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Machen Genussmittel unfruchtbar? – So mindern Cannabis, Alkohol und Rauchen die Fruchtbarkeit von Mann und Frau

Ihr wünscht euch ein Kind? Ein Wandel eures Lebensstils kann die Erfolgsaussichten verbessern. Wer nämlich in größeren Mengen Alkohol, Zigaretten oder Drogen konsumiert, schadet seiner Fruchtbarkeit: Das gilt für Frauen wie für Männer. Insbesondere Rauchen senkt die Wahrscheinlichkeit dafür, dass es zu einer Schwangerschaft kommt. Umgekehrt gilt: Wenn beide Partner aufhören zu rauchen, steigt die Chance deutlich an, auf natürlichem Wege schwanger zu werden.

In diesem Artikel:

Kann Rauchen der Grund für einen unerfüllten Kinderwunsch sein?

Rauchen schadet nicht nur der eigenen Gesundheit, sondern auch dem ungeborenen Kind während der Schwangerschaft. Und es senkt die Wahrscheinlichkeit, dass es überhaupt zu einer Schwangerschaft kommt: Schätzungen zufolge ist in bis zu 15 Prozent der Fälle das Rauchen bei einem der Partner der Grund für einen unerfüllten Kinderwunsch. „Es ist erwiesen, dass es länger bis zum Eintritt einer Schwangerschaft dauert, wenn entweder die Frau oder der Mann stark rauchen“, sagt Professor Hans-Christian Schuppe, der am Universitätsklinikum Gießen Männer mit Fruchtbarkeitsstörungen behandelt.

Rauchen senkt die Fruchtbarkeit bei Männern

Rauchen beeinträchtigt die Fortpflanzungsfähigkeit bei Männern deutlich. Im Sperma von Rauchern fanden Forscher[1] den Stoff Cotinin, ein Abbauprodukt des Nikotins, das die Spermien zu schädigen scheint. Raucher produzieren im 

Die Befruchtung

Wenn nach dem Sex Spermien im Eileiter auf eine Eizelle treffen, kann es zu einer Befruchtung kommen – muss aber nicht. Auf dem Weg zur Eizelle haben die männlichen Samenzellen nämlich so einige Hürden zu überwinden ... Welche das sind, erfährst du hier in unserem spannenden „Befruchtungskrimi“!

Durchschnitt weniger Ejakulat, und es enthält weniger bewegliche und mehr verformte Samenzellen als das Sperma von Nichtrauchern. In einem Test [2] zeigte sich, dass die Spermien von Nichtrauchern schneller abstarben, wenn sie in die Samenflüssigkeit von Nichtrauchern gegeben wurden. Umgekehrt überlebten die Spermien von Rauchern länger, wenn sie in die Samenflüssigkeit von Nichtrauchern gegeben wurden. Die Spermien von Rauchern scheiterten in Laborversuchen zudem öfter an der Akrosomenreaktion, also daran, die Hülle der weiblichen Eizelle aufzulösen, um in sie einzudringen.

Wenn Männer das Rauchen einstellen, dauert es bis zu zwei Jahre, bis sie wieder die Spermienqualität eines Nichtrauchers erreichen. Das könne manchmal entmutigend wirken, sagt Fruchtbarkeitsexperte Schuppe: „Im Beratungsgespräch sage ich ihnen daher immer, dass jeder Tag, den man nicht mehr raucht, zählt.”

Nikotin behindert das Schwangerwerden bei Frauen

Auch bei Frauen senkt Rauchen die Fruchtbarkeit erheblich.

Frau raucht Zigarette und wird durch das Rauchen unfruchtbar

Bildquelle: Free-Photos@pixabay.com

Die Chance, auf natürlichem Wege schwanger zu werden, kann sich dadurch nahezu halbieren. [3] Mit dem Tabakrauch aufgenommene Giftstoffe behindern die Entwicklung deiner Eizellen und können den Hormonhaushalt stören. So wird die Wirkung von Östrogenen beeinträchtigt, die Gebärmutter wird schlechter durchblutet und die Einnistung von befruchteten Eizellen wird erschwert. In einer Studie [4] hatten Frauen, die rauchen, zwar genauso viele Eizellen wie Nichtraucherinnen. Diese waren aber weniger befruchtungsfähig. In ihrer Follikelflüssigkeit ließ sich Cotinin nachweisen, das gleiche Abbauprodukt des Nikotins, das sich bei männlichen Rauchern im Sperma findet. Vermutlich ist das Cotinin für eine Schädigung der Eizellen verantwortlich.

Rauchen reduziert den Erfolg einer künstlichen Befruchtung

Giftige Abbauprodukte aus dem Zigarettenrauch binden direkt an die männliche Erbsubstanz und schädigen sie. Diese Erbgutschäden können rauchende Väter auch an den Embryo weitergeben. Wenn Väter rauchen, senkt das also nicht nur die Zeugungsfähigkeit, es kann auch das Risiko für Krankheiten und Fehlbildungen beim Kind erhöhen. Sogar die Chancen auf eine In-Vitro-Fertilisation (IVF) sinken, wenn der Mann Raucher ist: Diese blieb in Studien [5] doppelt so oft erfolglos wie bei anderen Paaren.

Wegen der schlechteren Eizellenqualität sind auch die Erfolgsaussichten einer künstlichen Befruchtung bei Raucherinnen geringer. Zu beachten ist, dass Frauen mit rauchenden Partnern häufig Passivraucherinnen sind. Die Chance auf eine

Das Rauchen aufgeben?

