäckige Chefs jetzt umdenken...
Ursula von der Leyen: ... ja, nun merkt man in den Unternehmen plötzlich: Unsere jungen Nachwuchskräfte nehmen Vaterzeit. Also muss ich mein Unternehmen darauf einstellen, ich muss mir überlegen, wie ich gut jonglieren kann, mit Wiedereinstiegsprogrammen, Teilzeitangeboten oder flexiblen Arbeitszeiten. All dies ist für manche Betriebe völliges Neuland.
kidsgo: Noch mal zurück zum Thema Kinderbetreuung. Die empfinden viele Familien als zu teuer und nicht gut erreichbar. Es gibt nicht nur Kritik wegen fehlender Kitaplätze, bemängelt wird auch die Qualität des gesamten Betreuungsangebots.
Ursula von der Leyen: Jetzt, wo der Ausbau der Kitas beginnt, ist Qualität das ganz große Thema. Ich denke, dass wir auch die Tagesmütter aus der Schwarzarbeit rauskbekommen müssen. Sie müssen verlässlich qualifiziert sein. Und sie müssen endlich leistungsgerecht bezahlt werden. Deshalb haben wir mit den Ländern zusammen eine Qualifizierungsoffensive gestartet. Der Gedanke ist: Tagesmutter ist kein Beruf, den man mal so nebenbei macht. Eltern müssen wissen, wo es gute Tagesmütter gibt, und Tagesmütter müssen wissen, wo Eltern suchen.
kidsgo: Nun sind bald Wahlen. Was wollen Sie bis zum Ende dieser Legislaturperiode noch schaffen?
Ursula von der Leyen: Ich möchte ein Kinderschutzgesetz auf den Weg bringen. Also Misshandlung und Verwahrlosung von Kindern vorbeugen. Ich will mit Filtern Kinderpornografie im Internet blocken. Andere Länder zeigen seit Jahren, wie das geht. Und ich werde in der Diskussion um die Finanzkrise immer wieder darauf pochen, dass Investitionen in Schulen und Kindergärten unser aller Zukunft sichern.
kidsgo: Wie verteidigen Sie die Erfolge Ihrer Arbeit wie Elterngeld, die Kindergelderhöhung und den Kinderzuschlag angesichts der wirtschaftlichen Lage in den kommenden Finanzkürzungsdiskussionen?
Ursula von der Leyen: Mein schlagkräftigstes Argument ist, dass nach der abgeschlossenen Statistik für 2007 und der offi ziellen Schätzung des Statistischen Bundesamtes für 2008 die Zahl der Geburten wieder steigt. Langfristig ist doch viel entscheidender als alle Jahresbilanzen, dass wieder Kinder in diesem Land heranwachsen und erzogen werden. Und auf Dauer werden alle Subventionen des Staates nicht helfen, wenn es keine Menschen mehr gibt, die fleißig diese Wirtschaft mit vorantragen - und das sind natürlich die Familien.
kidsgo: Frau von der Leyen, Sie haben bereits viel erreicht. Machen Sie weiter, stehen Sie für eine zweite Amtszeit als Familienministerin zur Verfügung?
Ursula von der Leyen: Wenn meine Kanzlerin mich wieder beruft, jederzeit. Ich finde, ich habe das spannendste Ressort überhaupt.
kidsgo: Und was sagt Ihre Familie dazu?
Ursula von der Leyen: Wir haben eine Lebensform gefunden, da gibt’s mal schlechtere Tage, mal bessere Tage. Eine zufriedene Mutter oder ein zufriedener Vater strahlt ja auch ins Familienleben zurück. Ich glaube, meine Familie hätte nichts dagegen.
kidsgo: ... so lange Sie zum Weihnachtsingen in die Schule kommen.
Ursula von der Leyen: Ja (lacht).
kidsgo: Wir danken Ihnen für das Gespräch, Frau von der Leyen.
Kinderbonus, Steuer- senkungen und ein höherer Freibetrag.
Das zweite Konjunkturpaket der Bundes- regierung soll die Wirtschaft ankurbeln. 50 Milliarden Euro sind dafür vorgesehen. Im April soll es eine einmalige Zahlung von 100 Euro für jedes Kind geben. Die Summe wird zusammen mit dem Kindergeld überwiesen. Das Bundesarbeitsministerium hat zugesagt, dass der Betrag Harzt IV-Empfängern nicht von der monatlichen Zuwendung abgezogen wird. Rückwirkend zum 1. Januar 2009 wird bis 2010 der Grundfreibetrag auf 8004 Euro erhöht und der Eingangsteuersatz von 15 auf 14 % gesenkt. Auch der Krankenversicherungsbeitrag sinkt von derzeit 15,5 auf 14,9 %. Durch diese Maßnahmen sollen einer Familie mit zwei Kindern 400 bis 500 Euro im Jahr mehr zur Verfügung stehen.