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Im Zeichen der Klimakrise: 
Wie Eltern ihre Kinder zu mehr Nachhaltigkeit erziehen können

Die Weltklimakonferenz 2019 in Madrid gilt als gescheitert, sodass die gravierenden Folgen der Klimakrise mehr denn je ins öffentliche Bewusstsein rücken. Jeder, der seine Lebensbedingungen und die der folgenden Generationen schützen will, ist aufgerufen, jetzt zu handeln. Für Eltern hat der Apell zum Klimaschutz eine doppelte Funktion: Aktiv einen nachhaltigen Lebensstil zu pflegen, heißt gleichzeitig, für seine Kinder ein gutes Vorbild abzugeben.

In diesem Artikel:

Wie wichtig ist die Vorbildfunktion der Eltern?

Kindergarten, Freunde, Schule, Medien – die Welt eines Kindes wird durch vielfältige Einflüsse geprägt. Wie wichtig ist es hier überhaupt noch, dass Eltern gute Vorbilder abgeben, um den Kindern Werte und Verhaltensregeln zu vermitteln?

Kinder lernen durch Nachahmung

Dass bereits wenige Tage alte Säuglinge lernen, indem sie ihre Bezugsperson nachahmen, stellten die Wissenschaftler um den amerikanischen Psychologen Andrew Meltzoff in den 1970er Jahren fest. Auf diese Weise erlangen die Kinder sprachliche, motorische und emotionale Fähigkeiten. Doch die enge Einflussnahme zwischen Eltern und Kind beruht vielleicht sogar auf Wechselseitigkeit. Aktuell untersucht ein Team der LMU München, ob auch Nachahmung eine Fähigkeit ist, die Kinder verbessern, indem sie dies bei anderen wahrnehmen.

Die These: Spiegeln die Eltern ihre Säuglinge häufiger in Verhalten, Mimik und Körpersprache, orientieren sich die Kinder im Nachfolgenden wiederum stärker am Verhalten der Eltern.

Kinder müssen Zweck und Absicht einer Handlung begreifen

Wenn Eltern ihrem Nachwuchs etwas vorleben, sollten sie es nicht dogmatisch tun, sondern bereits kleinen Kindern den Zweck und die Geisteshaltung dahinter erklären. Nachhaltigkeit wird dann nicht in der Familie praktiziert, „weil man es eben so macht“, sondern, weil man den Planeten und seine Ressourcen schützen will, um die zukünftigen Lebensumstände der Kinder und der folgenden Generationen positiv zu prägen.

Das Ziel einer Handlung (z.B. Energie sparen) und die Absicht dahinter (Ressourcen für die Zukunft sichern) haben nämlich unterschiedliche Auswirkung auf die kindliche Persönlichkeit.

Das Motiv prägt die Persönlichkeit

Bereits zu Beginn der 2000er Jahre konnten amerikanische und französische Neurowissenschaftler in einer Studie nachweisen, dass Kinder, die durch Imitation ihrer Eltern lernen, Ziel und Absicht einer Handlung in unterschiedlichen Gehirnregionen speichern. Beim Fokus auf ein zweckgebundenes Handeln zeigt der linke prämotorische Cortex erhöhte Aktivität. Verstehen die Kinder allerdings die Motivation, die hinter einer Aktion steckt, wird der präfrontale Cortex aktiv. Er ist persönlichkeitsbildend und verantwortlich dafür, wie wir mit Emotionen umgehen. Auch die Fähigkeit zur Empathie liegt hier.

Eltern können ihre Kinder demnach stärker dazu befähigen, sich zu empathischen und verantwortungsvollen Menschen zu entwickeln, wenn sie ihnen ihre eigene Motivation zum nachhaltigen Leben verständlich machen.

Authentische Motivationen inspirieren zur Nachahmung

Dass Kinder insbesondere solche Haltungen nachahmen, die von ihnen als authentisch angesehen werden, konnte der bekannte Persönlichkeitspsychologe Walter Mischel in den 1960er Jahren nachweisen. Das bedeutet in der Praxis: Eltern sollten ihre Handlungen an denselben Maßstäben messen, wie sie sie von ihren Kindern erwarten. Wenn Erwachsene Umweltbewusstsein und Zivilcourage für sich selbst als Leitlinien definieren und ihren eigenen Alltag daran ausrichten, vermitteln sie diese Prinzipien mit hoher Wahrscheinlichkeit auch an ihre Kinder.

Nachhaltigkeit vorleben: Wie geht das?

