Altersvorsorge für Mütter – Arm dran oder fein raus?
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Altersvorsorge für Frauen wird meist unterschätzt – Immer mehr Frauen droht die Altersarmut
Wenn man jung ist, hat man anderes im Kopf Dann kommen die Kinder und das Geld ist meistens knapp. Familie steht an erster, Mutter an letzter Stelle. Auch bei der Altersvorsorge. Und irgendwann, Ende Dreißig, Anfang Vierzig, stellt man mit Erschrecken fest, dass auf der hohen Kante fürs Alter viel zu wenig liegt.
Mit Regina Weihrauch (Fairsicherungsbüro Göttingen, Mitglied der FinanzFachFrauen) sprach Simone Taschemski (kidsgo) darüber, warum Frauen sich selten um die eigene Altersvorsorge kümmern und wie sich finanzielle Lücken im Alter vermeiden lassen.
kidsgo:
Frau Weihrauch, in kaum einem anderen europäischen Land sichern sich die Menschen gegen so viele Risiken ab wie in Deutschland. Wie kommt es, dass ausgerechnet die weibliche Altersvorsorge, also die Absicherung der Frauen vor der Armut im Alter, so stiefmütterlich behandelt wird?
Regina Weihrauch:
Frauen werden immer noch kaum als Zielgruppe wahrgenommen, wenn es um finanzielle Absicherung geht, weil diese Aufgabe lange Zeit „Sache des Mannes, des Versorgers" war. Und auch die Selbstwahrnehmung der Frauen ändert sich erst langsam. Bis 1977 benötigten verheiratete Frauen die Unterschrift ihres Ehemannes, um ein eigenes Konto zu eröffnen. Berufliche Selbstständigkeit und die damit einhergehende finanzielle Unabhängigkeit sind also noch gar nicht so lange selbstverständlich. Viele Frauen sind erleichtert, wenn der Partner die Verwaltung der familieninternen Finanzen übernimmt und vertrauen einfach darauf, dass sie als Ehefrauen ausreichend über ihren Mann abgesichert sind. Was in den meisten Fällen leider nicht der Fall ist.
kidsgo:
Woran liegt das? Und warum ist es so wichtig, dass Frauen, - egal, ob als Ehe- und Hausfrau oder als finanziell unabhängiger Single - ihre private Altersvorsorge selbst in die Hand nehmen?
Regina Weihrauch:
Erstens: Die staatliche Altersvorsorge reicht zur Bedarfsdeckung bei weitem nicht aus. Zweitens: Frauen haben noch immer eine höhere Lebenserwartung als Männer. Dieser Unterschied verringert sich zwar aufgrund ähnlicher Lebens- und Arbeitsumstände kontinuierlich, aber noch leben Frauen länger - nur, wovon? Drittens: die Lebensumstände von Frauen verändern sich stärker als die von Männern. Berufliche Ausfallzeiten, z. B. durch Elternzeit, Teilzeitarbeit oder die Pflege eines Angehörigen, verursachen Lücken in der Altersvorsorge. Hierfür muss ein finanzieller Ausgleich geschaffen werden. Auch Trennungen, wechselnde Lebenspartnerschaften, Arbeitslosigkeit oder berufliche Selbstständigkeit sind Faktoren, die eine ausreichende Absicherung erschweren und deshalb einkalkuliert werden müssen.
kidsgo:
Welche Möglichkeiten der Altersvorsorge gibt es?
Regina Weihrauch:
Das neue Alterseinkünftegesetz (AEG), das seit dem 1.01.2005 in Kraft ist, sieht Aufwendungen für die Alterseinkünfte im Drei-Schicht-Modell vor. Die Basis (Schicht 1) stellt die gesetzliche Rente bzw. die Basis-Rente (Rürup-Rente) dar. Sie ist noch immer die wichtigste Einkommensquelle und wird es aller Voraussicht nach in den kommenden Jahrenauch bleiben. Darauf folgt die Zusatzversorgung (Schicht 2), die staatlich gefördert wird, zum Beispiel die Betriebs- und Riesterrente. Letztere ist insbesondere für allein Erziehende mit Teilzeittätigkeiten lohnenswert. Den Abschluss des Systems (Schicht 3) bilden die so genannten „Kapitalanlageprodukte". Gemeint sind hier private Rentenversicherungen, Fondssparpläne und ähnliches. Wie Sie die einzelnen Bausteine kombinieren, ist von Ihren finanziellen Möglichkeiten, aber auch vom Berufsstand abhängig. Für Selbstständige oder Beamte empfehlen sich andere Vorsorgeformen als für Angestellte oder Hausfrauen. Ein Vorsorgepaket sollte deshalb immer persönlich maßgeschneidert werden.
kidsgo:
Gibt es eine Faustregel, wie viel Prozent meines Einkommens ich heute investieren muss, wenn ich
meinen jetzigen Lebensstandard im Alteraufrecht erhalten möchte?
