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Baby-Tagebücher

Hautnah. Intensiv. Liebenswert. Folgt hier den Babytagebuch-Bloger:innen und erlebt regelmäßig, wenn frischgebackene Mütter und Väter ihr Leben mit euch teilen. Jede Woche lassen sie euch an ihrer neuen Lebenszeit mit Baby teilhaben und geben ganz persönliche Einblicke: Was hat der Sprössling diese Woche Tolles gelernt? Wie geht es den jungen Eltern mit dem kleinen Knirps? Welche Herausforderungen begegnen den Neu-Mamas und Neu-Papas mit ihrem Neugeborenen? In den Baby-Tagebüchern seid ihr live dabei, von ersten Arztbesuchen bis zu holprigen Gehversuchen. Ob liebenswert chaotisch oder rührend besinnlich: Immer erhaltet ihr einen unverfälschten, authentischen und persönlichen Einblick in das aufregende Leben einer Jungfamilie.
21. Woche

Wo ist Anna?

Wo bleibt man selbst, wenn man eine Familie zu versorgen hat? Was mir gut tut und wie ich dazu komme.

In der Dusche ist mir eingefallen, worüber ich diese Woche schreiben möchte. Das war schon vor vielen Wochen. Es passte immer irgendwie nicht. Diese Woche aber schon als Folge vom letzten Beitrag. Und nun grüße ich euch aus der Badewanne zwischen Stapelbechern, Badebüchern, einer Kerze und einer Tüte Schokolade. Heute geht es um Zeit und (über)leben für die Mama. Überhaupt habe ich im Badezimmer die besten Ideen, seit ich Mama bin. Denn das ist eigentlich der einzige Ort, an dem ich mich selbst hören kann und das auch nicht immer. Oft bleibe ich etwas länger als nötig im Bad, weil diese abgeschlossene Tür das einzige Hindernis für die Familie darzustellen scheint, die man mir zugesteht. Ich glaube, das kennen viele Mütter - das Bad als Ruheoase für die eigenen Gedanken …?!? Zumindest muss jede Mama mir gegenüber immer schmunzeln, wenn ich davon erzähle.
Wobei das auch nur klappt, wenn nicht ein heulendes Kleinkind die Nähe braucht und mit auf Toilette gehen muss oder mit in die Dusche kommt. Und hab ich es mal alleine in die Dusche geschafft, höre ich ein schlimmes Phantomheulen vom Baby, das seelenruhig schläft, wenn ich doch denke nachgucken zu müssen und nass und schaumtropfend vor der Wiege stehe.

Wo ist Anna? Wo bin ich? Der Beitrag von meiner Tagebuchkollegin Marisa aus der 22. Woche hat mein Denken dazu angeregt. Danke dafür liebe Marisa. Der Schatz hatte das auch irgendwann mal angesprochen, aber das verhallte wieder im Alltag. Ja wo bin ICH eigentlich in dem ganzen Trubel? Ich bin Ehefrau, Geliebte, Mama, Hausfrau und die ganzen Unterkategorien, die dieser Job mit sich bringt. Von der Ernährungswissenschaftlerin, über Medizinische Fachkraft, Köchin, Managerin, Schneiderin bis zur Spielekoordinatorin und Schiedsrichterin ist alles dabei. Ihr kennt das. Aber wo bin ich? Nur Anna. Ich konnte die Frage erst nicht beantworten und das zeigte mir, dass hier irgendwas nicht rund läuft. Also begann ich darüber nachzudenken.

Die letzten vier Jahre waren so intensiv, so voll, so anders, dass ich mich wohl ein Stück weit verloren habe. Und das nicht nur durch die Kinder. Versteht mich nicht falsch, ich bin das alles gerne. Und es war für mich auch nicht schlimm mich ganz der neuen Situation hinzugeben. Aber ich war immer der Meinung, dass das Leben nicht „zu Ende“ ist, weil man ein Kind bekommt. Man kann trotzdem leben und erleben. Ich habe den Ninja damals einfach mitgenommen, oder bei Oma oder Papa untergebracht. Manches habe ich aufgeschoben. Den Surfkurs habe ich z.B. erst gemacht, als er parallel dazu selber einen machen konnte. Zum Sport habe ich mir ein Fitnessstudio mit Kinderbetreuung gesucht und in den Urlaub sind wir zusammen mit anderen. Meist meiner Mama und/oder meinen Geschwistern. Wir haben Wikingerdörfer, Strände und Museen besucht. Sind mit dem Planwagen gefahren und durch die Alpen gewandert. Es war toll, das mit Kind zu erleben. Man muss es vielleicht etwas umgestalten. Nachts in Rom eine Pizza essen geht mit kleinen Kindern vielleicht genauso wenig wie Party zu machen. Aber das kommt dann eben später wieder. Die großen Landkarten in den Vatikanischen Museen möchte ich ihm so gerne noch zeigen. Und das British Museum in London. Hach, jetzt bekomme ich Fernweh.

