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Selbstbestimmt auch bei einer Fehlgeburt?!

Selbstbestimmt auch bei einer Fehlgeburt?!
Bild: © Katrina Brown - Fotolia.com

Im Winter 1975 musste meine Mutter ihr erstes Kind nach nur wenigen Wochen der Schwangerschaft gehen lassen. Ein knappes Jahr später wurde ich geboren. Meiner Schwester ging es ähnlich, auch ihr wurde der Weg einige Jahre später durch ein Sternenkind bereitet. 1998 und 1999 verabschiedete eine Freundin ihr erstes und ihr zweites Kind und 2008 eine weitere Freundin ihr drittes Kind.


Durch meine Arbeit als Doula begegneten mir immer wieder Frauen, die eine oder mehrere Fehlgeburten durchleben mussten.

Im Dezember 2011 nun war ich es selbst, die bei einer Routineuntersuchung, vergebens darauf hoffte, ein schlagendes Herzchen auf dem Monitor des Ultraschallgerätes zu erblicken. Unser viertes Kind hatte sich still und leise davon geschlichen und uns zurück gelassen. Allein, mit unseren Plänen, Träumen und Hoffnungen …

Dass eine Schwangerschaft nicht immer damit endet, dass wir die Stimme unseres Kindes zu hören bekommen. Dass wir unsere Kinder nicht immer halten und behalten dürfen, egal wir sehr wir sie ersehnen und lieben. Dass das Leben manchmal andere Pläne hat als wir …, damit kann man umgehen lernen, auch wenn es schwer fällt. Aber ich kann und will einfach nicht akzeptieren, welch unnötiger Ballast Frauen oft zu ihrem schmerzlichen Verlust aufgeladen wird, durch unnötigen Zeitdruck und Unachtsamkeit anderer.

Fehlgeburten

Wissenschaftliche Studien zeigen, dass 10-20 % aller Schwangerschaften in einer Fehlgeburt vor der 20. Schwangerschaftswoche enden.

80 % dieser Fehlgeburten passieren in den ersten 12 Schwangerschaftswochen.

Die wirkliche Rate an Fehlgeburten ist noch viel höher, da die meisten Fehlgeburten dann passieren, wenn die betroffenen Frauen noch gar nicht wissen, dass sie schwanger sind.

Eine Studie zeigte, dass insgesamt 31 % aller angelegten Schwangerschaften in eine Fehlgeburt münden. Aber 90 % der Frauen werden danach problemlos wieder schwanger!!

Egal in welcher Woche – es ist immer dein Kind



Ein Kind zu verlieren ist immer eine sehr schmerzliche Erfahrung, egal in welcher Schwangerschaftswoche oder in welchem Schwangerschaftsmonat. Vom Moment des positiven Schwangerschaftstests an ist ein Kind in die Warnnehmung und ins Bewusstsein der werdenden Mutter. Sie trägt keine Gewebeteile, keine Zellen und keinen Embryo unter ihrem Herzen, sondern immer ein Kind. Ihr Kind. Von dem jede Mutter annimmt, dass es sie überleben wird, eines Tages und in ferner Zukunft.

Geburt und Sterben sind sich im Grunde sehr ähnlich. Vor allem aber ist der Umgang mit diesen Übergängen in unserer Gesellschaft sehr ähnlich. Weit mehr als 90 % aller Frauen in Deutschland bringen ihre Kinder mittels medizinischer Eingriffe zur Welt. Jedes dritte Kind wird per Kaiserschnitt geboren. Und wer darf heute schon in Ruhe, mit Würde, im Kreis der Familie und ohne medizinische Interventionen sterben? Bei einer Fehlgeburt treffen nun Geburt und Tod unmittelbar aufeinander. Also wird versucht dieses überaus unbequeme Thema so schnell und "sauber" zu erledigen, wie es nur eben geht.

