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Geburtsbericht einer stillen Geburt - Tagebücher aus der Schwangerschaft von Kinderwunsch: Desiree aus Schwarzheide

Eine neue wunderbare, aufregende und vielleicht auch lang erwartete Lebenszeit beginnt. Für unsere Tagebücher-Blogs haben wir immer 3-4 schwangere Frauen in unterschiedlicher Schwangerschaftsphase, die in freudiger Erwartung über jede Woche dieser spannenden Zeit schreiben, uns und die vielen tausend Follower:innen daran teilhaben lassen und damit unvergessliche Momente schaffen.

0. Schwangerschaftswoche

Geburtsbericht einer stillen Geburt

Geburtsbericht unserer stillen Geburt

Triggerwarnung - hier wird ausführlich über eine Stille Geburt berichtet

Es ist Montag, der 13.07.2026.

Wir haben die Kids zu meiner Schwester gebracht und sind im Krankenhaus angekommen.

Zunächst mussten wir einiges an Papierkram ausfüllen und Aufklärungsbögen unterschreiben. Schlussendlich mussten wir bis 16 Uhr warten.

Um 16 Uhr bekam ich die erste Einleitungstablette.

Ich hatte Angst vor der Einleitung. Jeder Körper reagiert anders darauf. Manche berichten von Wehenstürmen und eher negativen Erfahrungen. Vielleicht war es keine wirkliche Angst, aber ich hatte definitiv Respekt davor.

Die erste Tabletteneinnahme war sehr komisch. Ich konnte sie kaum nehmen. Das Wissen, dass damit das Ende meiner Schwangerschaft eingeleitet und nun die Geburt meines verstorbenen Kindes angestoßen wurde, war kaum auszuhalten.

Nach der Einnahme musste ich eine Stunde zur Blutdruckkontrolle bleiben.

Mein Körper reagierte gut auf die Einleitung und so traten bereits eine Stunde nach der Tablette die ersten Wehen auf. Unregelmäßig, meistens als Doppelwehe, aber überhaupt nicht schmerzhaft.

Wir gingen dann in den Krankenhauspark und meine Schwester kam noch einmal mit den Kids vorbei. Es tat wahnsinnig gut, sie zu sehen und in den Arm zu nehmen.

Mein Ältester hatte einige Fragen und so konnten wir mit ihm alles besprechen und klären. Mein großer Sohn und meine kleine Tochter hatten beide die Möglichkeit, nach der Geburt ihren kleinen Bruder kennenzulernen. Im Park sagte meine Tochter sofort, dass sie ihren Bruder dann sehen möchte. Doch der Große haderte etwas. Er hatte Angst davor, wie sein kleines Geschwisterchen aussehen würde, und war sich noch nicht ganz sicher.

Das war vollkommen in Ordnung. Ich sagte ihm, dass es egal ist wie er sich entscheidet und versuchte, ihm etwas die Angst zu nehmen.

Gegen 19:45 Uhr verabschiedeten wir uns, da ich zur nächsten Tabletteneinnahme um 20 Uhr wieder auf Station sein musste.

Um 20 Uhr bekam ich also die nächste Tablette und Abendbrot. Danach gingen wir duschen und schlafen.

Wir bekamen ein Familienzimmer, sodass mein Partner die ganze Zeit bei mir im Krankenhaus bleiben konnte. Allein zu sein, hätte ich mir auch nicht vorstellen können.

Damit sich die Einleitung nicht unendlich in die Länge zieht, beschlossen wir gemeinsam mit den Hebammen, die Einleitung auch in der Nacht weiterlaufen zu lassen. So bekam ich um 24 Uhr und um 4 Uhr nachts die nächsten Tabletten. Früh um 6 Uhr wachte ich dann auf.

Ich hatte weiterhin Wehen, mit denen ich sehr gut umgehen konnte. Ich hatte mich sowohl bei meiner Tochter als auch in dieser Schwangerschaft mit der „Friedlichen Geburt“ vorbereitet und das half mir wirklich sehr. Ich hatte keinerlei Schmerzen.

