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Kann das Handy mit in den Himmel? - Baby-Tagebücher von Anna aus Hitzacker

Hautnah. Intensiv. Liebenswert. Folgt hier den Babytagebuch-Bloger:innen und erlebt regelmäßig, wenn frischgebackene Mütter und Väter ihr Leben mit euch teilen. Jede Woche lassen sie euch an ihrer neuen Lebenszeit mit Baby teilhaben und geben ganz persönliche Einblicke: Was hat der Sprössling diese Woche Tolles gelernt? Wie geht es den jungen Eltern mit dem kleinen Knirps? Welche Herausforderungen begegnen den Neu-Mamas und Neu-Papas mit ihrem Neugeborenen? In den Baby-Tagebüchern seid ihr live dabei, von ersten Arztbesuchen bis zu holprigen Gehversuchen. Ob liebenswert chaotisch oder rührend besinnlich: Immer erhaltet ihr einen unverfälschten, authentischen und persönlichen Einblick in das aufregende Leben einer Jungfamilie.

19. Woche

Kann das Handy mit in den Himmel?

Über den Tod, über das Leben und ein bisschen Weihnachten.

Hallo ihr Lieben,

Ich habe hin und her überlegt ob ich darüber schreibe. Es ist kein schönes und fröhliches Thema und erst recht kein weihnachtliches.
Aber es beschäftigt uns in erheblichem Ausmaß und dies ist ein Tagebuch. Leider ist es dem Tod auch ganz egal was für ein Tag gerade ist und ob man etwas anderes vorhat. Er kommt einfach... Also kommt mit durch eine besondere Woche, die ganz neue Fragen und Themen aufgeworfen hat. Denn am ersten Weihnachtstag ist unser Opa, Schwiegervater, Vater und Ehemann in den Armen seiner Frau verstorben.

Am 23.12. waren wir nochmal im Krankenhaus. Mit den drei kleinen Kindern (fast 5, 2 und vier Monate). Es gab viele Stimmen dagegen. Aber die Kinder wollten ihren Opa gerne sehen und da er die meiste Zeit schlafend da lag, haben wir das unterstützt. Die Fantasie kann uns schützen, aber manche Dinge auch übertrieben zeichnen. So haben die Kinder einen friedlich schlafenden Opa besucht, der eben sehr krank ist und nicht mehr Fußball spielen kann. Für einen Moment wurde er wach und war ganz klar. Er begrüßte seine drei Enkelkinder. Er erkannte sie und verabschiedete sie kurze Zeit später. Ich glaube es waren keine zehn Minuten. Dann wollten die zwei Jungs wieder gehen. Das hatten wir Eltern im Vorfeld besprochen. Mein Mann ging mit ihnen raus, sodass sie jederzeit den Raum verlassen konnten, wenn sie dies wollten.
Ich blieb noch kurz da und machte es meinen Schwiegereltern etwas weihnachtlich im Zimmer mit Lichterkette, Tannenzweig, Plätzchenteller und ein paar Sachen von zuhause. Wie froh wir sind, dass wir das gemacht haben!

Dann kam Heiligabend. Wir frühstückten ausgiebig mit Brötchen und Pancakes.
Mein Mann machte danach eine Fahrradtour mit den kleinen Jungs, während ich die Geschenke einpackte und der Ninja noch eine runde zocken durfte. Die Geschenke verpacke ich seit ein paar Jahren nur noch in Decken und Tücher. Mit Bändern drum herum. Erstens geht es schneller und zweitens macht es keinen Müll. Hübsch aussehen tut es trotzdem.
Meine Mama kam und dann machten wir die Bescherung. Eigentlich machen wir diese immer erst wenn es dunkel ist, damit die Lichter schöner leuchten und es einfach heimeliger ist. Dieses Jahr haben die beiden kleinen Jungs aber u. a. jeder ein batteriebetriebenes Quad bekommen und die sollten sie noch ausprobieren dürfen. Außerdem macht der Mini nun keinen Mittagsschlaf mehr und wird ab 17 uhr quengelig. Für Lilly ist der Tag ab 20 uhr auch gelaufen. Die fordert dann sehr lautstark und nachdrücklich die Mama zum Dauerkuscheln ein, bis sie dann zwischen elf und zwölf in den Nachtschlaf findet.
Also war das so perfekt für uns in diesem Jahr. Zum Abendessen gab es selbstgemachte Pizza mit Salat und warmen Apfelstrudel mit Vanilleeis als Nachtisch. Dann ging es wohlig ins Bett.

