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Die Vollkornpizza ist egal - Baby-Tagebücher von Anna aus Hitzacker

Hautnah. Intensiv. Liebenswert. Folgt hier den Babytagebuch-Bloger:innen und erlebt regelmäßig, wenn frischgebackene Mütter und Väter ihr Leben mit euch teilen. Jede Woche lassen sie euch an ihrer neuen Lebenszeit mit Baby teilhaben und geben ganz persönliche Einblicke: Was hat der Sprössling diese Woche Tolles gelernt? Wie geht es den jungen Eltern mit dem kleinen Knirps? Welche Herausforderungen begegnen den Neu-Mamas und Neu-Papas mit ihrem Neugeborenen? In den Baby-Tagebüchern seid ihr live dabei, von ersten Arztbesuchen bis zu holprigen Gehversuchen. Ob liebenswert chaotisch oder rührend besinnlich: Immer erhaltet ihr einen unverfälschten, authentischen und persönlichen Einblick in das aufregende Leben einer Jungfamilie.

36. Woche

Die Vollkornpizza ist egal

Ich komme nach Hause.
Was für eine Mama will ich sein?
Was für eine Mama KANN ich sein??
Muttertag ♡

Hallo ihr Lieben,

Ich bin wieder zuhause und natürlich waren wir erstmal alle krank. Zum Fotos machen komme ich auch nicht. Also gibt es den Beitrag leider wieder ohne, damit er wenigstens gelesen werden kann. Aber erstmal zurück. Noch einmal zurück in die Klinik.....

Übermorgen ist die Entlassung und ich bin heute ein nervliches Wrack. Gestern (Sonntag) waren wir auf einem Kindergeburtstag in einem Indoorspielplatz. Es war wirklich schön! Die Kinder haben toll und ohne Gezanke gespielt. Wir sind Auto gefahren, gerutscht, geklettert und wir Eltern haben uns in einem Stuhl massieren lassen.
Leider kam ich abends überhaupt nicht zur Ruhe und habe dadurch nur 4 Stunden mit Unterbrechung geschlafen. Keine gute Tagesgrundlage. Ich habe keinen Hunger, bin müde und mein Kopf ist ein einziges Chaos. Und weinerlich bin ich plötzlich auch wieder. So viele Gedanken wirbeln durcheinander. Was kann und muss ich jetzt noch machen in diesen zwei Tagen, um wirklich gut auf die Zeit zuhause vorbereitet zu sein? Habe ich wirklich alles mitgenommen was ich brauche? Ich kriege es nicht zu fassen. Ich will garnicht weg. Mein schönes reizarmes Klinikzimmer mit der großen Dusche, wo alles so kompakt zusammen ist. Die lieben Menschen möchte ich nicht verlassen, obwohl ich weiß, dass auch sie bald gehen werden. Ich tue mich wirklich schwer mit Veränderungen!

Ich freue mich so auf meine Kinder! Das Buch mit dem Maulwurf und der Kacke eben einfach am nächsten Tag lesen zu können, wenn es den einen nicht klappt oder vergessen wird. Ich habe so eine Angst ihnen nicht gerecht zu werden und doch gleich wieder zurück in die Klinik zu müssen. Ich hätte so gerne einen kleinen Trailer wie es laufen wird um daraus im besten Falle Sicherheit zu bekommen wie es laufen wird.
Auch wenn es schön ist zu fühlen, tausend mal schöner als diese gruselige Leere, aber das ist echt anstrengend.
Scheiße, wie hab ich das jemals hingekriegt mich um vier Kinder zu kümmern?? Der Tag ist mit einem schon so voll!
Die Pfleger sagen das ist normal, dass man vor der Entlassung Angst und Sorgen hat. Ich weiß noch nicht ob mich das beruhigt.

Ich bin aufgeregt wie vor einer großen Aufführung. Wenn man bald raus auf die Bühne muss und Sorge hat seinen Text zu vergessen, seinen Einsatz zu verpassen oder die Karteikarten für eine große Präsentation durcheinander zu bringen.
Unser Zimmer wird immer aufgeräumter und leerer.

Ein gutes Gespräch mit dem Sozialdienst und ein Telefontermin mit der Erziehungsberatungsstelle bringen mich wieder auf den Boden. Es ist klar, dass die Arbeit nun außerhalb der Klinik weitergehen muss. Ich bin (eigentlich) gut vorbereitet. Es macht sich wieder Vorfreude breit und schiebt die Angst in eine Ecke.