Nachhaltigkeit ist ein großer Begriff, der sich in vielen alltäglichen Entscheidungen manifestiert. Die folgenden Bereiche eignen sich dafür, Kindern ein Bewusstsein für die Ressourcen unseres Planeten zu vermitteln:

Ernährung: Es muss nicht gleich Veganismus sein

Tierische Nahrungsmittel werden aktuell kontrovers diskutiert – nicht nur, was ihre Wirkung auf unsere Gesundheit angeht. Auch in Bezug auf den Klimawandel sehen viele Experten den exzessiven Fleischverzehr in den Industriestaaten kritisch. Jeder Deutsche verzehrt immerhin 60 Kilo Fleisch pro Kopf und Jahr. Aus den folgenden Gründen sollten Eltern anstreben, das Ernährungsbewusstsein ihrer Kinder zu schärfen:

  1. Fleisch ist ein ineffizienter Energieträger
    Ein Erwachsener braucht rund 2.500 kcal am Tag. Da die Weltbevölkerung aktuell rund 7,7 Milliarden Menschen beträgt, müssen eine Menge Kalorien erzeugt werden, um idealerweise alle Menschen vollständig zu versorgen. Doch neben der schieren Menge gibt es ein weiteres Problem: Manche Kalorien kosten den Planeten mehr als andere. Für jede Kalorie, die Hühnerfleisch dem Verbraucher liefert, musste das Huhn vorab zwei pflanzliche Kalorien aufnehmen.
    Bei Eiern, Milch und Schweinefleisch liegt das Kosten-Nutzen-Verhältnis noch höher: Eine tierische Kalorie entspricht hier drei pflanzlichen, die das Futter des Tieres vorab liefern muss. Am negativsten kommt Rindfleisch in dieser Rechnung weg: Ein Rind muss etwa siebenmal so viele Futterkalorien aufnehmen, wie sein Fleisch am Ende liefert.
  2. Fleisch kostet Anbaufläche für Nahrungspflanzen
    Da Fleisch demnach ein Energielieferant mit Negativbilanz ist, treibt die in der westlichen Welt verbreitete Mischkost die Ressourcen schnell an ihre Grenzen. Für Mastvieh muss gleichzeitig Fläche zum Futteranbau verwendet werden, die genauso dem Anbau von Gemüse und Getreide für den menschlichen Speiseplan dienen könnte. Rechenbeispiele zeigen schon jetzt: Es ist unmöglich, die wachsende Weltbevölkerung mit einer an Tierprodukten reichen Mischkost zu ernähren, ohne die Umwelt überzubelasten.
  3. Die Mastvieh-Industrie produziert klimaschädliche Emissionen
    Im Jahre 2019 veröffentlichte der Weltklimarat IPCC einen Spezialbericht, der die Dynamik zwischen Klimawandel und Landwirtschaft beleuchtet. Eine internationale Forschergruppe aus 100 Experten kam zu dem Urteil, dass ein Viertel der klimaschädlichen Gase, die weltweit emittiert werden, direkt auf Waldrodung und Landwirtschaft zurückgehen. Die Wissenschaftler geben explizit die Empfehlung, neben dem Streben nach regenerativen Energien auch einen Strukturwandel in der Landwirtschaft anzustoßen, um der Erderwärmung entgegenzuwirken.

Wie wechseln Familien zum nachhaltigen Ernährungsstil?

Wer sich bislang mit üblicher Mischkost ernährt hat, sollte nicht über Nacht den Entschluss fassen, Veganer zu werden. Ganz abgesehen davon, dass Kinder im Wachstum einen hohen Bedarf an Proteinen und Vitamin B12 haben, würden sie den völligen Fleisch- und Milchverzicht wohl nicht ohne Protest mittragen. Besser vermitteln Eltern, dass Fleisch eher zu besonderen Anlässen gehört und dass beim Einkauf Wert Umweltschutz und Tierwohl im Fokus liegen.

Außerdem lässt sich der pflanzliche Anteil im Speiseplan erhöhen, indem Kinder die Vielfalt vegetarischer und veganer Gerichte kennenlernen. Abwechslung bringen hier etliche Rezepte auf der Basis von Hülsenfrüchten, Getreide, Nüssen und bunten Gemüsesorten, die schon kleinen Köchen bei der Zubereitung Spaß machen.

