In den besten Händen – wer kann mein Kind betreuen?
Bild: Mirko Plha
Das Thema „Familie“ ist politisch prominent wie kaum zuvor. Etwaige Entscheidungen zugunsten dieser „Zielgruppe“ garantieren der amtierenden Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) – weitestgehend – breite Zustimmung. Egal ob Verabschiedung des Elterngeldes, steuerliche Absetzbarkeit von Kinderbetreuungskosten oder die Forderung nach mehr Betreuungsplätzen für unter 3-Jährige – die Mutter von immerhin sieben Kindern bedient sich gekonnt der brisanten Thematik und damit einer derzeit immer stärker werdenden Wählermasse.
Doch wie sieht es in der Realität aus? Hier und jetzt? Nicht erst im Jahr 2013, wenn Frau von der Leyen die Anzahl der Betreuungsplätze vervielfacht haben will? Welche Möglichkeiten haben junge bzw. „alte“ Eltern angesichts der heute bestehenden Betreuungsmöglichkeiten, wieder in ihren Beruf zurückzukehren?
Willkommen in der Wirklichkeit
Was tun, wenn Oma und Opa weit entfernt wohnen, öffentliche Betreuungsplätze schlichtweg nicht vorhanden oder aber Wartelisten überfüllt sind?
Nun heißt es für die gewillten Berufsrückkehrer: Augen und Ohren auf – jeder ist bei der Suche zunächst auf sich selbst gestellt. Am glücklichsten dürfen sich all diejenigen schätzen, die aufgrund von Empfehlungen über Freunde oder Verwandte, zu Tageseltern/-mutter, Krippe oder einer privat organisierten Betreuung finden. Allen anderen „Ahnungslosen“ könnte zunächst eine kleine Odyssee bevorstehen.
Wer, wann, wo und wie?
Der Frage der Betreuungsform folgt die Frage nach der Realisierungsmöglichkeit auf dem Fuße: Sollen wir uns um eine Tagesmutter bemühen? Ein Au-Pair engagieren? Wann ist überhaupt der beste Zeitpunkt für die Rückkehr in den Job – aus entwicklungspsychologischer und damit Kindessicht? Welche Kosten entstehen? Welche Rechte und Pflichten? Zu welchem Zeitpunkt müssen wir uns bereits kümmern, damit wir nicht ohne eine adäquate Betreuung für unseren Zwerg dastehen?
Da Regelungen wie das einjährige Elterngeld aber immer mehr Eltern „auffordern“, zeitiger in ihren Beruf zurückzugehen, spitzt sich die Situation momentan zu. Gerade für die Kleinsten stehen nicht genug Plätze zur Verfügung. Betreuungsangebote schießen zwar wie Pilze aus dem Boden – allein, wer garantiert die Qualität? Oftmals muss diese Vielzahl an Entscheidungen anhand finanzieller Möglichkeiten getroffen werden, – somit nicht vorrangig orientiert am „Wohl des Kindes“.
Leider reagieren bislang auch nur wenige Unternehmen mit der Einrichtung von Betriebskindergärten, die für viele Eltern sicherlich eine reibungs- und relativ komplikationslose Rückkehr in den Beruf garantieren würden.
Zieht man die jüngsten empirischen Erkenntnisse der Entwicklungspsychologie in Betracht, kommen weitere Entscheidungsfaktoren hinzu: Erst nach 14 Monaten Erziehungszeit durch die Eltern wird ein Krippenbesuch angeraten, Mutter und Vater sollten die Wochenarbeitszeit sodann dergestalt einkürzen, dass das Kind nur halbtags in die Krippe/zur Tagesmutter muss.
Der geneigte Leser fragt sich: Ist das machbar? Rechnen sich die denkbaren Lösungen überhaupt? Welcher Arbeitgeber lässt sich darauf ein? Daher lesen Mutter und Vater sicher auch dankbar den weiteren Hinweis der Wissenschaftler: „Eine unglückliche Mutter kann für das Kind mindestens genauso entwicklungshemmend sein wie eine institutionelle Einrichtung.“