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Eine richtig miese Woche - Baby-Tagebücher von Anna aus Hitzacker

Hautnah. Intensiv. Liebenswert. Folgt hier den Babytagebuch-Bloger:innen und erlebt regelmäßig, wenn frischgebackene Mütter und Väter ihr Leben mit euch teilen. Jede Woche lassen sie euch an ihrer neuen Lebenszeit mit Baby teilhaben und geben ganz persönliche Einblicke: Was hat der Sprössling diese Woche Tolles gelernt? Wie geht es den jungen Eltern mit dem kleinen Knirps? Welche Herausforderungen begegnen den Neu-Mamas und Neu-Papas mit ihrem Neugeborenen? In den Baby-Tagebüchern seid ihr live dabei, von ersten Arztbesuchen bis zu holprigen Gehversuchen. Ob liebenswert chaotisch oder rührend besinnlich: Immer erhaltet ihr einen unverfälschten, authentischen und persönlichen Einblick in das aufregende Leben einer Jungfamilie.

30. Woche

Eine richtig miese Woche

Überall und nirgends.. Suizidgedankenstrudel, Knurren und Quietschen, U5 und jede Menge Erkenntnisse.

Hallo ihr Lieben,

Der Montag startete gut und vielversprechend. Es war warm, sonnig und einfach schön. Ich hatte zwei richtig gute Gespräche. Eines mit meiner Ärztin und eines mit dem Sozialdienst. Hier versuche ich schon für die Zeit nach der Behandlung die Weichen zu stellen und mir ein größeres Netzwerk aufzubauen, damit ich nicht gleich mit allem wieder alleine da stehe.
Die Termine folgten ziemlich dicht hintereinander und obwohl sie richig gut waren, mir viel Input, neue Ansätze und Erklärung brachten war mein Kopf einfach zu voll.
Ich hoffte, dass ein Spaziergang mir etwas Klarheit bringen würde. Aber leider wuselten meine Gedanken nur so rum, sprangen mal hier hin und mal dort hin. Ich fühlte mich wie überall und nirgends.

Dienstag kam ich dann morgens absolut nicht aus dem Bett. Alles war schwer und ich beneidete jeden, der einfach diesen Tag liegen bleiben und im Bett verbringen durfte. Mittwoch ging es leider so weiter. So viel triggerte mich und ich fiel mehrmals täglich in Gedanken in einen Suizidstrudel. Mit meinem Mann zu schreiben hat mir gut geholfen, aber es ist gerade einfach nur richtig schwer.

Auf der anderen Seite gibt es mit der kleinen Babylady viel Schönes.
Wir waren bei der U5 und sie entwickelt sich völlig im Rahmen. Motorisch ist sie derzeit keine Vorreiterin. Dafür sprachlich. Sie kann zwei weitere Wörter und hat anfang der Woche das Quietschen entdeckt und erlernt. Nun wird eine breite Geräuschpalette beim Erzählen abgedeckt. Dabei schwankt sie gerne mal zwischen tiefem Knurren und hohem Quietschen. Am besten kurz vor der Nachtruhe.

Manchmal wird es ihr glaube ich etwas viel mit all den neuen Räumen und Menschen.
Sie genießt die Kuschelzeit mit mir, wenn wir einfach im Bett nebeneinander liegen. Sie mit etwas Spielzeug, ich mit einem Buch und dazwischen quatschen wir immer wieder eine Runde. Auch Babymassagen findet sie toll. Das ist so schön, dass sie daran genauso Freude hat wie ich.
Im Dienstzimmer spielt sie nun auch schon immer mal eine Stunde mit den Pflegekräften. Danach ist sie meist ganz müde und freut sich sehr mich wiederzusehen, aber sie genießt die Beschäftigung und den Input.

Der Donnerstag war endlich wieder etwas besser. Freitag früh ging es gleich wieder wie am Dienstag los. Diesmal bemerkte ich das frühe Einsetzen des Gedankenstrudels und holte mir Hilfe von den Pflegekräften. Ich bin sehr stolz auf mich, dass ich es erkannt habe und mich dann auch getraut habe direkt nach Hilfe zu fragen und nicht erst gewartet habe bis es richtig schlimm ist. Das ist ein riesen Fortschritt für mich. Ich finde sich Hilfe zu holen ja verdammt schwer.
Mithilfe eines geführten Bodyscans (Körper Wahrnehmung) konnte ich es tatsächlich unterbrechen und der restliche Tag lief relativ gut.

