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Risiko Typ-1-Diabetes bei Neugeborenen

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Risiko Typ-1-Diabetes bei NeugeborenenBULT. Es ist ein erster Meilenstein für eine der größten Kooperationen der Typ-1-Diabetes-Forschung in Europa: Die internationale Plattform GPPAD („Die Globale Plattform zur Prävention des Autoimmunen Diabetes“) hat länderübergreifend 100.000 Neugeborene auf ein erhöhtes genetisches Risiko für Typ-1-Diabetes getestet. Teilnehmer 100.000 ist der zwei Wochen alte Arthur aus Dresden. Das sogenannte Screening wird mithilfe weniger Tropfen Blut durchgeführt, die aus der Nabelschnur direkt bei der Geburt oder später aus der Hand oder der Ferse des Kindes gewonnen werden. Die Teilnahme ist kostenlos und für Neugeborene bis zu vier Monaten möglich. Wird bei einem Säugling ein erhöhtes Risiko festgestellt, werden die Eltern eingeladen, mit ihrem Kind an der Präventionsstudie „POInT“ mit oralem Insulin teilzunehmen. Das Ziel: Die Autoimmunerkrankung Typ-1-Diabetes zu verzögern oder gar zu verhindern.

Studienzentren in fünf europäischen Ländern (Deutschland, Belgien, Polen, Schweden und Großbritannien) begannen im November 2017 mit der innovativen Studie, darunter das Forschungsteam um Prof. Dr. Olga Kordonouri, Chefärztin der Diabetologie, Endokrinologie und Allgemeine Pädiatrie und stellvertretende Ärztliche Direktorin am Kinder- und Jugendkrankenhaus AUF DER BULT. Das Forschungsteam betreut das größte Einzugsgebiet in Europa, 25 Geburtskliniken, 69 niedergelassene Kinderärzte, drei Medizinische Versorgungszentren (MVZ) von Rendsburg/Eutin bis Mönchengladbach screenen für Freder1k in Nord- und Westdeutschland. „Wir sind sehr glücklich, dass wir bereits 100.000 Kinder in Europa und davon 10.000 in Norddeutschland über die Freder1k-Studie screenen konnten, und sind vor allem den beteiligten Kliniken und Ärzten sehr dankbar“, sagt Prof. Dr. Kordonouri. „Diese Zahlen zeigen uns, dass die Familien ein starkes Interesse daran haben, den Risikostatus ihrer Kinder zu erfahren. Zudem sind wir somit auf einem sehr guten Weg in Richtung unserer Zielsetzung von europaweit 330.000 gescreenten Neugeborenen bis 2022. Und natürlich hoffen wir, dass unser Behandlungsansatz im Rahmen der Präventionsstudie ‚POInT‘ funktioniert. Dies wäre ein großer Schritt hin zu unserer Vision einer Welt ohne Typ-1-Diabetes. Doch bereits heute profitieren die Familien von der Früherkennung – durch Beratung und die exzellente medizinische Betreuung an all unseren Studienstandorten. Selbst wenn einige der Kinder Typ-1-Diabetes entwickeln sollten, werden die Familien durch die engmaschige Betreuung und rechtzeitige Schulung mögliche schwerwiegende Komplikationen vermeiden und so auch den allgemeinen Krankheitsverlauf verbessern.“ Familie Meiringer, deren Zwillinge Ben und Daniel an der ‚POInT‘-Studie teilnehmen, fügt hinzu: „Als wir von der Möglichkeit erfuhren, unsere Kinder auf ein erhöhtes genetisches Risiko für Typ-1-Diabetes testen zu lassen, waren wir schnell überzeugt. Es gibt uns ein gutes Gefühl zu wissen, dass wir alles tun, damit die Zwillinge möglichst nicht mit dieser Krankheit leben müssen – und natürlich unterstützen wir gerne die Forschung. Selbst wenn wir persönlich nicht davon profitieren sollten, so helfen wir auf jeden Fall anderen Familien für die Zukunft, wenn sie in derselben Lage sind wie wir jetzt.“

Allein über das Studienzentrum am Kinder- und Jugendkrankenhaus AUF DER BULT werden aktuell 40 Kinder aus ganz Norddeutschland in der POInT-Studie betreut. „Die Familien nehmen sehr lange Fahrtzeiten in Kauf, nur um bei uns an der POInT-Studie teilnehmen zu können. Unsere Studienfamilien kommen aus Berlin oder Bonn, fahren von Kiel oder von der niederländischen Grenze bis zu uns nach Hannover“, sagt Frau Prof. Dr. Kordonouri. „Aber zum jetzigen Zeitpunkt es die POInT-Studie das einzige was man tun kann, um einen Typ-1-Diabetes vielleicht zu verhindern. Die Motivation der Eltern ist natürlich immer zuallererst das Wohl des eigenen Kindes, dennoch ist auch das Mitwirken an neuen Therapien für zukünftige Generationen eine nicht zu vernachlässigende Motivation.“

„Wir sind den Forschern, Studienbetreuern und allen anderen Beteiligten sehr dankbar, die sich der Erforschung von Typ-1-Diabetes widmen und für ein Leben ohne diese Erkrankung arbeiten", sagt Dr. Gina Agiostratidou, Programmdirektorin für Typ-1-Diabetes des Leona M. und Harry B. Helmsley Charitable Trust, der GPPAD maßgeblich fördert. „Im Jahr 2014 hat das GPPAD-Team zusammen mit Helmsley begonnen, eine neue Plattform für Studien zur Prävention von Typ-1-Diabetes aufzubauen. Wir freuen uns auf die Fortsetzung unserer Zusammenarbeit, um unsere gemeinsame Vision einer Welt ohne Typ-1-Diabetes in die Realität umzusetzen."

auf-der-bult.de

Foto: ©Mack/BULT