Ich hatte jedenfalls Spaß am Leben und merke, dass ich wieder etwas für mich tun muss. Auch mich versorgen muss und nicht nur alle anderen.
Nur was? Mit drei Kindern und einem Partner, der unter der Woche meist erst zum Abendessen zuhause ist wird es schon schwieriger. Zudem war der Ninja ein sehr umgängliches Kind, das sich anpasste. Die Nusstorte kann ich nicht einfach so mitnehmen. Er macht das Programm nicht leise mit. Er läuft nicht einfach so mit, wie das von zweiten Kindern so gerne behauptet wird. Das erste Jahr mit ihm habe ich zwischen Bett und Sofa gewechselt. Ich konnte mir nicht mal die Zähne putzen ohne schlimmstes Gebrüll. Die ersten zwei Jahre mit ihm waren extrem anstrengend. Wir sind noch nichtmal in die Lage gekommen, das Haus zu verlassen. Mittlerweile will er Futter. Futter fürs Hirn, was erleben, braucht Input. Zeit lässt er mir trotzdem fast keine. Das hat mich nun auf die Idee gebracht, fertig gepackte Taschen parat stehen zu haben. Eine Wickeltasche mit allem drin für beide Zwerge. Die Wechselsachen sind jeweils in einem kleinen Kulturbeutel, sodass ich schnell mal einen rausnehmen und z. B. den Großeltern mitgeben kann. Eine Schwimmtasche, eine Beschäftigungstasche packe ich jetzt noch für Restaurantbesuche, Termine mit Wartezeit oder so. Dann muss ich nur die jeweilige Tasche schnappen, eine Flasche Wasser auffüllen und habe sicher alles relevante dabei. So sind wir viel flexibler und können „mal eben“ los. Das klappt tatsächlich richtig gut. Ich muss nur dran denken, nach einem Ausflug wieder alles auf Stand zu bringen ;)

Viel Zeit hat man ja als Mama nicht, aber ein paar Sachen sind halt wichtig, um sich gut zu fühlen. Denn wie wir alle wissen: Nur wenn es einem selber gut geht, kann man sich um andere kümmern und mit Geduld und Herz alle Dinge begleiten, die so anstehen.
Das sind bei jedem andere Sachen und es lohnt sich, dem auf den Grund zu gehen. In mehreren Gesprächen bei einer Frauenberatung in Göttingen und später bei Fortbildungen habe ich gelernt, dass jeder Menschstag nur 24 Stunden hat. Klingt blöd, aber ja auch der Tag einer Mama hat nur 24 Stunden und man muss halt schauen, was man mit denen machen möchte. Außerdem, dass es so genannte Energieräuber gibt und Dinge, die dir Energie geben. Die muss man für sich rausfinden, um quasi eine gute Bilanz zu haben und nicht auszubrennen. Also, dass das anstrengende Kräfte zehrende aufgewogen wird durch etwas, das dir gut tut und Kraft gibt.

Bei mir ist es z. B. 1x die Woche ruhige 1-2 Stunden Badezimmerzeit zu haben. Alleine duschen oder ein Bad nehmen können, Zeit für die eigene Körperpflege zu haben. Das tut mir unglaublich gut und lässt mich die Verbindung zu meinem Körper behalten. Vor allem meinen Körper einfach mal ganz für mich alleine zu haben. Denn auch ich bin regelmäßig „überkuschelt“ oder „overcuddlet“ wie man sagt.

Sport brauche ich für mein mentales Gleichgewicht und die Muskeln, um den Alltag wuppen zu können. Ich habe gemerkt, dass Sport bei mir ein richtiger gute Laune Booster ist und die Dinge sich viel einfacher erledigen lassen, wenn ein paar trainierte Muskeln im Körper sind. Das Fitnessstudio hatte sich für mich erledigt. Hier gibt es keins mit Kinderbetreuung. So habe ich ein Onlinefitnesstudio gebucht, bei dem ich trainieren kann, wann es für mich passt. Das ist eine unglaubliche Erleichterung für mich gewesen. Ich habe mir trotzdem feste Zeiten gesetzt, wann ich trainieren wollte, was mit intensivem Kleinkind aber nicht so gut geht wie mit einem Schulkind, das abends ab acht im Bett ist und keine weitere Begleitung mehr braucht.

Also schiebe ich es jetzt tatsächlich irgendwie kurz zwischen, wenn es gerade passt. Wenn das Möpschen gerade eingeschlafen ist und die Nusstorte mit den Großeltern unterwegs ist oder er darf zur Not auch mal etwas Fernsehen. Dann mach ich halt nur die halbe Stunde Sport.
Mal klappt es drei mal die Woche, mal nur einmal. Manchmal ehrlicherweise auch gar nicht. Und das merke ich an meiner Stimmung und am Geduldsfaden.