Einen Tag später, als wir im zuge der Rauhnächte munter über den Januar des nächsten Jahres sprachen kam der Anruf. Keiner rechnete an diesem Tag damit. Der Opa hatte wirklich gut gewirkt und es hatte sich nochmal Hoffnung breit gemacht. Mein Mann und ich fuhren hin um ihn zu verabschieden und meiner Schwiegermutter zu helfen. Meine Mama war so lieb ganz kurzfristig auf die Rasselbande daheim achtzugeben.

Es war komisch das Zimmer leer zu räumen. Es fühlte sich so falsch an direkt alles auszuräumen und zu packen. Die Schwiegermutter ganz banale Sachen fragen zu müssen.
Wir haben sie erstmal mit zu uns genommen. Auf unbestimmte Zeit. Wir verstehen uns zum Glück ziemlich gut und alleine lassen konnten wir sie in dieser Verfassung wirklich nicht. Das rieten uns auch die Schwestern auf der Station.
Nun hat sie einen Schlafplatz bei uns, darf weinen und erzählen, sich ausruhen und trauern. Ich kümmere mich um die Wäsche, koche für sie mit, mein Mann macht ihr Tee und wir reden über ihren Mann, den Vater, den Opa.

Was erzählen wir den Kindern? Na die Wahrheit natürlich. Ich versuche unseren Kindern einen natürlichen Umgang mit Krankheit und Tod zu vermitteln. Es soll kein gruseliges Mysterium sein vor dem man Angst hat. Es soll - so schwer es ist - ein normaler Teil des Lebens sein. Zum Glück belastet ein solches Ereignis das Leben nur punktuell. Wir sind nun also im Begreifen der Situation, im Begleiten von großen und kleinen Gefühlen. Wir beantworten Fragen wo der Opa hin ist, wie es mit dem Geld weitergeht und ob der Opa das Handy mit in den Himmel nehmen kann und wann er denn endlich wieder kommt. Ein fast fünfjähriger stellt da schon wilde Theorien auf. Tröstend wird mit Samtstimme gesagt: "Oma weißt du, irgendwann sind wir alle tot!". Der Mini telefoniert im Spiel und sagt: "Der Opa ist gestorben." Vermutlich ohne das ganze richtig begreifen zu können.
Die Kleine guckt mich beim Stillen stirnrunzelnd über die Brust an. Omas weinen kennt sie nicht und fragt sich was da los ist.
Der Ninja ist bei seinem Papa. Ihn habe ich am zweiten Weihnachtsfeiertag zu ihm gefahren. Er wird erst nach Silvester wiederkommen.

Ich habe bereits vor einigen Wochen ein Buch gekauft, da das Thema Tod den Midi bereits länger beschäftigt. "Keke wo bist du?" Heisst es. Es handelt von dem Verlust des geliebten Häschens und führt Kinder toll durch das Thema Tod und was danach kommt. Ich finde daran so schön, dass es keinen festen Weg für nach dem Tod zeichnet, sondern verschiedene Wege erklärt und man sich den für sich passenden wählen kann. Der mit dem man am besten umgehen kann. Dazu besorge ich nun noch ein weiteres Buch, wo es speziell um einen sterbenden Opa geht.