Du willst endlich das Rauchen aufgeben, aber es fällt dir schwer? Hier findest du Informationen und Unterstützung!

Schwangerschaft wird dabei doppelt beeinträchtigt: Durch die schlechtere Spermienqualität beim Mann und die schädlichen Auswirkungen des Passivrauchens auf die Fruchtbarkeit der Frau.

Wenn Du aufhörst, zu rauchen, lassen die schädlichen Wirkungen des Tabakkonsums nach. Das passiert allerdings nicht von heute auf morgen. Wenn du einen unerfüllten Kinderwunsch hast, solltest du dir also das Rauchen so schnell wie möglich abgewöhnen.

Sinkt die Fruchtbarkeit auch durch Alkoholgenuss?

Das gelegentliche Glas Wein oder Bier wirkt sich offenbar nicht auf die Fruchtbarkeit aus. Ein stärkerer Alkoholkonsum aber schon: „Für Männer wie für Frauen gilt, dass es dann länger dauert, bis zu einer Schwangerschaft kommt”, sagt Fruchtbarkeitsexperte Schuppe. 

Schlechtere Spermienqualität bei erhöhtem Alkoholkonsum

Wenn Männer gelegentlich Alkohol trinken, scheint das ihrer Spermienqualität nicht zu schaden. „Wir wissen, dass kleinere Mengen Alkohol die Fruchtbarkeit nicht beeinträchtigen”, sagt Hans-Christian Schuppe. In einer Studie konnten geringe Mengen Alkohol bei Männern sogar die Testosteronproduktion anregen: Theoretisch würde das die Fruchtbarkeit eher erhöhen. Klar ist aber auch: Mit steigendem Alkoholkonsum zeigt sich ein negativer Effekt.

Frau trinkt Alkohol und steigert das Risiko durch Alkohol unfruchtbar zu werden

Bildquelle: Concord90@pixabay.com

Schon wer mehr als ein alkoholisches Getränk pro Tag zu sich nimmt, könnte seiner Spermienqualität schaden. Bei starkem Alkoholkonsum dauert es deutlich länger, ein Kind zu zeugen. [6]

Alkohol beeinträchtigt Empfängnisbereitschaft bei Frauen

Für Frauen gilt in etwa das Gleiche wie für Männer: Wenn sie gelegentlich Alkohol trinken, scheint sich das nicht auf die Fruchtbarkeit auswirken. Anders ist es, wenn Frauen größere Mengen Alkohol konsumieren. In einer Studie [7] zeigte sich, dass sich die Chancen auf eine Schwangerschaft verschlechtern, wenn Frauen mehr als 14 alkoholische Getränke pro Woche trinken. Die Empfängniswahrscheinlichkeit sank dann um etwa 18 Prozent.

Frauen mit Kinderwunsch sollten aber noch aus einem anderen Grund auf starken Alkoholkonsum verzichten: Falls es zu einer Schwangerschaft kommt, wird diese nicht immer sofort bemerkt: Schon in der frühen Schwangerschaft kann Alkohol aber dem ungeborenen Kind schaden. Wenn du planst, schwanger zu werden, solltest du deshalb am besten nur wenig oder keinen Alkohol trinken. 

Schlappe Spermien wegen Cannabiskonsum

Wer regelmäßig Drogen nimmt, kann dadurch seiner Fruchtbarkeit schaden. Am besten erforscht sind die Auswirkungen von Cannabis, das auch die am häufigsten konsumierte Droge ist. Aber auch bei anderen Drogen wird vermutet, dass sie einen negativen Effekt auf die Fruchtbarkeit haben.    

Das Ejakulat von Männern, die öfter als einmal die Woche Cannabis konsumieren, weist eine 30 Prozent geringere Spermienkonzentration auf. [8] Das darin enthaltene Tetrahydrocannabinol, kurz THC, scheint auch die Qualität und Beweglichkeit der Spermien zu vermindern: Auf dem Weg zur Eizelle machen die Samenzellen von regelmäßigen Kiffern eher schlapp und schaffen es nicht, diese zu erreichen.

Cannabis verringert noch aus einem weiteren Grund die Chancen auf eine Schwangerschaft: Männer, die oft und viel kiffen, leiden öfter unter Erektionsproblemen oder am frühzeitigen Samenerguss. 

Cannabiskonsum stört den weiblichen Zyklus

Auch Frauen mit Kinderwunsch sollten möglichst auf den Cannabiskonsum verzichten. Studien deuten darauf hin, dass regelmäßiges Kiffen auch bei ihnen die Fruchtbarkeit beeinträchtigt. So scheint der Cannabiskonsum die Produktion von Östrogenen und Progesteron zu hemmen und den weiblichen Zyklus zu stören. [9] Auch bei In-Vitro-Fertilisation scheint die Erfolgsrate geringer zu sein, wenn Frauen regelmäßig Marihuana konsumieren.

 

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Quellen:

[1] https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/j.2047-2927.2014.00245.x
[2] https://www.kup.at/kup/pdf/3990.pdf
[3] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/9688387/
[4] https://www.kup.at/kup/pdf/12269.pdf
[5] https://www.kup.at/kup/pdf/3990.pdf
[6] https://link.springer.com/referenceworkentry/10.1007/978-3-662-55601-6_43-1
[7] https://www.bmj.com/content/354/bmj.i4262
[8] https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/andr.12585
[9] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/27354844/ 

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