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Willst du einen Schneemann bauen? - Baby-Tagebücher von Anna aus Hitzacker

Hautnah. Intensiv. Liebenswert. Folgt hier den Babytagebuch-Bloger:innen und erlebt regelmäßig, wenn frischgebackene Mütter und Väter ihr Leben mit euch teilen. Jede Woche lassen sie euch an ihrer neuen Lebenszeit mit Baby teilhaben und geben ganz persönliche Einblicke: Was hat der Sprössling diese Woche Tolles gelernt? Wie geht es den jungen Eltern mit dem kleinen Knirps? Welche Herausforderungen begegnen den Neu-Mamas und Neu-Papas mit ihrem Neugeborenen? In den Baby-Tagebüchern seid ihr live dabei, von ersten Arztbesuchen bis zu holprigen Gehversuchen. Ob liebenswert chaotisch oder rührend besinnlich: Immer erhaltet ihr einen unverfälschten, authentischen und persönlichen Einblick in das aufregende Leben einer Jungfamilie.

21. Woche

Willst du einen Schneemann bauen?

Trauerfeier, Geschwisterbande, Jahreswechsel, ganz viel Schnee und viel zu kurze Nächte.

Hallo ihr Lieben,

Ein Frohes Neues Jahr!!!
Silvester war bei uns leider einfach nur furchtbar. Bis auf den Weg zum Bäcker am Morgen. Da war ich noch voller Euphorie für den Tag. Irgendwann saß ich dann heulend im Badezimmer und begann diesen Brief:

"Liebe kinderlose Freundin,

heute beneide ich dich um dein kinderloses Leben. Ich beneide dich darum, dass die Euphorie über den Jahreswechsel vom Morgen bis zum Abend anhält. Wie gerne würde ich wie du in das rote angepasste Kleid schlüpfen und mich hübsch machen. Die rote Unterwäsche anziehen, weil sie Glück bringen soll. Leider passt sie nicht mehr und das Kleid passt ebenfalls nicht mehr über die Babypfunde. Stattdessen wasche ich mir schnell die Haare, als das Baby mich nach zwei Stunden Schlafbegleitung endlich mal für zehn Minuten von seiner Seite lässt. Dann war es auch wirklich wieder wach.

Wie gerne würde ich mit meinem Mann und meinen Freundinnen feiern und lustig das alte Jahr verabschieden und das Neue willkommen heißen. Stattdessen ziehe ich mich unter Gebrüll der Kinder an. Wir wollen doch nur das Kinderfeuerwerk machen. Ein kleines. Um 19 Uhr. Mein Mann hat extra viele Knallerbsen gekauft, weil sie die letztes Jahr soo toll fanden. Der Midi hat Fieber. Er hat bis gerade auf dem Sofa geschlafen. Nun ist er wach und wir wollen das kurz nutzen. Er möchte auch.
Der Mini hat einen Wutanfall, dessen Grund ich nicht verstehe und den ich auch nicht finden kann. Aber er will seine Schuhe partout nicht anziehen. Ich bleibe noch mit der Babykapuze der Tragejacke an der Türklinke hängen und reiße mir die Jacke auf.
Dann sind wir ENDLICH draußen. Mein Mann zündet das erste Teil an .... die kleinen Jungs halten sich beim Knistern, Knallen und Zischen die Ohren zu. Sie haben Angst und wollen nur noch rein. Also geht das ganze Anziehprozedere direkt wieder rückwärts.
Ich würde so gerne den Nachmittag mit schönen Plaudereien verbringen. Stattdessen wechsel ich eine Kackwindel nach der anderen.

Wie gern würde ich mit meinem Mann tanzen und mit ihm erzählen was wir im neuen Jahr alles machen wollen. Stattdessen liege ich mit dem dauerstillenden Baby bis 23.50 Uhr auf dem Sofa. Sie lässt sich heute nicht ablegen. Mein Mann wacht währenddessen bei dem über 40°C habenden Kind im Bett.

Wie gerne würde ich anstoßend das Feuerwerk bewundern. Stattdessen sehen wir ein bisschen Feuerwerk durchs Fenster und gehen dann selbst ins Bett.

Meine liebe kinderlose Freundin, wie gerne würde ich heute mit dir tauschen."

Silvester war dieses mal also leider alles andere als toll. Ins neue Jahr gekommen sind wir trotzdem. Nächstes Jahr versuchen wir es einfach nochmal ...!


Wir haben eine sehr intensive Zeit hinter uns. Letzte Woche fand die Trauerfeier für meinen Schwiegervater statt. Es war wunderschön, wenn natürlich auch sehr traurig. Die Kinder wurden mit Keksen und Apfelschnitzen versorgt, sodass sie halbwegs ruhig sitzen konnten. Der Opa wurde erst in einem kleinen Klavier verortet. War auch aus Holz. Der Sarg fiel ihnen nicht auf. Die Babylady wurde gleich vor Beginn der Trauerfeier ungnädig und verlangte in den Schlaf begleitet zu werden. Das klappte mit Trage, auf und ab laufen, dabei den Rücken streicheln und eine Hand halten ganz gut. Sie verschlief die ganze Feier, sowie auch das anschließende Kaffeetrinken an mich gekuschelt mit meinem Duft in der Nase.
Bei Kuchen und Brötchen erinnerten wir uns an einen tollen Menschen.

