MENU

In der Psychiatrie - Baby-Tagebücher von Anna aus Hitzacker

Hautnah. Intensiv. Liebenswert. Folgt hier den Babytagebuch-Bloger:innen und erlebt regelmäßig, wenn frischgebackene Mütter und Väter ihr Leben mit euch teilen. Jede Woche lassen sie euch an ihrer neuen Lebenszeit mit Baby teilhaben und geben ganz persönliche Einblicke: Was hat der Sprössling diese Woche Tolles gelernt? Wie geht es den jungen Eltern mit dem kleinen Knirps? Welche Herausforderungen begegnen den Neu-Mamas und Neu-Papas mit ihrem Neugeborenen? In den Baby-Tagebüchern seid ihr live dabei, von ersten Arztbesuchen bis zu holprigen Gehversuchen. Ob liebenswert chaotisch oder rührend besinnlich: Immer erhaltet ihr einen unverfälschten, authentischen und persönlichen Einblick in das aufregende Leben einer Jungfamilie.

29. Woche

In der Psychiatrie

Ich lebe mich ein und habe eine ganz gute Woche.

Hallo ihr Lieben,

Optimismus heißt rückwärts "sumsi mit po" :D
Davon hängt ein Bild mit einer Biene im Essenssaal. Jedes Mal wenn ich es sehe muss ich grinsen.

Tatsächlich war diese Woche sehr positiv für mich.
Sonntag Vormittag war nochmal sehr schlimm.

Nachmittags kam mein Mann mit den kleinen Jungs vorbei. Das war super schön und tat uns allen gut. Besonders dem Mini und mir. Uns wurde klar, dass wir uns wiedersehen und ich glaube unsere Beziehung wird das aushalten. Er wurde auch gelöster und "normaler" in seinem Verhalten über die Woche und mein Mann fängt ihn toll auf. Der Abschied war nochmal echt schwer. Aber ich konnte mich diese Woche nun besser abgrenzen und mich auf mich konzentrieren.

Mittwoch habe ich mich endlich getraut meinen Absturz von Sonntag hier zu besprechen und habe ein sehr gutes und hilfreiches Gespräch dazu gehabt. Die Therapien gingen los und machen Spaß. Sie zwingen mich absolut im "Jetzt" zu sein und ich spüre endlich mal wieder mich. Höre mal wieder meine Gedanken und kann überlegen was ich ganz alleine gerade brauche oder möchte. Das ist einfach nur toll und tut so gut. Diese vielfältigen Möglichkeiten aus denen ICH alleine wählen darf und nur schauen muss ob es für MICH passt. Eine wundervolle Freiheit, die ich sehr genieße und mich glücklich macht.

Lilly kommt einfach in der Trage mit zu den Therapien und pennt oder bezaubert die Runde. Sie hat gerade schwer mit den Zähnen zu kämpfen und gleicht ihre Unsicherheit über alles Neue mit extremer Nähebedürftigkeit aus. Trotzdem finde ich Freiräume und Ruhe für mich. Manchmal gebe ich sie auch im Dienstzimmer ab. Eine Stunde klappt nun ganz gut. Ich habe die Pfleger und Pflegerinnen nun größtenteils etwas kennengelernt und einen Eindruck bekommen. Diese Basis brauche ich um mein Kind in andere Hände geben zu können. Bislang ist sie auch trotzdem in Hörweite, bzw. ich befinde mich den Gang runter. Zu Therapien, die in anderen Gebäuden stattfinden, nehme ich sie immer mit. Die die mich schon länger begleiten wissen: ich bin gerade in der Babyzeit sehr gluckig. Und das darf ich auch sein. Sie ist mein Baby, ich bin ihre Mama. Flügge wird sie früh genug und dann darf sie auch losziehen.

Bei einer Rhythmustherapie haben wir uns immer wieder so verhaspelt mit der Bodypercussion, dass wir einen riesen Lachanfall hatten, sodass mir die Bauchmuskeln weh taten. Keine Ahnung wann ich das letzte mal so gelacht habe.
Auf Spaziergängen kam uns eine Biene besuchen, wir hörten die Vögel zwitschern und haben Hasen entdeckt.
Bei der Ergotherapie habe ich ein Bild gemalt, während Lilly in der Trage auf meinem Rücken schlief und ich war beim Singen. Als freiwilliges Angebot, da ich Singen liebe und es mir gut tut.