Einkaufen: Mit gutem Beispiel vorangehen

Rund 350 Millionen Tonnen Plastik produziert die globale Industrie jährlich - acht Millionen Tonnen davon landen als Müll in den Weltmeeren. Plastik lässt sich nicht vollständig zersetzen, sondern landet am Ende als 0,01 Millimeter kleine Mikroplastik-Partikel in unserem Trinkwasser und unseren Lebensmitteln. Um Kinder für Umweltschutz und Plastikvermeidung zu sensibilisieren, können Eltern beim Einkauf mit gutem Beispiel vorangehen:

Nachhaltigkeit beim Einkauf

  • Permanent-Tragetaschen und Gemüsenetze: Plastiktüten haben viele Supermärkten bereits ausgemustert, aber loses Obst und Gemüse landet häufig noch immer in Kunststoff-Tütchen. Hier bieten sich Netze oder Stoffbeutel an, die man mitbringt und wiederverwendet.
  • Unverpackt einkaufen: An der Wursttheke enden meist die guten Vorsätze, da viele Supermärkte aufgrund von Hygienevorschriften ihre frischen Waren nicht in mitgebrachte Tupperdosen einfüllen. Einige Einzelhändler testen deshalb Mehrwegsysteme, bei denen sie die Dosen im Haus sterilisieren und wieder ausgeben. Echte Spezialisten im Verkauf loser Ware sind die vielerorts ansässigen „Unverpackt“-Supermärkte, die neben Grundnahrungsmitteln wie Kaffee, Nüssen und Cerealien auch Waschmittel und Hygieneartikel im Angebot haben.
  • Kleidung aus Naturmaterialen: Synthetikfasern reiben beim Waschen aneinander und geben Mikro-Kunststoffpartikel an das Wasser ab. Beim Einkauf sollte deshalb Wolle, Baumwolle oder Seide den Vorzug erhalten.
  • Keine Getränke in Plastikflaschen: In Plastikflaschen wurden vielfach hormonähnliche Substanzen nachgewiesen, die unter Umständen auf den Inhalt übergehen. Gesünder und nachhaltiger ist es deshalb, Mehrweg-Glasflaschen zu kaufen und Tee in der eigenen Küche zu kochen.
  • Nachhaltige Hygieneartikel: Das Kunststoff-Wattestäbchen ist ab 2021 EU-weit verboten, doch schon aktuell gibt es Alternativen aus Papier. Auch Zahnseide muss nicht aus Kunststoff bestehen – nachhaltige Varianten basieren auf echter Seide mit Bienenwachsbeschichtung. Müll lässt sich auch vermeiden, wenn man statt Duschgel und Shampoo in Plastikflaschen Seifenstücke und festes Shampoo für die Körperpflege wählt.
  • Verpackungs-Alternativen in der Küche: Idealerweise nehmen Kinder ihr Pausenbrot in einer wiederverwendbaren Dose mit in den Kindergarten oder die Schule. Für alle belegten Brote und Lebensmittelreste, die üblicherweise in Alu- oder Frischhaltefolie verpackt werden, existiert eine umweltfreundliche und wiederverwendbare Alternative: Baumwolltücher mit Bienenwachsbeschichtung.
  • Klug einkaufen und selbst kochen: Viel Verpackungsmüll sparen Familien, wenn sie aus frischen Zutaten selbst kochen. Wer Suppen, Saucen und Gerichte nicht als Fertigprodukt kauft, sondern in der eigenen Küche herstellt, erleichtert seine Mülltonne um etliche Tetra-Packs, Konservendosen und Plastikverpackungen. Selbst Grundnahrungsmittel wie Joghurt und Quark lassen sich mit etwas Fachwissen und Übung selbst aus Bio-Milch zubereiten.

An die Problematik mit Verpackungsmüll schließt sich automatisch auch die „Vermüllung“ von Stadt und Natur an. Das als Littering bezeichnete Phänomen beschreibt das achtlose Wegwerfen von Müll wie Zigarettenkippen, leeren Kaffeebechern oder und Fastfood-Verpackungen auf Straßen, Gehwegen, öffentliche Plätze und im Grünen.

Laut einer Studie der Humboldt-Universität sind daran nach wie vor alle Altersgruppen sowie Frauen und Männer beteiligt. Auch hier sind Eltern gefragt, durch achtsames Verhalten den Kindern mehr Verantwortungsgefühl vorzuleben und zu erklären, warum Müll in die dafür vorgesehenen Behältnisse gehört. Verantwortungsgefühl und Zivilcourage sind in diesem Zusammenhang ebenfalls wichtige Aspekte.

Energieverbrauch: Auch grüne Energie nicht verschwenden

Dank der Liberalisierung des Energie-Marktes kann heutzutage jeder selbst entscheiden, ob er erneuerbaren Energien den Vorzug geben und sie aktiv unterstützen will. Laut dem Statistischen Bundesamt veränderte sich die Zusammensetzung der genutzten Energiequellen in Deutschland zwischen 2018 und 2019 hin zu mehr Nachhaltigkeit: Die konventionellen Erzeugungsarten Kohle, Gas und Kernenergie sanken in ihrem Anteil am Gesamtmarkt von 63,5 auf 57,6 Prozent, die erneuerbaren Energiequellen machen aktuell 42,4 Prozent aus.