Den Abschied zelebriere ich. Ein letztes Mal Frühstücken hier und mit meinen Mitpatienten quatschen. Ein letztes Mal unsere übliche Spazierrunde in strahlendem Sonnenschein und begleitet von Vogelgezwitscher laufen. Ein letztes Mal zu dem Singen mit den Senioren. So viel Freude macht mir das. Das werde ich zuhause baldmöglichst aufgreifen und wieder in einen Chor gehen.
Immer wieder allen tschüss sagen und alles Gute wünschen. Und dann kommt er der Moment: ich bespreche gerade noch etwas mit den Pflegerinnen am Dienstzimmer als ich kleine Schritte höre. Ich schaue um die Ecke und da kommen sie. Vergessen ist sofort alles andere. Die kleinen Jungs rennen mir nacheinander in die Arme und wir sind einfach nur glücklich.

Bevor wir nachhause fahren gehen wir noch auf einen Spielplatz. Dann geht es heim.

Ich freue mich sooo wieder zuhause zu sein! Und wie die Kinder reagieren.
Ständig sind sie kuscheln gekommen und haben gefragt ob ich jetzt hier bleibe. Wir haben gespielt und rumgeblödelt. So richtig aus vollem Herzen. Das hat sich alles so gelohnt.
Der Große hat direkt eröffnet, dass er am Wochenende wieder zu seinem Papa fährt. Bzw. ob ich ihn hinfahren kann. Da war er die ganzen Wochenenden nicht, seit ich weg war. Er wollte mich sehen.

Dann hat der Mini hohes Fieber bekommen und wollte nur ins Bett. Ich hab ihn dann vor dem Abendessen noch hingelegt. Und auch wenn mir die Einschlafbegleitung nach fünf Jahren so ein bisschen auf den Senkel geht: man war das ein schönes Gefühl wie mein kleiner kleiner Sohn in meinen Armen eingeschlafen ist.
Ich kanns garnicht richtig beschreiben.
Wie ein wunderschönes Aufatmen von allen war das.

Das Gepäck steht noch herum. Wen störts. Das steht da morgen sicher auch noch..

Jetzt fängt die Arbeit erst richtig an....

Für meinen stationären Aufenthalt habe ich mir nach langem Überlegen doch das Buch: "Bindung ohne Burnout" von Nora Imlau gekauft.
Ich habe es noch nicht durch, habe aber schon viel daraus mitnehmen können.
Z.B. habe ich in der Ergotherapie eine Energieampel gebastelt. Ich spüre morgens, manchmal auch zwischendurch, kurz in mich rein und ermittele in welchem Energiezustand ich mich befinde. Jenachdem gestalte ich den Tag. Gehe eine extra runde spazieren, oder bleibe eine halbe Stunde länger auf unserer Bettspielewiese liegen. Zuhause wäre das dann z.B.: Die Kinder bei rot mit dem Auto zu bringen und abzuholen, damit ich meine Energie für andere Sachen habe als den Weg zum Kindergarten zu laufen. Ist doof, aber manchmal notwendig. Oder Nudeln mit Pesto zu kochen, statt dem Auflauf.

Auch stellte es mich vor die Frage: Welche Mama möchte ich sein? Aber auch: Welche Mama KANN ich sein?
Ich möchte immer frisch kochen. Ausgewogen, saisonal und am liebsten mit regionalen Lebensmitteln. Am liebsten würde ich noch Hühner halten und uns komplett selbst versorgen aus dem eigenen Garten.
Ich möchte meine Kinder am liebsten mit Stoffwindeln wickeln, um u.a. einen erheblichen Anteil an der Müllreduzierung beizusteuern. Ich würde am liebsten die Klamotten meiner Kinder selbst nähen. Und meine auch. Dann passt vielleicht endlich mal was. Ich würde die Mützen und Schals am liebsten selber stricken und die dicken Wollpullover. Aus so richtig flauschiger Wolle, die nicht kratzt und nicht nur so einen aberwitzigen Wollanteil von 5% hat.
Ich würde mein Baby gerne mit einer Mischung aus Blw und selbstgekochtem Brei in der Beikostphase versorgen. Und ich würde am liebsten keinen Moment im Leben meiner Kinder verpassen. Und das will ich nicht so machen, weil irgendjemand das so macht, sondern weil es mir Freude machen würde. Das Stricken, Brot backen und Nähen. Die frischen Eier aus dem Stall sammeln und den Salat aus dem Garten zu holen. Und weil ich schon auch denke, dass es für die Kinder sehr gut ist.

