Kaiserschnitt - wenn die Bauchentscheidung an der Seele rüttelt
„Ich bin dankbar, dass alles gut gegangen ist und ich weiß, dass es nach 25 erschöpfenden Stunden die richtige Entscheidung war. Trotzdem bleibt das Gefühl, dass ich ihn nicht richtig geboren habe.“ So wie die 30-jährige Ella empfinden viele Mütter, deren Kinder im Schein der OP-Lampen geboren wurden.
Wenn man Ella und ihren Kleinen betrachtet, sieht man eine liebende Mutter und ein fröhliches Baby. Doch sobald die Sprache auf das gemeinsame Geburtserlebnis kommt, glitzern plötzlich Tränen in den Augen und alles Glück bleibt in diesem ABER stecken, das so symptomatisch ist für viele Kaiserschnittmütter.
Vordergründig sind alle Wunden verheilt, der Körper wieder intakt. Die Seele jedoch weiß nicht, wohin mit dem Erlebten. Mütter wie Ella fühlen sich um ihr Geburtserlebnis gebracht und vermissen die unwiederbringlichen, ersten Momente mit ihrem Kind. Dazu mischt sich nicht selten das Gefühl, im entscheidenden Moment allein gelassen zu haben. Eine Last, die nicht leicht zu tragen ist und mit der dennoch so viele Frauen leben.
Und auch wenn der Kaiserschnitt von heute zweifelslos eine großartige Errungenschaft der Notfallmedizin ist, der vielen Frauen und Kindern das Leben rettet, so bleibt er dennoch ein massiver Eingriff, der mit Nebenwirkungen verbunden ist und dem Urereignis Geburt eine künstliche Maske überstülpt.
Jedes vierte Baby wird geholt – ein Trend mit Nebenwirkungen
Mittlerweile kommt in Deutschland jedes vierte Baby per Kaiserschnitt (lat. Sectio caesarea) zur Welt. Eine Zahl, die nach Massenphänomen klingt. Der Kaiserschnitt ist alltäglich geworden. Einerseits macht es das für Kaiserschnittmütter vielleicht leichter. Sie müssen sich für ihre Entscheidung nicht rechtfertigen und medizinisch gesehen ist die Sectio caesarea mit einer Sterblichkeitsrate unterhalb des Promillebereichs ein relativ sicherer Routineeingriff geworden.
Andererseits bleibt in der Alltäglichkeit wenig Raum für das eigene Empfinden, dem es eben oft nicht so ohne Weiteres gelingt, wieder auf Normalnull zu schalten. Ein Kaiserschnitt hinterlässt Narben und nicht alle verblassen sofort in der Erinnerung an einen besonderen Geburtstag. Und während Mütter nach einer spontanen Geburt oft schon nach der Entbindung ihr Kind ohne fremde Hilfe versorgen können, sind Frauen nach einem Kaiserschnitt in den ersten Tagen auf fremde Hilfe angewiesen.
TEIL 1
1 Kaiserschnitt - wenn die Bauchentscheidung an der Seele rüttelt
Aha;ich hab also mein Kind nicht selbst geboren nur weil ein Kaiserschnitt nötig war? Ganz ehrlich:Wie psychisch angeschlagen muß man sein sich vorzumachen das die Welt untergeht weil das Kind per Kaiserschnitt geboren wurde! Zählt denn das 10 monatige Tragen überhaupt nix?Wer setzt solchen Frauen diesen wahnsinnigen Blödsinn in den kopf?Mein Sohn musste per Kaiserschnitt geholt werden weil er zu groß und zu schwer war! Ich bin doch deswegen aber nicht unfähig!!! Und sehr wohl konnte ich mich um mein Kind kümmern,stillen war auch kein Problem! Frauen die der Meinung sind das sie nichts geleistet haben sollten sich Hilfe suchen.Psychologische! Das soll jetzt keine Beleidigung sein.Aber da stimmt ganz offensichtlichmit der Psyche irgendwas nicht!Kaiserschnitte werden dort gemacht wo es einer Frau und dem Baby auf normalem Wege nicht gut geht oder gut tut! Ich darf mich der einer Geburt in ein paar Wochen auch wieder stellen,natürlich möchte ich vaginal Entbinden,keine Frage.Aber wenns diesesmal auch wieder nicht klappt dann eben nicht! Ich bin gegen Wunschkaiserschnitte!!!Aber ich bin nicht bereit mich selbst als unfähig abzustempeln oder mich abstempeln zu lassen!Das Kind ist schliesslich in MIR aufgewachsen,das sollte sich jede Frau klar machen!