Für Kinder ist es nicht nur wichtig, die Prinzipien hinter einer ressourcenschonenden Energieerzeugung zu verstehen, sondern auch, sich an praktischen Energiespartipps zu orientieren:

Energiesparen im Alltag

  • Sparsame Geräte bevorzugen: Bei Elektronikartikeln und Haushaltsgeräten gibt das EU-Energielabel eine gute Orientierung zum Stromverbrauch. Ansonsten gilt: In der Regel sind Geräte, die einen Netzstecker besitzen, sparsamer als Varianten mit Batterien oder Akku. Für strombetriebenes Kinderspielzeug sollten Eltern Kompromisse eingehen. Lieber ausgewählte Stücke seltener kaufen und dafür vermehrt auf Sportgeräte, Musikinstrumente und Spielzeuge setzen, die „unplugged“ die kindliche Kreativität und Beweglichkeit fördern.
  • Smart heizen: Die Grundregeln lauten hier: Temperatur bei Abwesenheit reduzieren und kurzes Stoßlüften bei abgedrehter Heizung. Eine smarte Heizung übernimmt viele Aufgaben selbst und erkennt, wann Fenster geöffnet sind und die Bewohner das Haus verlassen.
  • Stand-by vermeiden: Trennt man Stereoanlage, Fernseher und Mikrowelle nicht vom Netzstrom, verbrauchen sie im Stand-By-Modus jeweils zwischen ein und zwölf Watt. Auch Receiver, Router und Ladegeräte für das Smartphone verbrauchen Energie, wenn man sie gerade nicht benutzt. Dieser Wert summiert sich in einem 3-Personen-Haushalt auf rund 100 Euro zusätzliche Stromkosten im Jahr. Alte Geräte sind dabei besonders ineffizient. Ab 2014 regelt eine EU-Verordnung, dass der Stand-By-Modus bei neuen Produkten nicht mehr als zwei Watt verbrauchen darf. Wer sichergehen will, schließt Geräte und Ladegeräte, die keinen Netzschalter besitzen, an eine abschaltbare Steckdosenleiste an.
  • Energiesparend kochen: Ein Gasherd braucht etwa 40 Prozent weniger Energie als ein traditioneller Elektroherd. Wie man auch während der Zubereitung Energie sparen kann, lässt sich Kindern gut vermitteln, wenn sie beim Kochen helfen. Dabei gilt: Immer die kleinstmögliche Topfgröße für das Gericht und die exakt passende Herdplatte zur Topfgröße wählen. Garen mit Deckel verbraucht weniger Energie und ein Abschalten der Hitzequelle kurz vor Ende der Garzeit nutzt die Nachwärme eines Elektroherds optimal aus. Idealerweise erhitzt man das Wasser für Pasta lieber im energieeffizienten Wasserkocher und heizt den Backofen nicht vor.
  • Wasser sparen: Nur 2,5 Prozent der weltweiten Wasservorräte sind für den Menschen nutzbar – dennoch verbraucht jeder Deutsche täglich umgerechnet 26 Badewannen des kostbaren Guts. Beim aktiven Wassersparen helfen Sparduschköpfe und Durchflussbegrenzer am Wasserhahn. Die Waschmaschine birgt dagegen Potenzial, den Wasser- und den Stromverbrauch zu senken. Eine optimale Auslastung und entsprechende Eco-Programme reduziert den Wasserverbrauch, während der Nutzer mit der Temperaturwahl den Stromverbrauch bestimmt. Aus hygienischen Gründen ist die Kochwäsche häufig unnötig, denn bereits bei 60 Grad werden die meisten Bakterien in der Wäsche abgetötet.
  • Die richtige Beleuchtung: Die altmodische Glühbirne mit Glühfaden hat heute kaum noch jemand im Haus. Aktuell besteht die Wahl zwischen Energiesparlampen und LED-Lampen, die beide Klassen zwischen A und A++ auf dem EU-Label erreichen. Der Vorteil von LED-Leuchten: Sie sind frei von Quecksilber und überdauern mit 20.000 Leuchtstunden etwa doppelt so viele Anwendungszyklen wie Energiesparlampen.

