„Es ist, als sei die Welt stehen geblieben. Von einem Moment auf den anderen ist nichts mehr wie es war. Die Frage nach dem Warum steht im Raum und niemand weiß eine Antwort.“
So beschreibt Bianka F. ihre Gefühle, als sie in der 32. Schwangerschaftswoche erfährt, dass das Baby in ihrem Bauch nicht mehr lebt. In der Nacht zuvor war der 32-jährigen Landschaftsgärtnerin aufgefallen, dass das Kind sich nicht mehr bewegte. Im Krankenhaus bestätigten sich ihre schlimmsten Befürchtungen. Es gab keine Herzgeräusche mehr. Bianka F. reagierte wie viele Frauen in dieser Situation. Unter Tränen bat sie, die Schwangerschaft mit einem Kaiserschnitt zu beenden. Doch der Gynäkologe konnte sie und ihren Mann davon überzeugen, dass es besser sei, das unnötige Risiko für die Mutter zu vermeiden und das Kind auf natürlichem Wege zur Welt zu bringen.
„Eigentlich lief dann alles wie bei einer normalen Geburt“, erinnert sie sich. „Ich bekam eine Periduralanästhesie und nach vier Stunden hatte ich unsere Lisa im Arm. Ein gut entwickeltes kleines Mädchen mit schwarzen Haaren und winzigen langen Fingern. Aber unser Baby weinte nicht, es würde mich niemals ansehen, nie an meiner Brust trinken. Es war das, was man eine ,stille Geburt’ nennt.“ Das Personal sei sehr sensibel und behutsam mit der Situation umgegangen: „Nach einer kurzen Untersuchung durften wir uns in aller Ruhe von unserem Kind verabschieden.“
Lisa war ein Sternenkind
Lisa zählt zu den so genannten „Sternenkindern“. So werden liebevoll Kinder genannt, die kurz nach der Geburt oder bereits im Verlauf der Schwangerschaft sterben. Dabei unterscheidet man zwischen Tot- und Fehlgeburten. Kinder, deren Geburtsgewicht 500 Gramm überschreitet, werden als Totgeborene bezeichnet. Für fehlgeborene Kinder unter 500 Gramm besteht keine standesamtliche Meldepflicht. In der Vergangenheit wurden Fehlgeburten in den Krankenhäusern häufig einfach entsorgt. Heute hat sich die Sensibilität auf diesem Gebiet deutlich verändert. Die Eltern haben die Möglichkeit, die Babys zu sehen und auch zu entscheiden, was mit ihnen geschehen soll.
Eine traumatische Situation für die Eltern
„Es ist ganz wichtig, dass die Eltern in dieser traumatischen Situation auf Verständnis stoßen, dass man ihnen die Möglichkeit gibt, sich von ihrem Kind zu verabschieden und man ihnen ihre Trauer zugesteht“, sagt die Lippstädter Hebamme Doris Kleinemaß. Die Sensibilität der betreuenden Personen sei extrem wichtig, bestätigt Marlen H. Die 28-jährige Ergotherapeutin und Psychologiestudentin ist Mutter eines 3-jährigen Jungen. Sie hat im Dezember vergangenen Jahres zum dritten Mal ein Kind verloren. Ein Kindchen musste sie bereits spontan in der Frühschwangerschaft hergeben, bei einem weiteren wurden in der 13. Schwangerschaftswoche „nicht mit dem Leben zu vereinbarende“ Beeinträchtigungen festgestellt, sodass sie sich mit ihrem Mann Daniel für eine vorzeitige Beendigung der Schwangerschaft entschied. Ein Apfelbäumchen im Garten zeugt vom Abschied, aber auch von der Hoffnung und zeigt gleichzeitig, welche Bedeutung in der Trauerarbeit solchen Ritualen zukommt. Marlen H.: „Den Ort, um zu trauern müssen sich die einst werdenden Eltern selbst schaffen, es gibt dafür keinen ,offiziellen’ Raum.“
„Nur ein Hauch von Leben“
Barbara Künzer-Riebel, Gottfried Lutz,
Kaufmann Verlag 16,95 €
„Wenn die Wiege leer bleibt“
Sabine Bode, Fritz Roth,
Ehrenwirt Verlag 14,90 €
Bestattung von Babys
Künstler gestaltet Babysarg
Die kleinen Holzsärge sind ausgestattet mit einem Kissen und einer Decke und eingebettet in ein schlafendes Stofftier. Decke und Tier sind aus ökologischer Baumwolle, gefüllt mit reiner Schafschurwolle und von Hand in Deutschland gefertigt. Dazu gehört ein gleiches, kleineres Stofftier, das so genannte Trauerpüppchen.