Zur Beerdigung? Natürlich kommen die Kinder mit zur Beerdigung. Sie müssen sich doch verabschieden! Könnten sie laut sein? Ganz bestimmt. Werden sie Fragen stellen, die wir Eltern beantworten müssen? Ganz sicher. Werden sie nicht "stören "? Das denke ich nicht. Den Opa würde Kinderlachen oder das Gezanke seiner Enkel nicht stören. Ich denke er würde sich freuen. Und die Kinder brauchen ebenfalls einen Abschluss.

Der Bestatter war nun da und meinte ebenfalls, als ich mich für den Trubel entschuldigte, dass das garkein Problem sei und er ohnehin findet, dass die Kinder da mit bei sein sollten. Auch beim Gespräch mit ihm.
Meine Schwiegereltern haben einen Vorsorgeordner angelegt. Da war alles drin an Papieren, inklusive Wünsche für die eigene Beerdigung. Ich habe gemerkt wie hilfreich dies in der Situation ist. Alles an einem Ort und man muss sich um so viel weniger Gedanken machen, wofür man sowieso kaum den Kopf hat. Mein Mann und ich haben bereits besprochen, dass wir auch so einen Ordner anlegen wollen, damit der Weiterlebende es einfacher hat. Auch einen letzten Brief würde ich da gerne mit reinlegen und Sachen die der andere wissen müsste. Diesen Ordner können wir dann hoffentlich einige Jahrzehnte einstauben lassen bevor er gebraucht wird.

Ebenfalls wollen wir eine Vorsorgevollmacht aufsetzen und beim Amtsgericht hinterlegen. Eine Mutter beim Schwangerenfrühstück machte uns darauf aufmerksam. Ich wusste davon noch nichts: Wenn beim Amtsgericht keine solche Vollmacht liegt und den Eltern etwas passiert, kommen die minderjährigen Kinder erstmal in eine Pflegefamilie. Das möchten wir für unsere Kinder nicht. Daher wollen wir überlegen wer sich in einem solchen Fall um unsere Kinder kümmern soll und hoffen das dieser Plan B niemals gebraucht wird. Manche haben vielleicht sorge, dass man damit erst ein Unglück herauf beschwört. Ich würde es mir aber nicht verzeihen in solch einem Moment nicht für meine Kinder gesorgt zu haben.

Unseren (zweiten) Hochzeitstag konnten wir durch die kleinen Kinder sowieso nicht groß feiern. Aber ein wenig wollten wir es doch! Also gingen wir abends mit der Rasselbande Essen. Das war schön. Der Verlust eines lieben Menschen führt einem auch wieder vor Augen, dass das Leben nunmal leider endlich ist. Auch wenn man das nicht wahrhaben möchte und man oft denkt, dass man ja noch Zeit hat. Irgendwann ist diese aber vorbei. Und wann das ist weiss man einfach nicht.
Daher versuchen wir auch das positive zu sehen und uns darauf zu besinnen was für uns wirklich wichtig ist im Leben. Abgeseifte Küchenfronten sind mir persönlich dabei herzlich egal. Dass ich meinen Kindern das eine gewünschte Buch aber 100 mal vorgelesen oder meinen Mann geküsst habe ist mir wichtig. Zeit miteinander. Zeit zum Leben, nicht nur zum erledigen und abarbeiten. So wollen wir unser Leben gerne (um)gestalten. Zeit mit Freunden, mit der Familie und sich diese einfach nehmen. Egal wie weit man gerade auf seiner To Do Liste gekommen ist.
Daher haben wir auch unseren geplanten Spieletag mit meinen Brüdern nicht abgesagt, sondern damit die neue Woche begonnen.

Das Leben ist zu kurz für irgendwann. Also: Nicht grübeln, sondern einfach machen!

In diesem Sinne wünsche ich euch eine Rückbesinnung auf das was wirklich wichtig ist für euch und einen guten Rutsch ins neue Jahr 2026.

Alles liebe von Anna

Tagebuch Anna

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In diesem Beitrag geht's um:

Weihnachten, Umgang mit Kindern wenn Großeltern sterben, Vorsorgevollmacht