Kochen und Backen, etwas mit den Händen schaffen, tut mir sehr gut. Etwas, dass man sehen kann. Soooo viele Arbeiten als Mama sind einfach unsichtbar! Ich bin dazu übergegangen, jeden Mist aufzuzählen, wenn der Schatz mich fragt, was ich heute so gemacht habe. Denn ich habe nicht nichts gemacht, wenn ich gestillt, geschmust, vorgelesen, eine Höhle gebaut, Essen gemacht und Wutanfälle begleitet habe. Ich war und bin die ganze Zeit am Tun. Und schwups, bin ich unbemerkt wieder in den Mamamodus gewechselt …

Anna braucht Rumtüddeln - einfach vor mich hintun ohne Ziel tut mir auch richtig gut. Dabei kommen manchmal kreative Sachen raus, manchmal widme ich mich dann spontan einer Chaosecke oder verlier mich in den Erinnerungsbüchern und Fotos von früher. Oder ich miste was aus oder versacke mit einem Buch, in dem ich nur mal kurz was nachsehen wollte. Tüddeln ist völlig unvorhersehbar. Vielleicht mit Muße zu vergleichen. Das süße Nichtstun, wie die Italiener sagen. Eine großartige Beschäftigung :D

Anrufe, Papierkram und rausgehen stressen mich total. Es müssen bestimmte Bedingungen dafür herrschen, auf die ich wenig Einfluss habe und die jeden Moment wieder kippen können.

Ich übe immer wieder diese Zeit für mich aktiv einzufordern. Mit dem „von den Augen ablesen“ habe ich probiert. Das endet nur in totaler Frustration auf allen Seiten. Ich vergesse es immer wieder, so wie die letzten Wochen. Aber wenn ich dran denke, sage ich konkret, wann ich was machen möchte und wie viel Zeit ich dafür brauche. Den Tipp mit der Zeitangabe habe ich von meiner Mama. Und das funktioniert tatsächlich sehr gut bei uns. Auch wenn der Schatz irritiert fragt, wofür ich denn zwei Stunden Zeit zum Baden haben möchte, aber das ist ja meine Sache, was ich in diesen zwei Stunden mache. So weiß ich die Zeit, die ich zur Verfügung habe und er, wann ich wieder da bin. Und tatsächlich stört mich dann keiner. Die einzige Ausnahme ist, dass er das Möpschen zum Stillen bringen darf, falls dieser doch Hunger bekommen sollte.

Der letzte Dienstag hat mir jedenfalls so einen positiven Schwung verpasst, dass ich gerade auf die beklopptesten Ideen komme und wieder in den Modus komme - dann nimm die Kinder doch einfach mit! Und noch eine Person, die mal das Baby halten kann. Da sind die meisten Happy, wenn ich frage. Also ich bin jetzt wild am Urlaub und Erleben planen. Mit Auto? Mit Zug? Mit Fahrrad? In die Berge? Ans Meer? In die Stadt? Mich packt das Fernweh und die Unternehmungslust. Erfahrungen sammeln. Ab ins Neue, ins Abenteuer. Ich will mehr von der Welt sehen. Irgendwie wird das schon klappen. Hauptsache los. Sprachen kann man lernen. Das ist Anna! Hallo, ich hab dich schon vermisst.

Frisch, sauber und ohne Wald auf den Beinen, mit wieder glatter Haut entsteige ich dem erkalteten Wasser und schlüpfe nach dem Eincremen in frische Klamotten ohne Babyspucke drauf. Wird nicht lange halten, aber der Moment ist wunderbar. Die Cellulite ließ sich nicht wegcremen. Die Stillbrüste sind immer noch viel zu groß und der Bauch noch nicht wieder flach. Aber ich spüre mich wieder. Und das ist großartig. Denn so habe ich auch wieder Lust auf Zweisamkeit. Das kommt dem Schatz ja auch zugute.

Ich glaube diese Dinge reichen mir erstmal. Ein richtiges regelmäßiges Hobby möchte ich auch wieder machen, aber damit kann ich glaube ich leben, wenn das erst in ein paar Jahren wieder drin ist. Bis dahin kommen die Kinder eben mit und lernen dadurch selbst auch.

Wir haben dann erst mal mit Bowling angefangen. Am Sonntag waren wir mit den Großeltern und der Familie von Schatz‘s Bruder bowlen. Es war schön. Die Nusstorte hat sich im zeitlupenbowlen, wahlweise mit Papa, Oma oder mir geübt und satte 17 Punkte in drei Spielen geschafft. Der Ninja ist viel besser geworden im Vergleich zum letzten Mal vor zwei Jahren und ich habe einen Strike geschafft. Das Möpschen wanderte von Arm zu Arm, sodass jeder spielen konnte und schlummerte in dem ganzen Lärm eine Runde. Am Abend zu Hause hatte er mir eine Menge zu erzählen! So viele „Wörter“, Gekicher und Gestrampel. Von Lichtern (er liebt Lampen), Gerüchen, Geräuschen und anderen Eindrücken. Er hat das tatsächlich richtig gut mitgemacht. Ich freue mich, dass ich nun ein Baby habe, was so was mitmacht.

Kinder sind nicht das Ende, sondern der Anfang einer wunderbaren Zeit, die nur umgestaltet werden muss. Und auch wenn es sich manchmal anfühlt, als würde man nie wieder Zeit für sich selbst haben - doch! Die kommt wieder.

Weil der Beitrag jetzt mal weg muss, schließe ich an dieser Stelle und wünsche euch noch eine schöne Restwoche.


Liebe Grüße von Anna



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