Südniedersachsen/Nordhessen
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Das Geburtshaus
Geburtshäuser und -praxen werden meist von mehreren Hebammen geführt, manchmal gehören auch Ärzte zum Team. Die behaglich eingerichteten Geburtszimmer sind mit Überwachungsgeräten (CTG) und einem Notfallset (Sauerstoff) für das Neugeborene ausgestattet. Die werdenden Eltern sollten sich spätestens zwei Monate vor dem Entbindungstermin mit dem Geburtshaus ihrer Wahl in Verbindung setzen. So bleibt noch genügend Zeit, dass sich Eltern und Hebamme kennen lernen. Philosophie der Geburtshäuser ist es, den Müttern und Familien eine Geburt im selbst bestimmten Rahmen, ob Wassergeburt oder Gebärstuhl, zu ermöglichen. Auch Geschwisterkinder dürfen dabei sein, müssen aber von einer Betreuungsperson begleitet werden. Der besondere Reiz des Geburtshauses liegt in seiner intimen, individuellen Ausstattung, die man voll und ganz beanspruchen kann. Dazu gehört ganz besonders die aktive Einbeziehung des Geburtspartners. Während der Geburt werden verschiedene Möglichkeiten zur Schmerzlinderung angeboten, beispielsweise Meditation, Atemtechnik, Massagen oder homöopathische Mittel. Eine Periduralanästhesie ist allerdings nicht möglich. Viele Hebammen sind der Auffassung, dass natürliche Dammrisse besser heilen als solche, die während der Geburt gesetzt werden. In der Regel wird die Hebamme aber ohnehin versuchen, die Verletzung des Dammgewebes ganz zu vermeiden. Geburtshäuser können natürlich immer nur eine begrenzte Anzahl an Geburten annehmen. Im Normalfall ist eine Hebamme für eine Schwangere zuständig. Um eine Rundum-Betreuung zu garantieren, wird aber auch in den Geburtshäusern im Bereitschaftsdienst gearbeitet. Qualifizierte Untersuchungen, auch vom Bundesverband der Hebammen, zeigen, dass Entbindungen im Geburtshaus ebenso sicher sind wie in der Klinik. Geburtshäuser nehmen allerdings Risikoschwangerschaften wie Mehrlingsgeburten, Beckenendlagen oder Schwangerschaften mit einem komplizierten Verlauf gar nicht erst zur Entbindung an.

Zu Hause
Die Bedürfnisse werdender Eltern bezüglich Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett sind oft ähnlich:
  • kontinuierliche Betreuung durch eine Bezugsperson
  • Intimität
  • Sicherheit für sich und das Kind
  • Freiheit in der Wahl des Geburtsortes
  • Selbstbestimmung und Eigenverantwortlichkeit beim Gebären
  • das Kind in dieser Welt so zu empfangen, wie es den eigenen Wertvorstellungen entspricht
Gerade bei einer Hausgeburt werden viele dieser Wünsche erfüllt. Gebären im eigenen Umfeld, in der Familie, ermöglicht den Frauen entspannt in Kontakt mit ihrem Körper und ihren Kräften zu treten. Dabei finden sie eine innere Sicherheit, die sich positiv auf den Verlauf der Geburt und des Wochenbetts auswirkt. Die Hebamme betreut die Frau von Beginn der Schwangerschaft einfühlsam und umsichtig, innerhalb der Grenzen ihrer beruflichen Kompetenz. Die Verantwortung der Beteiligten wird festgelegt, die Eltern werden in die Entscheidungen mit einbezogen. Vor der Geburt ist die Hebamme immer für die Schwangere telefonisch erreichbar, damit sie auch sofort da ist, wenn es losgeht. Die vertraute Umgebung und der bestehende persönliche Kontakt zur Hebamme helfen den Gebärenden, sich leichter zu entspannen, loszulassen, den Schmerz zu verarbeiten und so die Geburt zu erleichtern. Bei Hausgeburten werden möglichst keine Medikamente verwendet. Während des Gebärens ist die Leitung durch die Hebamme zurückhaltend und beschützend, die natürlichen Fähigkeiten der Frau werden angeregt. Ob sich dieser Geburtswunsch erfüllen lässt oder vorhersehbare Komplikationen eine Entbindung in den eigenen vier Wänden von vornherein ausschließen, wissen der zuständige Gynäkologe oder die Hebamme. Auch muss das Baby richtig herum, also mit dem Kopf nach unten liegen. Es darf natürlich keine Frühgeburt sein und auch Zwillingsgeburten sollten in der Klinik stattfinden. Nach einer Hausgeburt kommt die Hebamme mindestens eine Woche und bei Bedarf so lange, wie es nötig ist, zu der Familie nach Hause und beantwortet den Eltern alle Fragen im Umgang mit dem Neugeborenen. Sie untersucht die Wöchnerin und das Kind, unterstützt die Frau beim Stillen und natürlich im Umgang mit dem Baby. Übrigens: Die Stillrate nach einer Hausgeburt beträgt 98 Prozent!

Das Krankenhaus
Werdende Eltern, die ein hohes Sicherheitsbedürfnis haben, entscheiden sich häufig lieber für eine Entbindung im Krankenhaus und diejenigen, die zu viel „Technik” ablehnen, wählen das Geburtshaus oder andere natürliche Alternativen (wie z.B. die Hausgeburt). Sicher bestehen einige Unterschiede zwischen den geburtshilflichen Abteilungen in Krankenhäusern und den häufig viel persönlicheren Geburtshäusern, aber viele Krankenhäuser haben sich inzwischen gegenüber selbstbestimmten Methoden der Geburt (z.B. Wassergeburt, Gebärstuhl, verschiedene Gebärstellungen, ambulante Geburt) geöffnet und stehen auch alternativen Formen der Schmerzbekämpfung (z.B. Akupunktur) offen gegenüber. Ganz eindeutig zuständig sind Kliniken, wenn es sich um eine Risikogeburt handelt. Denn nur hier kann beispielsweise innerhalb von Minuten ein Kaiserschnitt vorgenommen werden. Meistens haben große Krankenhäuser auch eine Neugeborenen-Intensivstation, so dass das Baby im Notfall schnell entsprechend medizinisch versorgt werden kann.

Teil 1 - 2 - 3
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