Mobilität: Verkehrsmittel und Reisen überdenken

Ein Fünftel des hierzulande produzierten Kohlendioxids stammt aus dem Verkehrssektor. Das macht ihn zum drittgrößten Klimatreiber. Experten beunruhigt hier vor allem, dass die CO2-Emissionen des Mobilitätssektors seit 1990 nicht gesunken sind. Umso wichtiger, den Kindern einen nachhaltigen Umgang mit dem Thema Mobilität zu vermitteln, auch wenn sie selbst noch keinen Führerschein haben.

Umweltschonender Stadtverkehr

Kinder im Schulalter pflegen viele Freundschaften, Hobbys und Freizeitaktivitäten. Für umweltbewusste Eltern ist es deshalb wichtig, im Stadtgebiet flexibel mobil zu sein. Wer unbedingt das eigene Auto nutzen will, kann Fahrgemeinschaften organisieren, die Teile des Freundeskreises oder der Fußballmannschaft einschließen und in denen sich elterliche Fahrer abwechseln. Car-Sharing bietet eine besonders umweltschonende Alternative, weil viele Anbieter bereits auf Elektrofahrzeuge setzen.

Flugverbot für den Klimaschutz?

Kein anderes Verkehrsmittel braucht so viel Energie wie ein Flugzeug. Daher ist der CO2-Abdruck, den Fluggäste hinterlassen im Vergleich zum Straßenverkehr enorm. Weil jedoch vergleichsweise wenig Menschen und Güter per Flug befördert werden, macht der Gesamtanteil des Flugverkehrs an den klimaschädlichen Emissionen nur rund fünf Prozent aus. Statt sich das Fliegen komplett zu untersagen, können Familien mit Kindern hier einen Kompromiss finden.

Als Gegenzug zu seltenen Fernreisen sollten Eltern öfter auf Kurzurlaube im Inland und vor allem die regionalen Freizeit- und Urlaubsangebote setzen. Wer möchte, kann die CO2-Belastung einer konkreten Flugreise mit dem Rechner des Umweltbundesamtes ermitteln und sie finanziell oder durch weitere Einsparungen an anderer Stelle kompensieren.

Auch auf die Kinder hören

Das Thema Nachhaltigkeit betrifft in erster Linie die zukünftigen Generationen. So betonten Wissenschaftler im Rahmen des Projekts „The Lancet Countdown“, dass ein heute geborenes Kind im Alter von 71 Jahren mit einer vier Grad wärmeren Welt zurechtkommen muss, wenn die Klimaerwärmung nicht gestoppt wird. Insbesondere für Kinder in Entwicklungsländern hätte dies durch Ernterückgang und Unterernährung schwere Folgen.

Der „Generation Greta“ gibt die Studie jetzt schwarz auf weiß die Gewissheit, dass das Handeln der heutigen Entscheider direkte Konsequenzen für ihre Gesundheit und Lebensqualität hat. Wie stark sich deutsche Jugendliche mit dem Klimaschutz identifizieren, zeigen auch die seit Monaten dauernden Proteste der Initiative „Fridays For Future“.

Kinder protestieren für Klimaschutz

Wenn Kinder sich für den Klimaschutz engagieren, sollten sie auch den Sinn dahinter verstehen. @ bravajulia – 294374835 / Adobe Stock

Eltern sollten Impulse prüfen

Psychiater Jan Kalbitzer empfiehlt Eltern allerdings, ihren Nachwuchs nicht mit den eigenen Zukunftsängsten anzutreiben. Neben der Tatsache, dass Verantwortungsbewusstsein von elterlicher Seite im Idealfall authentisch vorgelebt wird, sollten Erziehungsberechtigte prüfen, welche Ideen ein Kind selbst entwickelt.

Aus der Schule oder aus dem Freundeskreis können Inspirationen kommen, die den nachhaltigen Lebensstil der ganzen Familie bereichern. Spüren Eltern, dass der Nachwuchs bei der Freitags-Demonstration nur mitmacht, um „dabei zu sein“, sollten sie ihr Kind ermutigen, sich stärker mit dem Thema zu beschäftigen. Dennoch: Auch Unsicherheit und Unschlüssigkeit beim Kind sollten die Erziehungsberechtigten respektieren – das Bilden einer eigenen Meinung braucht schließlich neben genügend Informationen auch Zeit und Lebenserfahrung.

Fazit: Eltern als nachhaltige Vorbilder

Das Thema Klimakrise rüttelt auf und schürt Zukunftsängste. Trotz der realen Bedrohung sollten Eltern nicht versuchen, ihren Kindern dogmatisch die „richtigen“ Verhaltensregeln beizubringen, sondern darauf setzen, als authentisches Vorbild zu leben und so auch die Kleinen zu mehr Nachhaltigkeit zu bewegen.