Regina Weihrauch:
Wir empfehlen grundsätzlich mindestens 5-10 Prozent des jeweiligen Bruttoeinkommens in die private Altersvorsorge zu investieren - und zwar so früh wie möglich. Wichtiger als die Höhe des monatlichen Beitrags ist also die Laufzeit der Ansparung. Hier gilt: je länger die Ansparzeit desto geringer ist der (regelmäßige) Aufwand.
kidsgo:
Was kann ich tun, wenn ich nicht so viel Geld zur Verfügung habe oder bereits bestehende Versorgungslücken (z. B. durch einen verspäteten Sparbeginn) schließen möchte?
Regina Weihrauch:
Auch ein Betrag von 50-100 Euro im Monat ist ein Anfang und besser, als gar nichts zu tun. Warten Sie also nicht, sondern beginnen Sie unbedingt sofort damit, Ihre Altersvorsorge in die eigenen Hände zu nehmen. Für bereits bestehende Lücken gilt: Nutzen Sie die Möglichkeit der Einmalzahlungen, um Ihre Sparsumme aufzustocken. Zum Beispiel, in dem Sie Gratifikationen, Prämienausschüttungen oder Erbschaften einmalig in Ihre private Rentenversicherung einzahlen und sich damit einen höheren Anspruch sichern. Im schlimmsten Fall müssen später die eigenen Kinder für die Mutter aufkommen, weil die es versäumt hat, rechtzeitig vorzusorgen.
Teil 1
Die staatliche Altersvorsorge reicht nicht aus ...
50-100 € sollten schon mal reichen? Es gibt kaum noch eine Familie mit "normalem" Einkommen , die das bezahlen kann....und 20% der Deutschen so wie so nicht. Jetzt sind wohl so einige nicht ermuntert sondern erst recht entmutigt. Für Mütter mit mehreren Kindern ist diese Versorgungslücke nicht zu schließen! Obwohl ja gerade diese Kinder später in die Rentenkasse einzahlen...hier läuft etwas grundlegend verkehrt in diesem System.
Teil 1
Die staatliche Altersvorsorge reicht nicht aus ...
Die FinanzFachFrauen sind ein bundesweiter Zusammenschluss von qualifizierten Finanzdienstleisterinnen, die sich aufgrund ihrer Berufserfahrung und ihres frauenpolitisches Engagements zusammengefunden haben. Wann immer es um das Thema „Frauen und Geld" geht, sind sie kompetente Ansprechpartnerinnen. Jede von ihnen ist in ihrer Arbeit wirtschaftlich unabhängig von Banken, Versicherungs- und Kapitalanlagegesellschaften. Gemeinsam haben Sie als die ersten Frauen in Deutschland ein Beratungskonzept für Frauen entwickelt.
Zur Person
Regina Weihrauch ist 44 Jahre alt und seit acht Jahren Mitglied der FinanzFachFrauen. Nach ihrem Studium und der Mitarbeit im Fairsicherungsbüro Hannover eröffnete die Bankkauffrau und Dipl.Volkswirtin 1991 ihr eigenes Fairsicherungsbüro in Göttingen. Regina Weihrauch ist verheiratet, hat zwei Kinder (21/14 J.) und lebt in Göttingen.
Ihre Ansprechpartnerin
Düsseldorfer Raum:
Heide Härtel-Herrmann
Inhaberin des Frauenfinanzdienstes Köln, berät seit über 20 Jahren Frauen mit dem Schwerpunkt „private Altersversorgung und finanzielle Lebensplanung". Die Diplomökonomin und zertifizierte Finanzplanerin ist Mitbegründerin des Arbeitskreises „FinanzFachFrauen bundesweit seit 1988". Sie hat einen 25-jährigen Sohn und lebt in Köln.
Tel.: 0221.9128070
Hamburger Raum:
Susanne Kazemieh
Susanne Kazemieh gründete 1989 die FrauenFinanzGruppe, die inzwischen mit 12 Mitarbeiterinnen über 600o Kundinnen betreut. 1998 war sie Mitbegründerin der bundesweiten Vereinigung der Finanzdienstleisterinnen. In 2003 hat sie die GrünAnlagen GmbH aus der Taufe gehoben, die auf ökologische Finanzanlagen spezialisiert ist.
Tel.: 040.41426667
Helma Sick
Helma Sick ist Finanzberaterin und Mitglied der FinanzFachFrauen. Die Betriebswirtin erarbeitet individuelle Konzepte für die finanzielle Lebensplanung und Altersvorsorge von Frauen und vermittelt die dazu passenden Geldanlagen. Als Inhaberin des Unternehmens "frau & geld" feiert sie in diesem Jahr ihr 20jähriges Firmenjubiläum. Seit zehn Jahren schreibt sie eine Geldkolumne in der Zeitschrift BRIGITTE, seit vier Jahren in BRIGITTE Woman. Im Februar 2007 ist ihr neuestes Buch erschienen. Es heißt: "Wenn ich einmal reich wär - Träumen ist gut, planen ist besser." Helma Sick ist geschieden, hat einen Sohn und lebt in München.