Wer will da schon aus der Rolle fallen, oder Umstände machen? Immerhin sind wir dazu erzogen gut zu funktionieren. Im besten Fall haben wir uns so einfach um eine wichtige Erfahrung gebracht, im schlimmsten uns ein Trauma eingefangen ...
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Kommentare von Lesern:

 
a.s.:
06.03.2016 22:40
Vielen Dank für diesen Bericht ...er hilft mir in meiner jetzigen Situation vielleicht ein wenig leichter damit umzugehen. Die Dinge auf eine andere Art zu sehen, nach einem natürlichem Abgang und nachfolgender AS.Die Traurigkeit und der Schmerz sitzen tief...der Herzschlag im US bleibt unvergessen in meinem Herzen...in Ewigkeit! Liebe kleine große Seele....du wirst immer ein Teil meines sein und ich ein Teil deines...in Liebe.
Vöglein, D:
16.06.2015 18:39
Nach diesem Artikel habe ich den Mut gefasst und den Termin zur Abrasio (12 Ssw Windei) abgesagt und nach zäher Suche eine Ärztin gefunden die mich bei der FG kontrolliert begleitet.
Ich würde diesen Weg wieder so gehen, da ich meinem Körper vertraue. Leider wurde ich im Vorfeld nicht über die Möglichkeit einer selbstbestimmten FG beraten und fand erst nach eigener Recherche Infos dazu. Dies sollte aber jede Frau selbstbestimmt entscheiden und dazu aufgeklärt werden- das erwarte ich von guten Ärzten.
Vielen Dank für diesen mutigen,ehrlichen und nichts beschönigenden Artikel, er hat mich in meinem Handeln bestätigt.
Nadine B. Göttingen:
16.06.2015 10:04
Schön wäre es,wenn frau tatsächlich die Wahl hätte.

Ich ging verunsichert mit leichten Blutungen in der 6.(!) Schwangerschaftswoche in die Klinik . Wurde sofort stationär aufgenommen und 2 Tage später unter Vollnarkose spätabens ausgeschabt, da es da eine Lücke im OP-Plan gab. Über Alternativen wurde ich nicht aufgeklärkt und ich wusste leider auch nicht, dass es welche gibt. Der Aufklärungsbogen wurde mir mit dem Kommentar hingehalten "Das müssen Sie sich nicht durchlesen". Die Nacht verbrachte ich alleine in der Klinik- bis auf eine Krankenschwester, die mir schlafend(!) den Krankenhausschlüpfer runtergezogen hatte. In diesem Moment wachte ich auf.
Im Nachhinein wurde mir klar, dass mit meinem Körper einfach nur Geld verdient wurde und ich fühle mich wie vergewaltigt.
Auch fünf Jahre danach tauchen demütigende Erinnererungen an diese aufgedrängte Ausschabung jeden Tag wieder auf- ich kann keinen Sex mehr haben ohne dass Erinnerungen daran hochkommen und leide unter Depressionen, was ich mir vor dieser furchtbaren Erfahrung nie hätte vorstellen können.

Ein Grund, dass die Ärzte meine Situation so ausnutzen konnten, war meine Unwissenheit. Fehlgeburten werden immer noch totgeschwiegen - wenn sich etwas ändern soll, müssen wir darüber sprechen.

Elin,HB:
17.07.2014 21:06
İnnerhalb von 2 Jahren hatte ich 3 Fehlgeburten. 1.war eine natürliche Schwangerschaft, 2x künstliche Befruchtung. Rechnerisch war ich immer über 8, 9.Woche aber die Embryos waren nicht so weit entwickelt. Nur 1x hatte ich eine Ausschabung, danach ging es mir furchtbar. Die anderen 2 x habe ich alles der Mutter Natur überlassen und war heilfroh darüber, weil ich viel ruhiger war und besser damit klar gekommen bin. Es ist schwer zu verstehen, ob es doch organische Ursachen hat oder nur Pech ist, weiss man eben nicht.... aber es gibt auch andere Facetten des Lebens ausser dem Kinderwunsch, die man geniessen sollte.
In diesem Sinne alles Gute
Rebecca, I. in K.:
26.02.2014 14:14
Nach vier Fehlgeburten kann ich diesen Artikel nur bestaetigen. Drei Mal (SSW 8+4, 8+4, 7+5) absolut natuerlich, vierter Abgang wurde vier Wochen nach Diagnose (SSW 9+4) bei rechnerisch SSW 13+5) mit Cytotec eingeleitet. Alle vier Male ohne Schmerzmittel oder gar Krankenhaus.

