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Die Lernprozesse, um Mutter zu werden, sind überall verschieden!

Was kurz nach der Geburt beginnt, ist weltweit dasselbe: der Lernprozess, Mutter zu werden. Bei diesem Prozess verlassen sich Frauen hierzulande immer weniger auf ihr Bauchgefühl. Sie suchen Rat bei Experten und Ärzten. Zu groß ist die Angst, etwas falsch zu machen. Charlotte, Tupas und Amali leben in unterschiedlichen Welten. Charlotte wird ihr Kind ohne die direkte Unterstützung ihrer Familie großziehen. Amali und Tupas hingegen fragen ihre Mütter und die Frauen ihres Dorfes, wenn sie nicht weiter wissen. Und obwohl sie schon viele Kinder nach der Geburt haben sterben sehen, verlassen sie sich auf ihr Gefühl und die Unterstützung ihrer Gemeinschaft - in jeder Hinsicht.
Sie brauchen dieses enge Netz, damit ihre Kinder beschützt aufwachsen können. Denn Hilfe bekommen sie nur von dort. Charlotte hingegen lebt in einer Gesellschaft, in der das vorhandene medizinische System eine große Sicherheit bietet. Rat sucht sie in Büchern, Kursen und bei Experten, die unterschiedlichen Meinungen verunsichern sie häufig. Wie ihr geht es vielen Frauen in Deutschland und anderen westlichen Ländern. Die Errungenschaften der Medizin stehen zur Verfügung und immer mehr Geburtshäuser und Krankenhäuser bieten eine sanfte Geburtsbegleitung an. Danach ist die junge Familie meist auf sich allein gestellt.

In den Medien wird täglich über die „richtige Erziehung“ diskutiert und wir Frauen, die wir alles richtig machen wollen, hören überall hin, nur nicht auf uns selbst, auf unseren Bauch. So kommt es immer wieder vor, dass sich Erziehungsmethoden nicht „richtig“ anfühlen. Doch nicht bei allen Fragen und Unsicherheiten sollte sofort ein Ratgeber hinzugezogen werden. Vielmehr ist es wichtig, dass Frauen und Mütter auch wieder lernen sich ein Stück auf sich selbst zu verlassen. Nur so lernen sie ihre Kinder und deren Wünsche und Bedürfnisse auch wirklich
kennen.

Charlotte hat schließlich den Rat ihres Kinderarztes befolgt und alle Ratgeber erst einmal ins Regal verbannt. „Sprechen Sie mit ihrem Kind, lesen sie ihm vor und beschäftigen Sie sich mit ihm, das ist das Beste, was Sie für seine Entwicklung tun können“, erklärt er „so lernen Sie Ihr Baby genau kennen und spüren, was das Richtige ist“.

Die Zeit mit Lilly verbringt Charlotte nun viel entspannter. Sie schaut genau hin und oft schon kann sie erspüren, was ihr fehlt. Und über Lillys Bett hat Charlotte einen Schutzengel aus Holz gehängt. Man weiß ja nie . . .
TEIL 4

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Eine unbekannte Tragödie

Die WHO spricht von einer unsichtbaren Epidemie, wenn sie über Müttersterblichkeit berichtet. Frauen, die in ärmeren Ländern ein Baby bekommen, haben ein 300 Mal höheres Risiko die Geburt nicht zu überleben als in den Industriestaaten. Ursache sind mangelnde Aufklärung und fehlende medizinische Versorgung. Fast die Hälfte aller Schwangeren weltweit entbinden ohne die Hilfe eines Arztes oder einer Hebamme.

Unicef schätzt, dass jährlich 530.000 Frauen an Komplikationen während der Schwangerschaft oder Geburt sterben. In insgesamt 14 Ländern stirbt bei jeder 50sten Geburt die Mutter, im Vergleich: In Deutschland passiert das bei jeder 25.000sten Geburt.
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