Die Kinder konnten hier nicht mehr an sich halten. Energie musste raus und die Freude die Cousins zu sehen. Wir hatten das Cafe für uns alleine und es gab die Möglichkeit in einer Runde durch die Räume zu laufen. Sowas lieben Kinder ja. Nach einem Apfelsaft und etwas Kuchen flitzte die Rasselbande lachend durch die Räume. So manch Erwachsener musste schmunzeln. Wir ließen sie machen. Kinder gehen noch ganz anders mit solch schweren Themen um. Am Tisch sagten sie noch mit vollen Backen: "Opa ist gestorben.", "Der ist jetzt im Himmel. Weißt du doch." Im nächsten Moment rennen sie lachend hintereinander her. Das schließt sich nicht aus. Trauer und Freude können (und dürfen) nebeneinander existieren.
Ich weiß noch als meine Omi beerdigt wurde. Ich war vier. Die Sonne schien, ich hatte ein wunderschönes Kleid mit gelben Rosen darauf an, es gab Kartoffelsalat mit Würstchen und ich habe alle meine großen Halbbrüder wiedergesehen. Ich fand es super und habe nicht verstanden warum alle so traurig waren.

Meine Schwiegermutter hat unser Sofa verlassen und versucht nun in ihren neuen Alltag zu finden. Zum Abendessen kommt sie aber nach wie vor zu uns. Auf unbestimmte Zeit. Für ein bißchen Gesellschaft und damit sie noch nicht wieder kochen muss.

Wir finden ebenfalls wieder in den Alltag. Die Ferien sind vorbei, die Arbeit geht wieder los. Alles durcheinandergebracht hat eine wundervolle weiße Pracht, die vom Himmel fiel. Ich LIEBE Schnee!!! Daher waren wir die letzten zwei Wochen bei jeder möglichen Gelegenheit draußen. Wir leben quasi auf Höhe des Meeresspiegels und daher kommt hier nur selten Schnee an. Und noch seltener bleibt er länger als einen Tag. Und nochmal seltener kann man davon einen Schneemann bauen oder sogar Schlitten fahren.
Es hat so wundervoll geglitzert. Die Nächte waren heller. Es liegt so etwas geheimnisvolles in der Luft. Und es kribbelt immer noch in meinem Bauch, wenn ich draußen eine weiße Winterlandschaft sehe. Dementsprechend war es der Hammer, als es immer weiter schneite und der Schnee mir bis über die Fussknöchel ging. Wir haben dann erstmal alles an einem Tag "erledigt": Schneemann gebaut - wobei nee. Ich hab ihn gebaut und die Kinder haben gefragt, ob sie ihn kaputt machen dürfen....! Äh, NEIN! Ich habe den Jungs gezeigt wie man Schneeengel macht und ein Schneepicknick mit Plätzchen und Äpfeln haben wir auch noch im Garten gemacht. Die Babylady war so lieb uns diese Zeit zu geben. Sie schlief einfach im Wagen ein als wir rausgingen. Dann wollten wir eigentlich einen weiteren Spielenachmittag machen, entschieden uns aber kurzfristig dazu rodeln zu gehen bis es dunkel wurde. Mein Bruder war von der Idee ebenfalls begeistert. Man war das toll! Endlich mal ohne Babybauch konnte auch ich Schlitten fahren. Mit Babykugel hab ich mich das nicht getraut. Auch das kribbelt immer noch im Bauch und macht einen riesen Spaß! Das werde ich auch ohne kleine Kinder machen. Mein Mann und ich wechselten uns mit dem Halten der Babylady ab und so konnten alle in den unterschiedlichsten Konstellationen den Berg hinuntersausen. Vorletztes Weihnachten brachte der Weihnachtsmann den kleinen Jungs je einen Schlitten, auf dem zwei bis drei Personen zusammen platz haben. Also ein Erwachsener und ein bis zwei Kinder. Oder zwei Erwachsene. Passt auch :D
Wir waren dann noch an jedem freien Nachmittag rodeln. Das war toll. Wir haben den Schnee als Familie voll genutzt und da freu ich mich drüber.

