Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) ist eine über 5000 Jahre alte Erfahrungs- wissenschaft, die auf der Lehre der fünf Elemente Metall, Erde, Holz, Feuer, Wasser und deren Wechselspiel in der Natur basiert. Sie unterteilt den menschlichen Organismus in fünf Funktionskreise, und ordnet jedem Funktionskreis eines der Elemente zu. Jedes gesundheitliche Problem ist auf eine Störung des Flusses der Lebensenergie, des „Qi“ in einem der Funktionskreise zurückzuführen. Ziel ist es, ein reibungsloses, harmonisches Funktionieren aller fünf Elemente zu garantieren und das Qi wieder in Bewegung zu setzen. Dafür werden fünf Therapieverfahren eingesetzt: Akupunktur und Moxibustion (Erwärmung von Akupunkturpunkten durch glühende Kräuter), Kräuterheilkunde, Ernährungslehre, Tuina/Anmo (Chinesische Massage und manuelle Therapie), Qigong und Taijiquan (Bewegungsübungen).
Akupunktur zur Geburtsvorbereitung
Akupunktur ist das bekannteste Therapieverfahren der Traditionellen Chinesischen Medizin. Die 2000 Jahre alte Heilweise aus Asien geht davon aus, dass die Lebensenergie Qi auf bestimmten, festgelegten Bahnen durch den Körper fließt, den Meridianen. Winzig feine Nadeln werden an bestimmte Punkte entlang der Meridiane in die Haut gesetzt, um das Qi wieder zum Fließen und so den Organismus in Balance zu bringen. Auch wenn sich die Existenz der Meridiane noch nicht wissenschaftlich belegen lässt, mehren sich die wissenschaftlichen Belege dafür, dass Akupunktur bei Rücken-, Schulter- und Gelenkbeschwerden hilft.
Auch in der Geburtsvorbereitung wird Akupunktur zunehmend von Hebammen eingesetzt. „Viele Schwangere nehmen sie in den vier letzten Schwangerschaftswochen in Anspruch, da sie nachweislich die Eröffnungsphase der Geburt um bis zu zwei Stunden verkürzt – das bestätigen inzwischen auch wissenschaftliche Studien.“, berichtet Petra Maurice, examinierte Krankenschwester und Leiterin von GfG-Geburtsvorbereitungskursen aus Düsseldorf. Bei Steißlagen hingegen wird häufig Moxibution angewendet, um das Baby zur Drehung zu bewegen – eine Form der Akupunktur, bei der die Akupunkturpunkte erwärmt werden.
„Während der Geburt arbeite ich als Hausgeburtshebamme fast ausschließlich mit Akupunktur, Homöopathie, Aromatherapie und Massagetechniken. Ich mache damit seit Jahren hervorragende Erfahrungen“ berichtet Kathrin Bosch-Gaub, Hebamme aus Köln.
Auch Mechthild, eine junge Mutter, kennt die Wirkung der feinen Nadeln: „Als ich mit Louisa schwanger war, hatte ich ziemlich viel mit Wassereinlagerungen zu kämpfen. Ich nahm 20 Kilo zu und fühlte mich wie ein Wal. Außerdem hatte ich schreckliche Angst vor der Geburt. Meine Hebamme begann mir vier Wochen vor der Geburt einmal wöchentlich Nadeln zu setzen und gab mir ein homöopathisches Mittel zur Beruhigung. Das half gegen die Wassereinlagerungen und die Angst vor einem langwierigen Geburtsverlauf. Am Ende war alles halb so schlimm: ich war deutlich entspannter und die Geburt verlief super.“
TCM:
In der Schwangerschaft kann das Nadeln helfen, Übelkeit, Wassereinlagerungen und Rückenbeschwerden zu lindern. Unter der Geburt hilft es, eine regelmäßige Wehentätigkeit zu unterstützen und die Plazentaablösung zu fördern. Bei Säuglingen und Kleinkindern kann alternativ statt der üblichen Nadeln eine Akupunktur mit dem Soft Laser oder eine Ohrakupunktur mit aufgeklebten Samenkörnchen durchgeführt werden. Diese Methoden sind schmerzfrei und ohne Infektionsrisiko.
Alternativmedizin – was ist das eigentlich?
„Alternativ“ bedeutet wörtlich „im Gegensatz zum herkömmlichen stehend“ oder auch „eine zweite Möglichkeit darstellend.“ Und eben dies tun alternativmedizinische Heilweisen und Konzepte. Sie bieten eine Alternative zur wissenschaftlich orientierten Medizin oder ergänzen und erweitern diese (Komplementärmedizin). Die Schulmedizin stellt Diagnostik und Therapie oft anhand messbarer Momentaufnahmen (z. B. Ultraschall, EKG), um Symptomatiken zu behandeln. Die Alternativmedizin betrachtet den Menschen in seiner Gesamtheit (Körper, Geist, Seele). Kann ein schulmedizinischer Wirkungsnachweis erbracht werden, gilt eine Methode nicht mehr als Alternativmedizin.