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Ich gebe auf... - Baby-Tagebücher von Anna aus Hitzacker

Hautnah. Intensiv. Liebenswert. Folgt hier den Babytagebuch-Bloger:innen und erlebt regelmäßig, wenn frischgebackene Mütter und Väter ihr Leben mit euch teilen. Jede Woche lassen sie euch an ihrer neuen Lebenszeit mit Baby teilhaben und geben ganz persönliche Einblicke: Was hat der Sprössling diese Woche Tolles gelernt? Wie geht es den jungen Eltern mit dem kleinen Knirps? Welche Herausforderungen begegnen den Neu-Mamas und Neu-Papas mit ihrem Neugeborenen? In den Baby-Tagebüchern seid ihr live dabei, von ersten Arztbesuchen bis zu holprigen Gehversuchen. Ob liebenswert chaotisch oder rührend besinnlich: Immer erhaltet ihr einen unverfälschten, authentischen und persönlichen Einblick in das aufregende Leben einer Jungfamilie.

26. Woche

Ich gebe auf...

Von Müdigkeit, langen Nächten, tollen Kindern und der Frage nach einer Wochenbettdepression.

Hallo ihr Lieben,

entschuldigt, dass ihr wieder so lange warten musstet. In den letzten zwei Wochen ist viel passiert und dann doch wieder nicht so viel. Aber das Wenige hat für einen Umsturz gesorgt.

Wir haben an einem Wochenende aufgehört, an dem ich extrem wenig Schlaf bekommen habe. Lilly war viel wach, schlief oft erst spät ein. Manchmal musste ich sie lange tragen bis sie schlief und dann auch fest genug schlief, damit ich sie ablegen konnte. Das war hart, weil ich selbst so müde war und sie auch viel geweint hat. Ich habe nur zwischen 3 und 5 Stunden geschlafen und die noch mit Unterbrechung. In der Woche musste ich morgens trotzdem aufstehen und mich und die Kinder für den Tag fertig machen und diesen dann ohne Mittagsschlaf mit all seinen Herausforderungen bewältigen.

Es gab einen Elternabend im Kindergarten, der viel guten pädagogischen Input gab, den Elternsprechtag in der Schule, jede Menge Zank und Streit und viele wundervolle Momente. Die Kinder wachsen einfach weiter und lernen so viele Dinge. Lilly dreht sich jetzt manchmal vom Bauch auf den Rücken zurück und sie kommt - ich weiß nicht wie - ein wenig vom Fleck. Heute habe ich einen Spielebogen gebraucht für sie erstanden. Findet sie super das Teil! Und die Brüder legen sich mit ihr drunter und spielen mit.
Ansonsten ist ihre Superkraft das Erzählen. Sie quatscht gerne und viel. Schon "immer". Sie kann jetzt schon "Mama" (Mama!, Amamamama!), "Papa" (Pabuaa!), "Oma" (Ama) und "Opa" (Upa) sagen. Ja ich weiß, dass sie erst knapp ein halbes Jahr ist. Aber das kann sie echt. Sie kann sich auch super süß auf die Unterlippe beißen und damit die süßesten Pausbäckchen des Planeten kreieren. Sie kann mit einem strahlenden Lächeln und ganz sanften Händen mein Gesicht streicheln. Genauso wie sie sich mit den kürzesten Fingernägeln ganz übel in die Haut krallen kann. Und sie kann Juchzen und Quietschen und sich scheckig lachen, wenn ihre Brüder die Treppe runterhüpfen. Sie liebt sie alle drei.

Der Midi hat sich tatsächlich zu seiner ersten Verabredung getraut. Von ihm und einem Freund gewünscht, von uns Mamas arrangiert wurde ein Nachmittag gespielt. Woanders. Ohne mich. Ich bin wahnsinnig stolz auf meinen Sohn, dass er sich das getraut hat. Zuhause wechselt er nichtmal den Raum ohne das jemand mitkommt.

