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Sanfte Hilfe nach schwieriger Geburt

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Sanfte Hilfe nach schwieriger GeburtPOTSDAM. Für manche Babys war die Geburt solch ein traumatisches Erlebnis, dass es sich auf Körper und Geist negativ auswirkt: Sie schlafen schlecht, schreien viel, verkrampfen oder sind in ihren Bewegungen eingeschränkt. Seit Juli 2018 bietet Stephanie Schönberg, Trauma- und Körpertherapeutin (Somatic Experiencing und Babytherapie nach K. Terry/W. Emerson), funktionelle und craniosacrale Osteopathin (i. A.) und Heilpraktikerin für Natur- und Pflanzenheilkunde, eine Traumatherapie für Säuglinge und Kinder in ihrer neuen Praxis in Groß Glienicke, Am Gutstor 6 an.

Fallbeispiel einer osteopathischen Behandlung
Stephanie Schönberg schildert hier einen Fall, in dem sie Mutter und Kind geholfen hat, das Geburtstrauma zu überwinden:
Als ich Julia* kennenlerne, ist sie gerade sechs Wochen alt. Mir fällt auf, dass Julia sehr schreckhaft ist. Außerdem kann sie ihren Kopf nur zu einer Seite drehen und hält ihre Hände zu Fäusten geballt. Ihre Mutter Miriam* berichtet, Julia schlafe immer nur sehr kurze Zeit, werde dann wach und weine viel, besonders abends oder beim Ablegen. Als ich nach der Geburt frage, sagt Miriam betrübt, diese sei eingeleitet worden und dann leider sehr schnell verlaufen – für Julia und ihre Mutter beängstigend schnell.

Beim Gespräch mit der Mutter über Schwangerschaft und Geburt kann ich sehen, wie Julia darauf reagiert. Anhand ihrer Körpersprache erhalte ich einen Eindruck davon, was für sie überwältigend gewesen sein könnte und in ihr Gefühle von Angst, Wut oder Hilflosigkeit ausgelöst hat. Das Nervensystem von Säuglingen ist kurz nach der Geburt wie roh und untrainiert, dafür bringt es aber die Fähigkeit zur Selbstregulation mit. Diese trainieren sie im Kontakt mit Erwachsenen, die sie im besten Fall mit allem, was sie fühlen und ausdrücken, zuerst einmal annehmen und sie spiegeln. Dadurch lernt das Kind, mit schwierigen Erlebnissen und Gefühlen umzugehen und sich sicher und entspannt zu fühlen.

Aus den Eindrücken des Gespräches, der Reaktion des Kindes und meiner osteopathischen Diagnose ergibt sich die individuelle Behandlung. In Julias Fall nehme ich ihre geballten Fäuste als unvollendete Verteidigungsreaktion und ein Starrwerden wahr. Diese Bewegung lasse ich sie mit meiner Hilfe vollenden. Indem sie mit Zeit und meiner sprachlichen Unterstützung ihre Geburtserlebnisse vollenden kann, hat sie die Chance, sich sicher und angenommen zu fühlen. Julias Kopf hat während der schnellen Geburt vermutlich viel Druck und schnelle Drehbewegungen erlebt. Kommt es nun beispielsweise zu einer Lageveränderung, gerät sie in Panik, weil sie das an die Geburt erinnert. Mit sanften Berührungen lasse ich sie ihren Körper und Kopf nach und nach entspannen. „In den nächsten Wochen ist es allerdings wichtig“, erkläre ich der Mutter, „dass alles etwas langsamer geht.“ Damit Julia in Ruhe ankommen kann. Als ich die Familie nach ein paar Wochen wiedersehe, sagt die Mutter sichtlich erleichtert: „Sie schläft viel besser und lässt sich jetzt auch mal ablegen. Aber das Schönste ist ihr Blick, mit dem sie uns mittlerweile überallhin folgen kann.“

* Namen geändert

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