Es gibt immer wieder Triggermomente und große Erschöpfung. Aber ich konnte ankommen, mich hier auf die Zeit einlassen und komme runter und zu mir. Ich konnte mich von dem Geschehen zuhause etwas abgrenzen und auf das Hier konzentrieren, weil ich weiß, dass meine Männerbande das zuhause gewuppt bekommt.
Ausserdem hatte mein ältester Sohn Geburtstag und ist 16 geworden. Das begreife ich immer noch nicht ganz. Die Geschenke hatte ich schon besorgt und mein Mann hat ihm einen tollen Tag gezaubert. Außerdem habe ich den Jungs noch ein Überraschungspäckchen geschickt, um die Wartezeit aufs nächste Wiedersehen etwas kurzweiliger zu gestalten. Trotzdem war es komisch das erste Mal bei seinem Geburtstag nicht physisch anwesend zu sein.
Für mich war es trotzdem eine sehr positive Woche.

Von Samstag auf Sonntag ging es dann nachhause. Ich hab mich wie bolle auf meine Jungs und meinen Mann gefreut. Gleichzeitig war ich gespannt wie es im häuslichen Umfeld und mit den Streitereien der Kleinen werden wird.
Kennt ihr noch diese Schmetterlinge im Bauch aus der Anfangszeit des Verliebt seins? So hat es in meinem Bauch gekribbelt als ich auf meinen Mann gewartet habe. War das schön ihn wiederzusehen und in den Arm nehmen zu können!
Die ganze Autofahrt hatten wir Zeit zum reden. Denn die Jungs haben mit meiner Mama zuhause gewartet. Wir haben abgemacht, dass mein Mann sich hauptsächlich um Lilly kümmert und ich mit den Jungs etwas mache, sodass jeder Nähe zum anderen Elternteil tanken kann. Was hat sich die Babylady über ihren Papa gefreut! Und auch das Bestürmen durch die Brüder ließ sie sich super gern gefallen. Sie strahlte alle an und man sah so richtig, dass es genau so für sie sein muss. Genau so war alles wieder richtig. Das war wirklich schön zu sehen.

Das Wiedersehen war freudig stürmisch, aber auch vorsichtig. Wir mussten uns erstmal wieder einander annähern. Dann prasselte alles auf mich ein, da natürlich alle Mama haben und mir erzählen wollten.
Keine drei Stunden hat es gebraucht. Dann hatte ich dringend eine Pause nötig. Die Wochenenden im heimischen Lebensumfeld heißen nicht umsonst "Belastungsprobe".
Es war wunderschön meine Jungs zu sehen, sie zu kuscheln, lieb zu haben und zuhause zu sein. Aber ich war auch super schnell überfordert, mein Kopf war schnell überreizt und hat dicht gemacht. Mit einem schlechten Gewissen wünschte ich mich in mein ruhiges, reizarmes Klinik Zimmer. Ein ganz merkwürdiger Zwiespalt.

Ich versuche es nun so zu sehen: Diese Woche in der Psychiatrie tat mir schon gut. Es ist aber irgendwie klar, dass nach einer Woche nicht alles wieder heil ist und wie vorher funktioniert. Diesen Wunsch und das Aufatmen, als ich mit Lilly wieder alleine in meinem Zimmer war sehe ich einfach als ein Zeichen an, dass ich genau am richtigen Ort mit den richtigen Menschen gelandet bin. Ich fühle mich wohl, sicher und aufgehoben. Und das ist eigentlich das Beste was mir passieren kann und bietet eine gute Grundlage um an meiner Gesundung zu arbeiten.

Es fiel mir wahnsinnig schwer diesen Bericht fertig zu kriegen, weil die darauffolgende Woche, für die ich parallel schon schreibe, so ganz anders und richtig furchtbar war in den letzten Tagen. Davon erzähle ich euch aber im nächsten Bericht.

Viele liebe Grüße von
Anna

Tagebuch Anna



Dieses Tagebuch abonnieren:

Neuer Beitrag? Ich möchte benachrichtigt werden! Die Benachrichtigungen kann ich durch Anklicken des "beenden"-Links am Ende jeder eMail stoppen.

Kommentar zu diesem Beitrag schreiben:

Zeichen frei



Kommentare von Lesern:

Bisher wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Einträge der letzten Wochen:

Alle anzeigen
Alle Baby-Tagebücher anzeigen

Aus der 29. Woche schrieben in anderen Tagebüchern:

In allen Baby-Tagebüchern suchen:

nach Stichwort:

nach Babywoche:


Kurse, Termine & Adressen


In diesem Beitrag geht's um:

Wochenbettdepression, Einleben in der Psychiatrie, Wiedersehen mit der Familie