Desweiteren hat meine Vorrednerin vollkommen Recht!
Stefanie, Hamburg:
19.08.2011 14:40
Ein total undifferenzierter Artikel! Es gibt verschiedene Indikationen für einen Kaiserschnitt, die gar nicht berücksichtigt werden. Zwischen einem primären und sekundären Kaiserschnitt wird von der Autorin gar nicht erst unterschieden. Es entsteht der Eindruck, dass die psychische Belastung der Frauen, der "Kaiserschnitt-Mütter", nun durch Einreden eines schlechten Gewissens noch verstärkt werden sollen. Die "Vaginal-Mütter" als die geduldigeren und achtungsvolleren Mütter.
Ich halte das für eine schlimme Stigmatisierung.
Außerdem stellt die Autorin die psychischen Probleme nicht dar, sie werden als bekannt vorausgesetzt. Hilfreich für Mütter, die unter einer Traumatisierung durch einen Kaiserschnitt leiden, ist dies keinesfalls.
Frau Fiedler trägt zur Polarisierung bei und zur Erschwerung einer unbelasteten Entscheidung werdender Mütter.
Victoria, Munchen:
10.05.2011 21:32
Es ist leider so... Ich habe meinen Sohn NICHT geboren. Ich war ja uberhapt nicht da - Narkose. Und ich habe ihn gar nicht gesehen - wegen Artzfehler musste er sofort reanimiert werden. Und ja, es kommt: was fur eine Frau und Mutter bin ich, wenn ich das nicht erlebt habe? Was fur eine Ehefrau wenn ich meinen Mann danach nicht lieben und begehren kann - sein Kinderwnsch hat ja meine Gesundheit und Psyche ruiniert?
Aha, die Narbe tut weh. Wochenlang. Von wegen schmerzlos.
Sk, Hannover:
18.04.2011 22:35
Zitat [..sind Frauen nach einem Kaiserschnitt in den ersten Tagen auf fremde Hilfe angewiesen]
Dem kann ich so nicht zustimmen. Mein KS war morgens um 8 Uhr, um 8.30 Uhr habe ich bereits mit ihm gekuschelt und um 14 Uhr hieß es "aufstehen". Mein Kind konnte ich ab dort allein versorgen.
TEIL 1
1 Kaiserschnitt - wenn die Bauchentscheidung an der Seele rüttelt
Angeblich verdankt die Sectio Caesarea ihren Namen dem römischen Herrscher Julius Cäsar. Da jedoch Cäsars Mutter die Geburt um etliche Jahre überlebte, kann diese Anekdote gewissenhaft in das Kapitel „dichterische Freiheit“ gesteckt werden.
Tatsächlich stecken in Sectio caesarea die lateinischen Worte secare (schneiden) und caedere (herausschneiden) und vielfach belegt wurde der Kaiserschnitt bereits in der Antike und im Mittelalter angewandt. Doch nur an bereits toten oder sterbenden Müttern, um eventuell das Kind zu retten oder wenigstens noch taufen zu können. Noch 1840 lag die Sterbequote der Mütter nach einem Kaiserschnitt bei nahezu 100 %. Um 1900 sank diese durch das zunehmende Beherzigen aseptischer Grundsätze rapide auf 3 %. Heute verdanken viele Mütter und Kinder dem Kaiserschnitt ihre Gesundheit und ihr Leben.
Unterschieden wird zwischen primärer Sectio, dem sogenannten geplanten Kaiserschnitt, der meist vor dem errechneten Geburtstermin gemacht wird und der sekundären Sectio nach Geburtsbeginn. Während viele Mütter mit einer primären Sectio besser zurechtkommen, da sie sich weniger überrumpelt fühlen, hat die sekundäre Sectio den Vorteil, dass das Kind das Startsignal zur Geburt geben kann.