Nach dem Frühstück (14.07.2026) kam die Hebamme und wollte einmal vaginal untersuchen, ob die Wehen auch wirksam waren. Zu diesem Zeitpunkt kamen sie bereits in einem Abstand von etwa drei bis fünf Minuten.

Der Gebärmutterhals war fast verstrichen und der Muttermund etwa zwei Zentimeter geöffnet.

Die Hebamme überlegte nun, auf einen Ballonkatheter umzusteigen. Da meine Wehen aber doch recht häufig kamen und ich nach wie vor immer zwei Wehen direkt hintereinander hatte, beließen sie es schließlich bei den Einleitungstabletten.

Auch zu diesem Zeitpunkt hatte ich keinerlei Schmerzen.

Ungefähr im gleichen Zeitraum sprach die Hebamme das Eröffnen der Fruchtblase an. Bei meinen beiden vorherigen Geburten war das Eröffnen der Fruchtblase immer das, was die Geburt so richtig in Gang gebracht hatte. Doch wir benötigten noch etwas Zeit.

Gegen 12 Uhr stimmten wir dem Eröffnen dann zu, wollten nun aber in den Kreißsaal wechseln. Bis dahin waren wir die ganze Zeit auf unserem Zimmer gewesen.

Die Hebammen informierten uns darüber, dass es im Kreißsaal extra einen Raum für stille Geburten gibt, wir aber auch in einem normalen Kreißsaal entbinden können. Sie wollten vermeiden, dass der Kreißsaal für eventuelle weitere Geburten negativ belastet wird.

An dieser Stelle möchte ich einmal erwähnen, dass wir wirklich jede einzelne Entscheidung selbst treffen konnten. Die Hebammen waren sehr bedacht darauf, dass alles genau so verläuft, wie wir es uns wünschen.

Wir schauten uns zunächst den Raum für die stillen Geburten an. Dieser war sehr neutral gehalten, eigentlich wie ein typisches Patientenzimmer. Aber er kam mir kühl und traurig vor. Wir besichtigten dann auch noch einmal den Kreißsaal. Dieser war in warmen Gelbtönen gehalten, mit gemalten griechischen Säulen in den Ecken und einem Sternenhimmel an der Decke. Ich fühlte mich direkt wohl. Es war warm, gemütlich und einladend. Daher entschieden wir uns, in einem normalen Kreißsaal zu entbinden.
Und auch jetzt, rückblickend, war das die richtige Entscheidung. Ich würde es immer wieder genauso machen. Unser Anspruch war, unseren Sohn dennoch auf normale und natürliche Art und Weise auf die Welt zu bringen.

Im Kreißsaal wurde dann die Fruchtblase geöffnet. Dieser Moment fiel mir unglaublich schwer. Als ich merkte, dass es geschah, begann ich zu weinen. Ich glaube, in diesem Augenblick wurde mir bewusst, dass die Geburt nun wirklich nicht mehr aufzuhalten war und unser Sohn definitiv auf die Welt kommen würde. Es war ein Moment des Begreifens.

Wie zu erwarten, kam die Geburt danach richtig in Gang.

Mein Partner koppelte sich mit dem Radio im Kreißsaal und von da an lief bis zu dem Moment, als wir das Krankenhaus verließen, Enya im Hintergrund. Jeder, der Enya kennt, weiß, dass das eine sehr ruhige und entspannte Musik ist. Über den Diffuser hatte die Hebamme einen Zitronen-Ingwer-Duft angemacht. Ich konzentrierte mich auf mich und war sehr bei mir.

Die Wehen nahmen an Intensität zu. Doch ich konnte dennoch sehr gut mit ihnen umgehen und hatte weiterhin keine Schmerzen. Die Hebamme bot mir immer wieder Schmerzmittel an, aber ich benötigte sie nicht. Die meiste Zeit stand ich oder saß auf dem Gymnastikball.