Leider ist das Unverstaendnis der Umwelt unglaublich gross und gerade in so einer sensiblen Phase sehr verletzend. Diesen Druck habe ich viel schlimmer als die Warterei empfunden. Uns Frauen wird unglaublich viel Angst gemacht und sofort faellt der Vorwurf der Verantwortungslosigkeit. Als ob man sich nicht informieren wuerde, recherchieren, reflektieren - tage- oder gar wochenlang!

Die erste und die vierte kleine Geburt haben mich sehr an die spontane Entbindung unseres Schatzes erinnert, und damit sind mir diese beiden Sternchen auch viel realer als meine Kinder in Erinnerung: ich konnte sie mir ansehen, sie aktiv loslassen, nachdem mein Koerper sie freigegeben hatte.

Das Blut, die Kraempfe, das Gewebe ... nichts, was bei einer normalen Geburt nicht auch dazugehoeren wuerde und all das gehoert zu mir und meinem Baby.

Viele betrachten diesen Weg als schwer (auch ohne ihn jemals betreten zu haben), aber nichts kann schwerer sein, als sein Kind gehen lassen zu muessen. Dieser Moment gehoerte mir! :)

susa:
11.02.2014 10:52
Meine Ausschabung war nicht schön und ich hab mich auch einsam und im Stich gelassen gefühlt. Leider kann man nicht immer auf die Natur hoffen. Bei mir war schon eine Entzündung im Anmarsch und ich hatte nicht mehr die Wahl zu warten. Leider baut sich jetzt meine Schleimhaut nicht mehr richtig auf. Jetzt fühl ich mich erst Recht "minderwertig" und als "halbe" Frau :-(
S, Berlin:
26.04.2013 16:12
Danke für die hilfreichen Worte. Mein Kleines ist in der 7. SSW auf natürlichem Weg gegangen.
Raica Vermeegen, Solingen:
24.05.2012 11:50
Vielen Dank für diesen äusserst wichtigen und sehr schön geschriebenen Artikel. Als Hebamme begleite ich Frauen bei ihrer (natürlichen) Fehl- und Totgeburt und freue mich, wenn über diese (Geburts)Möglichkeit in dieser schweren Situation der Familie, immer wieder berichtet wird und Familien erreichen kann.
Karin Schön, Offenbach:
02.05.2012 13:24
Als Hebamme unterstütze ich im Raum Frankfurt a.M.schon immer den Weg der natürlichen Fehlgeburt.
Ich freue mich über diesen bestärkenden und ermutigenden Beitrag und danke Dir Michaela für diesen so gelungenen und einfühlsamen Text.
:
29.04.2012 12:48
Uau danke!!!!! Mir geht jetzt soo vieles durch den kopf!!! Diese gedanken helfen mir sehr<3<3<3 danke
Frauke Ludwig:
28.04.2012 22:28
Danke!
:
28.04.2012 17:37
Ein super Artikel! auch durfte den Weg der Selbstbestimmun gehen...er war nicht einfach...vor allem auch nicht einfach, die passende Unterstützung zu finden um diesen Weg überhaupt gehen zu können. doch es hat sich so was von gelohnt....in mir entstand tiefes Vertrauen in meine eigene Kraft...und auch das Loslassen hab ich dadurch sowas von bewusst erlebt...dennoch bleibt es ein trauriges Ereignis...das noch lange danach wirkt...allen betroffenen viel kraft und zuversicht.
Nicole Schaefer, Iserlohn:
26.03.2012 11:02
Liebe Manuela,

