Auf der Suche nach Alternativen zur Schulmedizin wenden sich immer mehr Menschen ganzheitlichen Behandlungs- methoden zu. Besonders beliebt unter Schwangeren & jungen Müttern sind Homöopathie, Osteopathie und Traditionelle Chinesische Medizin (TCM). Wir stellen Ihnen diese drei Behandlungsmöglichkeiten vor.
Grit ist im vierten Monat schwanger und hat Grippe. Ihr Kopf dröhnt, die Glieder schmerzen und ihr Hals ist dick und rot. Auch Söhnchen Felix schnieft schon. Grit überlegt. Die sonst üblichen „Grippehammer“ möchte sie jetzt auf keinen Fall nehmen und auch Felix nicht zumuten. Grit sucht nach einer Alternative – und macht sich auf den Weg zu einer Homöopathin. So wie Grit geht es vielen Frauen und jungen Müttern. Während der Schwangerschaft und als Hilfe für ihre Kinder suchen sie nach sanften Heil- und Behandlungsmethoden.
Viele Hebammen unterstützen sie dabei. Die ganzheitlichen Verfahren, die die Hebammen teilweise selbst einsetzen, empfinden sie als wertvolle Ergänzung zu ihrem Hebammen wissen. Sie nutzen sie, wenn es um die Geburtsvorbereitung, Beschwerden in der Schwangerschaft, komplizierte Geburten, Stillprobleme oder Schreikinder geht. Wir haben Eltern und Hebammen nach ihren Erfahrungen mit Homöopathie, Osteopathie und Traditioneller Chinesischer Medizin (TCM) befragt.
Homöopathie – Heilmittel aus der Natur
„Homöopathische Mittel nehme ich seit meiner ersten Schwangerschaft“, erzählt Eva, dreifache Mutter und angehende Geburtshelferin aus Mettmann. „Damals litt ich ständig unter Übelkeit und mein niedriger Blutdruck sorgte dafür, dass ich kaum aus dem Bett kam. Meine Hebamme hat mir damals eine Homöopathin empfohlen. Die hat mir mit pflanzlichen Präparaten schnell wieder auf die Beine geholfen und mich während der gesamten Schwangerschaft behandelt. Zu ihr gehe ich auch heute noch regelmäßig. Inzwischen mit meinen Söhnen.“
„Similia similibus curentur“ – Ähnliches möge durch Ähnliches geheilt werden – lautet der Lehrsatz, den Samuel A. Hahnemann, Begründer der klassischen Homöopathie (1755-1843), aufstellte. Dahinter verbirgt sich die Annahme, dass eine Substanz, die bei einem Gesunden bestimmte Symptome auslöst, ähnliche Symptome bei einem Kranken heilt. Zum Beispiel die Küchenzwiebel (allium cepa). Dem Gesunden tränen beim Schneiden die Augen und die Nase läuft, beim Kranken wird sie zur Bekämpfung von Fließschnupfen eingesetzt.
Homöopathie nimmt dem Körper also nicht die Arbeit der Krankheitsbekämpfung ab, sondern aktiviert die Selbstheilungskräfte. Die eigenständige und ganzheitliche Therapie arbeitet ausschließlich mit den positiven Heilkräften der Natur. Dabei sollen nicht nur die akuten Symptome behandelt werden, sondern der ganze Organismus soweit stabilisiert werden, dass der Patient in Zukunft weniger krankheitsanfällig ist. Besonders wichtig für den Behandlungserfolg ist die ausführliche Anamnese – das Erstgespräch, in dem der Therapeut die Vorgeschichte und den bisherigen Verlauf der Erkrankung, aber auch die Lebensumstände des Patienten erfragt. Erst dann wählt er eine persönlich auf den Zustand des Patienten abgestimmte Arznei.
Die Anamnese dauert unter Umständen bis zu zwei Stunden. Zeit, die sich auf jeden Fall lohnt. Dazu Helga Brockmann, Kinderkrankenschwester, Heilpraktikerin und klassische Homöopathin: „Allergien, Asthma und Neurodermitis können wir oft schon früh an übermäßigem Milchschorf und trockenen Wangen beim Säugling als verdächtige Zeichen erahnen. Insbesondere Eltern, die selber eine chronische Erkrankung haben, empfehle ich deshalb schon in den ersten Lebenswochen ihres Kindes eine homöopathische Praxis zur Erstanamnese und individuellen Beratung aufzusuchen. Denn hier ist eine genetische Belastung des Kindes nicht ausgeschlossen. Ist die Fallaufnahme erfolgt und das Kind in der Praxis bekannt, brauchen wir im Akut-Fall nur eine halbe Stunde, um das richtige Mittel herauszufinden.“
Homöopathische Heilmittel werden aus Pflanzen, Mineralien, Tieren und Krankheitsstoffen (Nosoden) gewonnen. Zurzeit sind etwa 3000 homöopathische Arzneimittel erhältlich.
Homöopathie:
Homöopathische Mittel haben sich bei typischen Schwangerschafts- beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen und Verdauungsproblemen, bei Ängsten, Stimmungsschwankungen oder bei Milchstaus und Brustentzündungen bewährt (s. Tabelle). Säuglingen kann Homöopathie bei Blähungen und Drei-Monatskoliken, Erkältungen, Milchschorf, Unruhe und Schlafstörungen helfen. Insbesondere Babys und Kleinkinder reagieren oft recht schnell auf die Mittel, da ihr Organismus noch unbelastet von schädlichen Umwelt-Einflüssen ist.
Hinweis
Homöopathische, osteopathische und TCM-Behandlungen (inkl. Akupunktur) werden häufig als Begleittherapien eingesetzt. Sie ersetzen keinen Arztbesuch! Bitte sprechen Sie vor der Anwendung alternativmedizinischer Heilmethoden jeglicher Art zuvor mit Ihrer Hebamme oder Ihrem behandelnden Arzt (um ernsthafte Erkrankungen auszuschließen). Für die Einnahme homöopathischer Mitteln gilt: Sind die Ursachen für die Beschwerden nicht gründlich durch einen Homöopathen erforscht, behandeln Sie mit Selbstmedikation lediglich die Symptomatik.