Tatsächlich scheint das und wohl auch anderes die Geschwisterbande in unserem Haus gestärkt zu haben. Es passiert entwicklungstechnisch wieder sooooo viel. Es ist unglaublich!
Den Ninja hatte ich mit zum Rodeln befohlen, obwohl er gar nicht wollte. Was hatte der für einen Spaß! Bei ihm greift wohl das Prinzip: Ich möchte gewollt werden. Wenn man ihm also die Wahl lässt, entscheidet er sich dagegen. Bestimme ich das er mit muss, fügt er sich erst muffelnd, blüht dann aber auf. Natürlich nur bei Sachen, die ihm irgendwie auch liegen. Plötzlich ist er viel öfter einfach unten bei uns anstatt sich in seinem Zimmer einzuigeln. Da freu ich mich drüber.

Der Midi wird bald fünf. Das ist irgendwie schon ganz schön groß. Und mit ihm wird es einfacher. Also manchmal. Wenn man mit ihm alleine ist. Und er beginnt Witze zu erzählen. Das ist echt ulkig. Er flüstert dem Mini manchmal was ins Ohr, bindet ihn als folgsamen Gehilfen in sein Spiel mit ein und das läuft auch gut und ist total schön anzusehen. Bis beide dasselbe Spielzeug haben wollen. Dann ist jede Harmonie aber sofort vorbei. An schlechten Tagen ist das so alle fünf bis zehn Minuten und kostet echt eine Menge Nerven.

Der Mini legt gerade den Turbo ein. Er macht jetzt keinen Mittagsschlaf mehr, tut sich aber manchmal noch schwer bis abends durchzuhalten. Eine schwierige Übergangsphase. Er entdeckt nun die Toilette und steuert aufs trocken werden zu. Sein Sprachvermögen hat sich nochmal deutlich entwickelt und er kann sich nun wieder ganz anders ausdrücken. Fragt man ihn nun was oder warum er das da macht, bekommt man ein einfaches: "Weil!" Als Antwort. Es wird plötzlich mit den Händen beim sprechen gestikuliert und er denkt an Sachen, die er nicht unmittelbar sieht. Z.B. fällt ihm ein, dass er mit dem großen Bruder spielen möchte. Der hatte mit ihm "verstecken und fangen" durchs Untergeschoss gespielt und das wollte er nochmal machen. Er fragte mich und ich sagte ihm, dass er den Ninja doch fragen gehen sollte. Türen kann er jetzt nämlich auch öffnen. Er kommt an die Klinke dran. Er stapfte die Treppe hoch, klopfte beim Bruder und flötete ein: "Komm runter. Spielen mit mir." Oder so ähnlich. Wahnsinnig süß jedenfalls. Und meistens kommt der Ninja dann auch.

Meine Nerven sind leider gerade nicht die besten. Ich schlafe in letzter Zeit sehr wenig. Mir blieb wenig Zeit für mich und es fällt mir manchmal schwer den Tag zu Ende gehen zu lassen. Teilweise konnte ich bis zwei Uhr nachts nicht schlafen. Leider wird die Babylady aber öfter um 4 Uhr wach und will erzählen. Oder eine oder eine halbe Stunde vor dem Wecker. Da kann ich dann nicht nochmal weiterschlafen. Oder gestern, als ich wirklich früh ins Bett wollte, war sie einfach wach und fand dann erst mit viel herumtragen, nachdem wir beide Seiten gestillt hatten, in den Schlaf. Halb zwei war ich dann völlig übermüdet im Bett.
Ich habe wieder das Müdigkeitslevel erreicht in dem ich leider furchtbar viel mecker, mein Gehirn nicht richtig funktioniert, ich eine ganz ganz ganz kurze Zündschnur habe, beim Stillen tagsüber wegnicke und einfach mal zwischendurch anfange zu weinen. Ich hoffe, bald gibt es wieder mehr Schlaf. Da fehlt mir der Mittagsschlaf nun wirklich.

Gestern Abend hat der Mini das erste Mal ein Lied so richtig mitgesungen. Zum Zähneputzen dürfen sie sich immer ein Lied wünschen, welches ich dann singe. Gerade stehen das Lied vom Gummibärn und "Mein Auto fährt tut tut" (natürlich durch das Auto von sämtlichen Familienmitgliedern ersetzt) hoch ihm Kurs. "Schneeflöckchen Weißröckchen" hatte nun sein Ziel der weißen Winterpracht erfüllt. Der Mini wünschte sich das Farbenlied. Kennt ihrs noch? "Grün grün grün sind alle meine Kleider..." Plötzlich schmetterte der Mini mit. Und dichtete dann um. "Darum lieb ich alles was ich hab!" Und strahlte mich dabei an. "Musst du auch singen Mama!" Hab ich dann. Und beim singen breitete sich ein warmes Gefühl in meinem Bauch aus und ich dachte mir: "Ja, was ich alles hab und wie dankbar ich dafür bin." In solchen Momenten weiß ich wieder wofür ich das ganze mache. Danke fürs Erinnern mein Kind! In solchen Momenten will ich wieder um nichts in der Welt mit irgendjemandem mein Leben tauschen.

Damit wünsche ich euch eine schöne Woche.

Viele Grüße von
Anna

Tagebuch Anna



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