Der Mini wird gerade auf so vielen Ebenen groß. Er ist ja nun zweieinhalb und auch wenn er immer wieder heftig stänkert und Wutanfälle bekommt, kam gestern ein ganz cooles: "Weg, ich muss da dran", während er schlenkernd einen Topfdeckel in der Hand hielt, den er in die Schublade räumen wollte, vor der ich stand.
Er hatte es sich in den Kopf gesetzt die Spülmaschine auszuräumen.

Heute abend ist Dauernuckeln angesagt. Letzte Woche hatte die Babylady eine Nacht neun Stunden am Stück durchgeschlafen. Mensch war ich baff und habe diese Nacht genossen. Mit viel viel Schlaf für mich. Denn auch die anderen haben diese Nacht so richtig schlafend verbracht. Ich war den Freitag total high :D.
Tja und dann war diese einmalige Supernacht vorbei. Nun wachen sie alle wieder auf. Lilly möchte nachts gestillt werden. Der Mini ist leider aus dem Bett gefallen. Und der Midi wird gerade zuverlässig wach, wenn der Papa zur Arbeit aufbricht. Immerhin sind wir schon von der panisch mit Flutlicht begleiteten Suchaktion zu einem leisen rüberschleichen und sich bei Mama ins Bett kuscheln gekommen. Aber so habe ich noch weniger Schlaf. Abends ist Lilly in der Regel zwischen 23-24 Uhr "ablagefertig"/"hochtrage tiefschlafend". Meist um fünf rum möchte sie das letzte mal vor meinem Wecker um sechs gestillt werden und gegen halb sechs ziehts die kleinen Jungs, oder einen von ihnen zu mir.

Ich gebe auf. Ich gebe auf durchschlafen zu wollen. Ich gebe auf pünktlich im Kindergarten ankommen zu wollen. Das klappt bei mir mit drei Kindern und allem was man derzeit anziehen muss morgens einfach nicht. Egal wann wir aufstehen. Ich gebe auf ein sauberes und ordentliches Haus zu haben. Ich hätte es so gerne. Aber es ist derzeit einfach nicht machbar. Ich gebe auf. Für jetzt. Vielleicht sieht es in ein paar Jahren wieder anders aus und diese Dinge sind machbar. Vielleicht ja auch schon im Frühling, wenn man nicht mehr so viel anziehen muss.

Leider ging es mir in den letzten zwei Wochen kontinuierlich schlechter. In Zeitermangelung habe ich es nicht geschafft zu schreiben. Und weil es mir auch nicht gut ging und immer noch nicht gut geht. Nachdem sich die Situation einfach immer weiter verschlechterte war ich in der vergangenen Woche bei einer zweiten Hausärztin und habe meine Hebamme kontaktiert. Für mich steht das Thema Wochenbettdepression im Raum. Die Ärztin sagte, dass es sich eher um eine tiefgreifende Erschöpfung handelt, da ich keinerlei Probleme habe Lilly anzunehmen und mich um sie zu kümmern. Die kleine Dame bringt weiterhin mein Herz zum schmelzen. Meine Hebamme sagte aber, dass es auch unabhängig von diesem Charakteristikum eine Wochenbettdepression sein kann. Ich begebe mich nun also auf die Suche. Versuche herauszufinden was nun wirklich mit mir los ist, was ich brauche und wer mir helfen kann. Bessert sich mein Zustand in den nächsten Tagen nicht oder verschlimmert sich sogar noch, werde ich in eine Klinik gehen. Das habe ich heute so für mich entschieden.
Näher eingehen auf meine Symptome und Befindlichkeiten kann und möchte ich (noch) nicht. Aber ich werde euch weiter auf dem Laufenden halten, weil ich finde, dass es ein super wichtiges Thema ist über das man reden muss. Und wenns keiner tut, kommen wir damit nicht weiter.
Vielleicht werden die Beiträge aber doch (weiterhin) etwas unregelmäßig. Meine Gesundheit steht da gerade im Fokus und hat oberste Priorität.

