MENU

Treffpunkt für geflüchtete Mütter

In diesem Artikel:

Treffpunkt für geflüchtete MütterWUNSTORF. Wunstorf hat seit 2015 schwerpunktmäßig geflüchtete Familien aufgenommen. Das bedeutet, dass in Wunstorf vermehrt Kita- und Schulkinder leben und ebenso schwangere geflüchtete Frauen und Frauen mit Säuglingen.

Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Kindererziehung sind in den Herkunftskulturen häufig völlig anders konnotiert als in der westlichen Welt. Die Frauen treffen hier auf ein System, das sich ihnen nicht selbstverständlich erschließt und dessen Regeln und Normen sie nicht kennen. Sozialpädagogische Fachkräfte aus unterschiedlichen Bereichen haben sich deshalb zusammengefunden um für dieses Thema ein Projekt zu entwickeln, das die Frauen unterstützen und begleiten und gleichzeitig Orientierung geben soll.

So wurde das Projekt „Kinderwagen“ als Pilotprojekt entwickelt, als ein Projekt, in dem die Organisatorinnen engmaschig reflektieren, ob die entworfenen und durchgeführten Angebote auch mit den Interessen und Bedürfnissen der geflüchteten Frauen übereinstimmen. Es ist den Beteiligten immer klar, dass die ursprüngliche Lebenswelt das ist, was die Frauen geprägt hat und was sie für „normal“ halten. Diese Normalität deckt sich oft nicht mit der Normalität der hiesigen Lebenswelt. Deshalb fahren die Organisatorinnen des Projekts sozusagen „auf Sicht“. Es werden in vierzehntägigem Rhythmus jeweils zweistündige, thematisch ausgerichtete Angebote mit Kinderbetreuung gemacht. Bringen Frauen jedoch aktuell andere wichtige Fragen oder Themen mit in die Runde, wird diesem Bedürfnis entsprechend Platz eingeräumt.

Was das Team nach den ersten Treffen bereits wahrgenommen hat:
  • Regelmäßig an einer Gruppe teilzunehmen ist vielen Frauen fremd.
  • Fragen und Probleme werden innerhalb des eigenen sozialen Netzes besprochen: Hilfe und Unterstützung von außen zu holen und zu bekommen ist vielen fremd.
  • Die Frauen haben ein großes Interesse an informellem Austausch: „Kaffeeklatsch“
  • Alles, was in Richtung Bewegung und Aktivität geht, greifen sie gerne auf.
Für die Organisatorinnen bedeutet das, den eigenen sozialpädagogischen Ansatz immer wieder zu hinterfragen und ausgehend von den Bedürfnissen und Interessen der teilnehmenden Frauen neu zu justieren. Klar geworden ist durch die bisher durchgeführten Veranstaltungen, dass man der Lebenserfahrung, der Lebenswelt und der Sozialisation, die die Frauen mitbringen mit großem Respekt begegnen muss und sie als gegeben wahrnehmen muss.

Die geflüchteten Frauen haben viele tausend Kilometer gefährlichen Wegs hinter sich gebracht um nach Deutschland zu kommen. Der Weg, der jetzt vor Ihnen liegt, nämlich ihr bisher gelebtes Leben mit der Lebenswelt in Deutschland zu verbinden, wird unter Umständen ein viel längerer sein. Das Projekt „Kinderwagen“ versteht sich hier als Brücke mit sicherem Geländer, um die Frauen zu ermutigen sich auf der anderen Seite der Brücke umzuschauen und vielleicht auch heimisch zu werden.

wunstorf.de

Foto: ©henryoldene - fotolia