Manche schaffen das. Können das. Manche machen Teile davon. Oder nur einen.

Tja, die Realität ist aber leider die:
Nähen kann ich nur ein miniminibischen. Einen Beutel und Flicken z.B. Hühner haben wir keine und ich habe von der Haltung auch (noch) keine Ahnung. Ebenso verhält es sich mit dem Gemüseanbau. Ich muss mir das selbst beibringen. Und das dauert! Stricken kann ich, aber der Schal für den letzten Winter liegt angefangen in einem Beutel. Mein Baby bekommt Gläschenkost, was mir nach dem letzten Rückruf einer Gläschenmarke ein noch mulmigeres Gefühl gibt. Und meine Kinder bekommen hauptsächlich Second-Hand-Klamotten und werden wieder in Wegwerfwindeln gewickelt. Es fehlt einfach die Zeit. Die Zeit für gefühlt alles. Denn auch wenn das mit den Stoffwindeln so schön gerechnet wird: es kostet mehr Zeit als beim Einkaufen eine Packung Windeln mitzuholen. Wehmütig seh ich sie nun im Schrank liegen. Auch der Mini hat sie vermisst. Die Babylady wird sie wahrscheinlich nicht kennenlernen. Und ich bin keine Mama, die ihre Energie aus dem Zusammensein mit ihren Kindern zieht. Ich bin eine Mama, die Zeit für sich und ihren Körper alleine braucht um darüber Kraft für die Zeit mit meinen Kindern schöpfen zu können.

ABER, und das ist jetzt der wichtige Teil: darum gehts eigentlich nicht. Wir Mamas, und sicher auch die Papas, wollen das es unseren Kindern gut geht. Wir wollen alles so gut wie möglich machen. Am besten perfekt, aber das gibt es nicht. Und diesen Druck hat mir Nora Imlau mit ihrem Buch genommen. Ich habe gemerkt, dass ich mich da doch ganz schön verrannt habe. Man kann das alles machen, aber was das Kind eigentlich braucht und glücklich macht sind Eltern, die da sind, die Zeit haben, die ausgeglichen sind und nicht durch den Tag hetzen.
Klar kann das Kind bei diesen Sachen mitmachen. Aber letztendlich müssen es doch wir Erwachsenen tun. Und sich dieses Wissen und Können in der Babyzeit zu erarbeiten ist wohl einfach keine gute Idee.

Daher versuche ich mich aufs Wesentliche zu konzentrieren. Das klappt gerade nicht so gut, ist aber das Ziel. Und ich versuche mir meinen nun sechzehnjährigen Sohn anzusehen, der mit Gläschenkost gefüttert wurde, weil er das selbstgekochte nicht mochte. Der mit Wegwerfwindeln gewickelt wurde und nur einmal ein selbstgenähtes Kostüm bekommen hat. Dafür waren wir fast jeden Nachmittag auf dem Spielplatz, an Baustellen gucken, Wildschweine besuchen und haben die Welt zusammen entdeckt. Er ist ein toller junger Mann geworden.

Die Vollkornpizza ist egal und hat keinen nennenswerten Einfluss darauf wie die Beziehung zwischen mir und meinen Kindern ist. Es wird sie trotzdem immer wieder geben, weil sie einfach lecker und auch gesund ist. Aber es wird auch bestellte Pizza geben, wenn die Zeit mal wieder schneller ist als ich und ich nicht hinterherkomme oder einen miesen Tag habe.

Worauf ich hinaus will ist eigentlich, dass es für die Beziehung zwischen Eltern und Kind egal ist ob ich das Kind mit Gläschenkost oder Selbstgekochtem versorge. Ob ich es mit Stoff- oder Wegwerfwindeln wickel. Ob es einen selbstgestrickten oder gekauften Pullover trägt. Wichtig ist, dass es satt ist, gewickelt wird und angezogen ist. Und das wir uns einfach mal den Stress rausnehmen dürfen.

Dann kam das Wochenende und ich ging Bauchtanzen. 2 Stunden lang. Meine Hüfte ist jetzt so beweglich, da wird jeder Wackelpudding neidisch! Morgen werde ich bestimmt üblen Muskelkater haben. Aber es war toll! Nur ich und mein Körper, ganz für mich.
Danach gabs noch eine Kugel Eis in der Sonne und dann gings zurück nachhause zu drei kranken Kindern und meinem Mann.

