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Das Hörscreening für Neugeborene

Leni schläft friedlich. Sie ist erst zwei Tage alt und bekommt nicht mit, dass die Krankenschwester ihr eine kleine Sonde in den äußeren Gehörgang schiebt. Es dauert nur wenige Sekunden, dann liefern Sonde und dazugehöriges Messgerät das Ergebnis: Lenis Innenohr konnte den von der Sonde ausgesendeten Klick-Laut nur unzureichend beantworten.

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Das Hörscreening für Neugeborene

Darum wird die Kleine ein paar Tage später ein zweites Mal untersucht. Die Messung zeigt: Leni kann hören. Wahrscheinlich befand sich bei der ersten Untersuchung noch Fruchtwasser im Ohr. Seit 2009 gehört das Hörscreening für Neugeborene zu den Standardleistungen der Krankenkassen. Etwa zwei von tausend Babys kommen mit einer Hörstörung zur Welt. Oft wurde diese erst entdeckt, als das Kind bereits zwischen zwei und vier Jahren alt war, nämlich genau dann, als offenkundig wurde, dass es nicht so spricht wie andere Gleichaltrige. Hören ist eine wesentliche Voraussetzung für den Spracherwerb. Darum kam der gemeinsame Bundesausschuss aus Ärzten, Krankenkassen, Krankenhäusern und Patientenvertretern zu dem Schluss, dass ein flächendeckendes Hörscreening schon bei Neugeborenen medizinisch sinnvoll sei.

Hörscreening - so funktioniert's!

Getestet wird im Schlaf mit zwei schmerzfreien Verfahren. Bei der Messung der otoakustischen Emissionen (OEA) wird über eine Sonde ein leiser Ton ins Ohr geschickt, der von einem gesunden Ohr beantwortet wird. Das bedeutet: Mittelohr und Hörschnecke, medizinisch Cochlea, sind intakt. Bei der Hirnstammaudiometrie (ABR) wird über drei am Kopf verteilte Elektroden gemessen, ob auch der Hörnerv und die Hörbahn voll funktionsfähig sind. Fallen die Untersuchungen negativ aus, werden die Eltern an ein Krankenhaus mit einer Pädaudiologie-Station verwiesen, die auf kindliche Hörstörungen spezialisiert ist. Eine Diagnose mit konkretem Befund ist wichtig, da eine unerkannte Hörstörung dazu führen kann, dass Kinder – bedingt durch Kommunikationsschwierigkeiten – nur erschwert sprechen lernen und somit auch sozial außen vor bleiben.