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Ratgeber Gesundheit - Was tun bei Bauchweh?

Bis zu 20% aller Babys leiden in den ersten drei bis fünf Lebensmonaten an Bauchweh und Blähungen, auch 3-Monats-Koliken genannt. Die betroffenen Säuglinge haben starke Bauchkrämpfe, ausgelöst durch Luft im Bauch. Die Luft gelangt beim Atmen, Trinken oder Schreien in den Babybauch und verursachen dort ein Völlegefühl, das in Krämpfe übergeht.

In diesem Artikel:

Was tun bei Blähungen und Bauchweh

Meist treten die Schmerzen zu den gleichen Tageszeiten auf, häufig gegen Abend und in der Nacht. Die Babys werden in der Regel unruhig und fangen an, die Beinchen krampfhaft anzuziehen und sie wieder auszustrecken. Die Säuglinge beginnen zu schreien, oft sehr lang. Eltern sind mit ihren weinenden Kindern häufig überfordert, da sie nicht wissen, woher die Bauchschmerzen kommen und wie sie ihren Kindern helfen können.

Aber keine Angst, gefährlich ist das nicht: „Die Kinder gedeihen gut, leiden nur regelmäßig an Blähungen und starken Schmerzen“, erklärt Kinderarzt Dr. Klaus Scheidner. Eine gezielte Behandlung der Bauchkrämpfe gibt es bislang nicht, nur Tipps, wie Eltern ihren Kindern helfen können.

Die Mahlzeiten deines Kindes

Wenn du dein Baby stillst oder ihm die Flasche gibst, achte darauf, dass das Kind die Brustwarze bzw. den Sauger ganz in den Mund nimmt. So vermeidest du, dass es zu viel Luft schluckt.

Trinkt dein Kind aus der Flasche, achte darauf, dass es nicht zu schnell trinkt. Mache bei den Mahlzeiten immer mal wieder eine Pause und lass dein Kind aufstoßen. Auch wenn es länger dauert, warte auf das befreiende Bäuerchen bevor du weiter fütterst. Auch können mehrere kleine Mahlzeiten helfen, Bauchkrämpfe zu umgehen.

Schau doch einfach mal nach, was andere Mütter für Erfahrungen gemacht haben: Baby-Tagebuch

„Dreimonatskoliken“: Häufiges Tragen hilft

Expertin


Regine Gresens ist Beauftragte für Stillen und Ernährung im Deutschen Hebammen-Verband.

Wenn dein Baby viel weint, solltest du es nicht allein lassen, sondern ruhig und sicher tragen oder halten. Jüngere Babys gehören als Traglinge an den Körper eines Erwachsenen, nicht nur, während sie schreien, sondern auch, wenn sie ruhig und zufrieden sind, oder sogar während sie schlafen. Babys, die regelmäßig und viel getragen werden, weinen zudem seltener und beruhigen sich schneller, als jene, die nur dann getragen werden, wenn sie schreien. Auch werden sie beim Tragen nicht nur beruhigt, sondern auch passiv bewegt, was sie zusätzlich entspannt, so dass sie auch mögliche Darmgase leichter loslassen können. Das Tragen sollte jedoch nicht mit zu starken Schaukel- oder sogar Hüpfbewegungen einhergehen, sondern mit eher ruhigen Gehbewegungen.

Auf Grundbedürfnisse achten

Das meist abendliche Schreien oder die „3-Monats-Koliken“ sind bei den meisten Kindern kein Problem eines „unreifen“ Darms oder der Verdauung. Denn nur bei jedem 20. sogenannten „Schreibaby“ finden sich tatsächlich körperliche Gründe für das untröstliche Schreien. Zudem schreien Babys auch nicht nur dann, wenn sie Schmerzen haben, sondern meistens, weil irgendeins ihrer Grundbedürfnisse nicht erfüllt wird. In unserer westlichen Kultur ist dies leider sehr oft das Bedürfnis nach Nähe und Körperkontakt. Es kann aber auch Hunger, das Bedürfnis nach Ruhe, also Überreizung, oder einfach nur Übermüdung sein.

Vorsicht: Ammenmärchen!

Immer wieder wird behauptet, die mütterliche Ernährung sei Ursache für die vermeintlichen Blähungen des Babys. Blähstoffe aus der Nahrung würden angeblich durch die Muttermilch übertragen. Tatsache ist: Gestillte und flaschenernährte Babys sind gleichermaßen von den Schreiattacken betroffen. Es kann also gar nicht am Stillen liegen. Zudem gibt es nur sehr wenige gestillte Kinder, die tatsächlich allergisch auf bestimmte Nahrungsmittel der Mutter reagieren, meist handelt es sich dann um Kuhmilch-, Soja- oder Hühnereiweiß. Ist eine solche Diagnose aber vom Arzt gestellt worden, sollte die Mutter diese Stoffe natürlich für eine gewisse Zeit vermeiden und dann langsam in kleinen Dosen wieder einführen. Die Empfehlung, keinerlei blähende Lebensmittel in der Stillzeit zu sich zu nehmen, ist wirklich nicht zu rechtfertigen, da sie nicht wissenschaftlich belegt ist und der Mutter völlig unnötigerweise wichtige Nährstoffe und Vitamine vorenthalten würden.

Buchtipps

Dr. rer. nat. Joachim Bensel
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