Wer nicht ständig nachsehen will, ob es einen neuen Beitrag von mir gibt kann gerne weiter unten auf der Seite eine Erinnerung per Email einrichten.

Da der Gedanke irgendwann aufkeimte, dass sich da etwas in eine ungute Richtung entwickelte fing ich an zu stöbern. "Schatten und Licht" bietet hier Aufklärungsarbeit und Unterstützung bei psychischen Erkrankungen nach einer Geburt.
Auch haben sie einen Selbsttest auf ihrer Seite, den man ausfüllen kann. Ich habe diesen ausgefüllt und mit zum Termin bei der Ärztin genommen.
Eine Freundin nannte mir noch eine tolle Website aus der Schweiz:
Hier fand und finde ich viele hilfreiche Informationen.
Symptome, Kranheitsbildbeschreibung, erste Hilfsmaßnahmen, Informationen für Angehörige und Anlaufstellen kann man auf den Seiten finden. Das half mir mich erstmal unverbindlich dem Themazu nähern, bevor ich überhaupt drüber reden konnte. Vielleicht hilft es noch jemandem...

Den Knoten zum platzen brachte ein kleiner Film von "Schatten und Licht", in dem folgender Satz fiel: "Gehts mir schon schlecht genug dafür, dass ich mir Hilfe holen kann?"
Dieser Satz bewegte etwas in mir. Wieviel schlechter muss es mir denn noch gehen, damit ich mir Hilfe holen darf? Damit ich mich traue, mir Hilfe zu holen? Muss ich das weiter alleine hinbekommen? Stimmt wirklich etwas nicht, oder ist das nur eine Phase durch den anstrengenden Alltag und den unzureichenden Schlaf?
Teilweise geht es mir ganz normal. Ich kann mit den Kindern spielen, sie liebevoll in den Arm nehmen, mit meinem Mann scherzen und das Essen auf den Tisch bringen. Dann denke ich mir: "Ach quatsch. Das geht doch alles. Da brauche ich keine Hilfe. Das wird wieder." Dann kommt aber doch wieder ein Absturz. Und diese lassen mich zunehmend denken, dass ich das nicht alleine hinbekommen werde. Das ich das nicht alleine hinbekommen sollte.

Ich bin meiner Hebamme sehr dankbar, dass sie mir einfach zugehört hat und ganz niedrigschwellig Hilfe angeboten hat. Ich habe ihr geschrieben. Laut darüber reden geht erst seit zwei, drei Tagen mit meinem Mann. Hilfestellen von denen sie Gutes gehört hat, hat sie mir geschickt. Eine Telefonnummer, die ich einfach anrufen kann ohne mich durchs Netz suchen zu müssen.

Das ist nun also mein weiterer Weg, auch wenn ein Teil von mir sich noch weigert, das zu akzeptieren. Ich hatte eine wundervolle Geburt. Eine anstrengende und sorgenreiche, aber sonst schöne Schwangerschaft. Ich hatte mein Wochenbett geplant mit viel Unterstützung und Babykuscheln. Ich habe vier gesunde Kinder in meinem Leben und einen tollen Mann an meiner Seite. Mein Körper bildet sich gut zurück und Geburtsverletzungen hatte ich keine nennenswerten. Und mein jetziges Baby ist das einfachste von meinen Vieren. Also WARUM verdammt nochmal bin ich nicht einfach glücklich?
Ich habe das Gefühl, dass das alles meinem Zustand egal ist. Und das ich selber nichts dagegen machen kann. Das macht mich wirklich fertig.
Soviel dazu erstmal bis hierher. Ich hoffe in der nächsten Woche wird sich vieles in eine positivere Richtung entwickeln. Und ich hoffe, ich finde die Zeit es euch zu erzählen.

Die Geburtstage der beiden Ältesten stehen nun an. Ich hoffe, diese werden schön...

Liebe Grüße und hoffentlich bis ganz bald,
Anna



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In diesem Beitrag geht's um:

Wochenbettdepression, Hebammenhilfe, Schatten und Licht, Familienleben