Ein klärendes Gespräch mit der Ärztin hat mir nochmal mehr Verständnis für meine Suizidgedanken gebracht und Wege aufgezeigt wie ich diesen begegnen und an und mit ihnen arbeiten kann. Ich erlange immer mehr Verständnis für meine Erkrankung, was mir hilft sie zu bearbeiten. Außerdem habe ich eine Liste mit sogenannten "Skills" bekommen, aus denen ich jetzt für mich passende heraussuchen und ausprobieren muss, um mir in solchen Anspannungssituationen selbst besser helfen zu können. Ein paar Hilfsmittelchen habe ich auch bekommen zum ausprobieren. Ziel ist es einen extremen Reiz zu setzen, der die Gedanken in einer Extremanspannung so unterbricht, dass ich mich anderen Dingen zuwenden kann, bis der Strudel wieder abflaut. Das ist die Kurzversion. Dabei ist eine rote Chilirakete. Ich weiß noch nicht ob ich die einsetzen mag. Scharf ist so garnicht meins....

Auch um eine Verlängerung meines Aufenthaltes habe ich gebeten und die Ärztin befürwortet dies. Sie hat es sogar angesprochen als ich mir noch unsicher war. Konnte ich mir vor drei Wochen noch nicht vorstellen so lange von meiner Familie getrennt zu sein, so kann ich mir jetzt noch nicht vorstellen in anderthalb Wochen wieder in meinem normalen Alltag zu stehen. Auch wenn es immer noch hart ist von meiner Familie getrennt zu sein, so hat sich mein Blick gewandelt:
Ich möchte, dass meine Kinder von mir als Mutter einen Mehrwert haben. Und so wie es mir jetzt geht haben sie das nicht. Also müssen wir nun einmal durch diese schwere Zeit gehen und ich mir die Zeit nehmen um an mir zu arbeiten. Damit sie dann wieder einen Mehrwert durch mich haben und ich mein Leben wieder mit Freude und Bestimmheit gestalten und leben kann. Solange hoffe ich, dass wir alle an dieser Situation wachsen und einen Mehrwert daraus erlangen können.

Ich sehe z.B. einige Dinge, die mein Mann zuhause anders macht und die ich vorhabe zum Teil zu übernehmen. Mein Mann erzählt mir, dass sich die Verbindung zwischen ihm und unserem jüngsten Sohn deutlich festigt und sie Sachen finden, die sie zusammen machen können. Vielleicht lernt der Midi, dass die Welt nicht untergeht, wenn Mama nicht da ist, sondern fortbestehen kann. Genau wie er. Die Babylady bekommt ein wenig Babyexklusivzeit mit mir, wie es zuhause als viertes Kind nicht so möglich wäre. Der Ninja wird durch meinen Mann nochmal ganz anders eingebunden. Das scheint ihm gut zu tun. Und mein Mann bekommt die Möglichkeit an seinen Papaqualitäten zu feilen. Denn wenn er die Zeit dafür hat - oh was für ein toller Papa er dann ist! Und ich bekomme endlich etwas Ruhe und Zeit und Raum für meine Gedanken. Oh wie ist das schön.

Also es war doch nicht alles schlecht in dieser Woche. Aber man, das ist schon hart, dass man sich da selbst so rausarbeiten muss.
Nun steht das Wochenende vor der Tür und ich freue mich auf meinen Männerhaushalt.

Und ich hab mir ehrlich mal Sorgen gemacht über was ich denn bloß in einem zweiten Babytagebuch schreiben soll.....

Die folgenden Wochen werde ich im nächsten Bericht wieder etwas zusammenfassen müssen. Leider hinke ich nun wieder etwas hinterher. Aber die Zeit habe ich einfach für anderes gebraucht. Ich hoffe ihr seht es mir nach.

Liebe Grüße von
Anna



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In diesem Beitrag geht's um:

Wochenbettdepression, stationärer Aufenthalt in der Psychiatrie, getrennt von der Familie