Gegen 16 Uhr begannen dann die ersten Schmerzen. Doch nicht die Wehen an sich taten weh, sondern mein unterer Rücken. Durch das Verkrampfen während der Wehen konnte sich meine Rückenmuskulatur in den Pausen nicht ausreichend entspannen. Und so hatte ich während der Wehen wirklich Schmerzen im unteren Rückenbereich, weil die Muskeln dort einfach sehr verkrampft waren. Ich hatte das Gefühl, während der Wehen nicht stehen zu können. Doch im stehen konnte ich die Wehen am besten veratmen.

Zu diesem Zeitpunkt kam ich dann auch an einen kritischen Moment. Während einer Wehe bemerkte ich, dass sich mein Mindset veränderte. Ich begann zu grübeln und rutschte in die Phase, in der ich dachte, dass ich das nicht mehr schaffe. In den ersten Wehen sagte ich mir noch, dass das normal ist. Die meisten Frauen kommen in eine kritische Phase, wenn sie in die Übergangsphase kommen, also kurz bevor die Austreibungsphase beginnt.
Ich sagte mir deshalb immer wieder, dass das normal ist und jetzt bald die Austreibungsphase beginnen würde. Dasselbe dachte wohl auch die Hebamme, denn sie fragte mich, ob sie noch einmal den Muttermund kontrollieren dürfe. Die Untersuchung ergab vier bis fünf Zentimeter. Und da brach ich zusammen.
Meine Hoffnung auf die baldige Austreibung erlosch und ich begann zu zweifeln. Ich sagte, dass ich das nicht mehr lange schaffe. Ich wusste nicht, wie ich das noch länger aushalten sollte – mit dem Wissen, dass ich nicht mit einem lebenden, gesunden Kind belohnt werden würde. Doch mein Partner war bei mir und gab mir Mut. Ich probierte verschiedene Positionen aus. Zum Beispiel im Viefüßler auf dem Bett. Ich ließ mir dann Buscopan geben, was mir in den Spitzen der Wehen wirklich half.

Ich dachte schon eine Weile darüber nach, dass ich gerne in die Badewanne wollte, hatte mich aber die ganze Zeit nicht getraut zu fragen. Warum, wusste ich selbst nicht.

Gegen 17 Uhr konnte ich jedoch nicht mehr und fragte nach einem Entspannungsbad.
Die Hebamme ging sofort und bereitete alles vor. In der Badewanne nickte ich während der Wellen immer wieder ein. Rückblickend sammelte mein Körper wohl noch einmal Energie, denn nur eine halbe Stunde später kam ich wieder aus der Wanne und die Austreibung begann.

Also gingen wir zurück in unser Kreißsaalzimmer, wo ich kurze Zeit später selbstbestimmt und friedlich, in meinem eigenen Tempo, anfing zu pressen.

Und um 17:59 Uhr erblickte unser Sohn friedlich und still das Licht der Welt.

Wir können sagen, dass wir trotz all der Umstände eine wunderschöne Geburt erleben durften. Und das ist etwas unglaublich Heilsames in dieser Zeit, denn auf dieses Ereignis können wir wenigstens positiv zurückblicken.
Ich bin der festen Überzeugung, dass wir mit der Verarbeitung noch viel mehr zu tun hätten, wenn die Geburt nicht so verlaufen wäre. Abgesehen von der Schwangerschaft ist die Geburt das einzige gemeinsame positive Erlebnis, das uns mit unserem Sohn geschenkt wurde.
Und dafür sind wir unglaublich dankbar.

P.S.: Wir sind gut aus dem Urlaub wieder nachhause gekommen und konnten etwas runterkommen.

P.S.: Wenn ihr Fragen oder Bemerkungen habt, lasst es mich gern wissen, ich gehe gern auf diese ein

Bis ganz Bald

Desi

Tagebuch Kinderwunsch: Desiree



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