In den USA ist es Standard, Kinder mit sechs Monaten in die Krippe zu geben, Vollzeit versteht sich. Für unsere französischen Nachbarn ist es selbstverständlich früh in den Beruf zurückzukehren und die staatlich finanzierte Kinderbetreuung zu nutzen. Und in Schweden sind flexible Betreuungseinrichtungen schon seit langem selbstverständlich. Vermutlich, weil Kinder und arbeitende Eltern einen anderen Stellenwert in der Gesellschaft haben.
Wer fordert, Kinder nicht vor dem 14. Lebensmonat und dann nicht länger als 20 Wochenstunden in der Krippe betreuen zu lassen, wie Wissenschaftler in Deutschland derzeit, sollte auch dafür sorgen, dass die Rahmenbedingungen stimmen. Die sind in Deutschland derzeit für alles andere als für eloquente Familienmanagerinnen gemacht. Im Wesentlichen brauchen Eltern drei Voraussetzungen, um sich frei für oder gegen Kinderbetreuung im Kleinkind-Alter zu entscheiden: Finanzielle Unabhängigkeit, ein qualifiziertes Betreuungsangebot und vor allem gesellschaftliche Anerkennung ihrer persönlichen Entscheidung.
Ein dickes Fell und Nerven wie Drahtseile
Bis sich die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für die Vereinbarung von Familie und Beruf entsprechend verbessert haben, hilft nur eins: Sich mit Beginn der Schwangerschaft ein dickes Fell und Nerven wie Drahtseile zulegen. Und vor allem: Sich nicht ins Bockshorn jagen lassen von überalterten oder kleingeistigen Argumenten. Die Mehrfachbelastung von Job, Kind, Karriere und Familie müssen Sie als Eltern ohnehin allein tragen. Deshalb sollten Sie die Entscheidung treffen, die sie mit Ihren Kindern und Ihrem Partner gemeinsam am besten tragen können. Öffentliche Diskussionen sind gut als Anregung, verbreiten aber auch unnötigen Druck.
Lassen Sie Klischees und Worst-Case-Szenarien nicht zu dicht an sich heran. Halten Sie sich lieber an die“ harten Fakten: Kann ich mir Betreuung bzw. Verdienstausfall leisten? Gibt es einen Betreuungsplatz, an dem sich mein Kind gut aufgehoben fühlt? Und treffen Sie die Entscheidung so, wie es sich für Sie persönlich am Richtigsten anfühlt. Und wenn sich herausstellt, dass Ihr Arbeits- und Familienmodell in dieser Form nicht funktioniert – wer hindert Sie daran, es entsprechend zu ändern? (st)