Denn nun merke ich die Nacht ganz schön:
Um drei uhr war ich mit dem Baby wach. Der Mini wollte kurze Zeit später zu mir. Beide konnten nicht schlafen. Ich hätte schon gekonnt. Hatte ja erst drei Stunden mit Dauerstillen hinter mir. Dann mussten wir das Baby wickeln. Ich beschloss mit den Kids nach unten zu gehen. Ich hatte keine Lust mit zwei wachen Kindern im dunkeln rumzusitzen. Also gabs Sofa, Schokotoast und Bienendoku nachts um vier. Um kurz vor fünf kam der Midi runter und hatte hunger. Ich hielt mit Dösen und Powernaps bis acht durch. Das Baby wachte von jeder Bewegung auf, die Jungs waren wach. Dann weckte ich meinen Mann, dass wir tauschten mit Aufpassen und Schlafen. Irgendwann brachte er mir die Babylady. Sie brauchte unbedingt die Brust. Bis elf konnte ich immerhin nochmal schlafen und stand etwas erholter auf.
Alle sind irgendwo im Haus nochmal eingeschlafen. War irgendwie witzig. Nach und nach wurden alle wach und ich überlegte ob ich überhaupt zum Bauchtanzkurs fahren sollte. Mein Mann bestärkte mich zum Glück. Ich wäre fast eingeknickt und hätte abgesagt. Jetzt freue ich mich, dass ich das gemacht habe und hab auch wieder Lust Bücher vorzulesen, zu Kuscheln und zu Stillen.

Entscheidungen fallen mir nämlich gerade noch sehr schwer. Auch habe ich gemerkt, dass ich mich selbst ganz schön vernachlässige und immer leicht zu meinem Nachteil einknicke, zurückstecke und dergleichen. Das will ich ändern, ist aber garnicht so leicht.

Nun ist heute schon Muttertag. Über die Zwischenzeit mit unserem Kranksein schreibe ich im nächsten Beitrag. Eigentlich wollte ich heute ins Kino gehen. Alleine. Aber ich hab noch so furchtbaren Husten. Das wär nix. Dafür hatte ich einen ruhigen schönen Tag zuhause. Brötchen und Erdbeeren zum Frühstück, ein langes entspanntes Bad ganz alleine mit meinem Buch, gekauften Kuchen und ich hab mit dem Ninja den Bosskampf geschafft, womit wir unser erstes Spiel zuende gezockt haben.
Ich finds nämlich irgendwie nicht richtig, dass die Väter traditionell auf Tour gehen und für uns Mütter traditionell ein Blumenstrauß und ne Kaffeerunde oder nettes Frühstück den Muttertag ausmacht. Da brachte mich letztes Jahr eine Freundin drauf. Da ist es Zeit für neue Traditionen, damit der Muttertag auch schön für mich wird. Da werden in Zukunft also kleine bis große Abenteuer geplant. Vielleicht frag ich nächstes Jahr eine befreundete Mama ob wir mit Aperitifs Kanu fahren wollen. Den ganzen Tag. Wir alleine! Das stelle ich mir lustig vor. Dieses Jahr geht das mit dem Stillen in doppelter Hinsicht noch nicht.
Das werden super schöne Tage....!

Dir liebe Mama: Alles Liebe und Gute zum Muttertag! Vielleicht ist es dein erster... vielleicht dein Fünfter... oder dein 28.
Zeit zum Genießen deines Mutterseins wünsche ich dir. Denn neben allen vollen Windeln, Wutanfällen, dem Ignioriert werden, angekotzt, angemotzt und übersehen werden ist es (zum Glück) auch einfach immer wieder nur schön! Wenn sich die kleinen Arme um dich legen, dir eine Blume wo hingelegt wird, oder dir dein Kind sagt, dass es dich lieb hat. 10.000 und noch mehr. Bis zum Mond und wieder zurück. Das es NUR DICH lieb hat und ihr immer Freunde sein werdet. Wenn du in seinem Blick siehst, dass du die Welt für dein Kind bist. Diese Momente zu atmen, zu sehen, zu genießen und wahrzunehmen. Das wünsche ich dir.

So, und nun ist Schluss für diese Woche. Ich wünsche euch schöne kurze Arbeitswochen, schöne lange Wochenenden und viel wunderbare Zeit mit der Familie. Und Zeit für euch ganz alleine, in der ihr tun könnt was euch gut tut und euch auflädt.

Machts euch hübsch und viele Grüße von
Anna



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In diesem Beitrag geht's um:

Abschied von der Psychiatrie, Bindung ohne Burnout von Nora Imlau, Muttertag, Mama sein