durch meine Hebamme Judith Kulesza bin ich auf deine Seite aufmerksam geworden(ganz liebe Grüße von ihr) und ich bin dir sehr dankbar für deinen Artikel. Ich habe bereits eine Fehlgeburt mit anschließender Abrasio hinter mir und weiß wie fremdbestimmt, unpersönlich und erniedrigend es ist. Seit letzter Woche trage ich wieder einen Schmetterling in mir und diesmal möchte ich den Weg bewusst gehen, mich bewusst verabschieden. Dein Artikel wird vielen verunsicherten Frauen helfen, diesen Weg zu gehen. Herzlichen Dank!
Melanie, Stutensee:
15.03.2012 11:35
Wunderschöner, ermutigender Bericht an alle Frauen, ihren eigenen Weg zu gehen, im Einklang mit ihrem Körper, ihrem Kind, ihrem Herzen. Danke für diesen großartigen Artikel!
Brid, Overath:
25.02.2012 17:17
Liebe Manuela,
ich gratuliere dir zu deinem Artikel und bewundere Deinen Mut andere Mütter in ihrem Weg zu bestärken.
Jetzt haben wir noch eine Lebensgeschichte, die uns miteinander verbindet und die uns und auch andere in unserem Frau-sein bestärken.
Fühl dich gedrückt.
Deine Doula Freundin Brid
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Schnellinfo für Betroffene:

Nichts kann Eltern auf die Diagnose „verhaltener Abort“ vorbereiten. Nach dem Satz „Es tut mir sehr leid, aber ich kann keinen Herzschlag finden, ...“ ist nichts mehr wie es war. Eine Welt bricht zusammen und gleichzeitig findet man sich binnen Sekunden in einer ganz anderen Realität wieder. Einer Realität die bestimmt ist von medizinischen Routineabläufen.
  • Nimm dir Zeit zu begreifen und Zeit, um erst einmal in der Situation an zu kommen. Dein Baby wird sie nicht vergiften und hat sich oft schon einige Tage vor dem Ultraschalltermin dazu entschlossen zu „gehen“, es besteht als kein Grund zur Eile. Weder das Krankenhaus, noch die Ausschabung laufen dir weg.
  • Vereinbare weitere Ultraschalluntersuchung, hol eine zweite Meinung ein. Überzeuge dich von der Wahrhaftigkeit dieser schmerzhaften Diagnose.
  • Bitte um ein Ultraschallbild und deinen Mutterpass, denn beides kann sehr wertvoll für die spätere Trauerarbeit sein.
  • Du hast die Wahl! Es gibt verschiedene Möglichkeiten im Umgang mit einer Fehlgeburt.
  • Besorge dir alle Informationen, die für deine Entscheidungsfindung von Bedeutung sind.
  • Verabschiede dich angemessen von deinem Kind.
Bitte durchatmen, Zeit gewinnen, dann informieren und innehalten. Dann erst Entscheidungen treffen.

Wer hilft?

Hebammen in den einzelnen kidsgo-Regionen die eine natürliche Fehlgeburt begleiten.

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Buchtipps

Naturheilkunde für Schwangere und Säuglinge
Susun S. Weed
Orlanda Frauenverlag; 17,90 Euro

Trauern hat seine Zeit: Abschiedsrituale beim frühen Tod eines Kindes
Michaela Nijs
Verlag für Angewandte Psychologie; 22,95 Euro

Von der Traumgeburt bis zum Geburtstrauma
Bettina Schiller
Projekte-Verlag Cornelius; 48,50 Euro

Kindergrabfelder

Kindergrabfelder gibt es in mehreren Städten. Eine Liste der Gräberfelder sortiert nach Postleitzahl, Informationen zu Bestattungsmöglichkeiten und Ansprechpartner gibt es hier www.initiative-regenbogen.de
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