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Der Tag, der alles veränderte... - Tagebücher aus der Schwangerschaft von Kinderwunsch: Desiree aus Schwarzheide

Eine neue wunderbare, aufregende und vielleicht auch lang erwartete Lebenszeit beginnt. Für unsere Tagebücher-Blogs haben wir immer 3-4 schwangere Frauen in unterschiedlicher Schwangerschaftsphase, die in freudiger Erwartung über jede Woche dieser spannenden Zeit schreiben, uns und die vielen tausend Follower:innen daran teilhaben lassen und damit unvergessliche Momente schaffen.

0. Schwangerschaftswoche

Der Tag, der alles veränderte...

Wie wir vom Tod unseres Babys erfahren haben.

Sonntag, 12.07.2026:

Ich wache früh auf und erzähle meinem Partner direkt von meinem Traum.

In diesem Traum musste unser Sohn, mit dem ich mich zu diesem Zeitpunkt in der 32+1 Schwangerschaftswoche befand, vorzeitig auf die Welt geholt werden. Im Traum war ich in derselben Schwangerschaftswoche wie auch in Wirklichkeit. Warum die Schwangerschaft vorzeitig beendet werden musste, war nicht ersichtlich. Fest stand nur: Unser Sohn musste per Kaiserschnitt geholt werden.
Nachdem er auf die Welt geholt worden war, ging es ihm gut. Er benötigte keine Unterstützung bei der Atmung und alles war in Ordnung.

Nachdem ich meinem Partner von diesem Traum erzählt hatte, fühlte ich mich irgendwie unwohl.

Unser Sohn war in den vergangenen Wochen jeden Morgen gemeinsam mit mir wach gewesen und hatte mich, mit seinem morgendlichen Getrampel in meinem Bauch, begrüßt.

An diesem Morgen nicht.

Mein Gefühl sagte mir eigentlich schon da, dass etwas nicht stimmte.
Doch ich versuchte, mich zu beruhigen.

Mittags um 12 Uhr musste mein Partner zur Arbeit. Da weinte ich das erste Mal, weil ich es so komisch fand, nichts von unserem Baby zu spüren.

Doch für unseren Sohn war das nicht völlig untypisch. Es gab immer zwei oder drei Tage in der Woche, an denen er sehr inaktiv war. Also versuchte ich weiterhin, mich zu beruhigen.
Babys haben Wachstumsphasen und schlafen dann auch mal besonders viel. In dieser Schwangerschaftswoche ist es außerdem nicht ungewöhnlich, dass Babys ruhiger werden, weil sie immer weniger Platz haben. Sie machen sich schließlich bereit für die Geburt.
Und wenn ich ganz ehrlich bin, wollte ich auch nicht die überängstliche Schwangere sein, die wegen jeder Kleinigkeit ins Krankenhaus rennt und am Ende vielleicht belächelt wird, weil das Baby einfach nur einen ruhigen Tag hatte.

Das war eine meiner größten Ängste.
Denn für mich gibt es kaum etwas Schlimmeres, als jemandem Umstände zu bereiten oder das Gefühl zu haben, anderen zur Last zu fallen.

Ich schrieb meiner großen Schwester, um mich ein wenig zu beruhigen.
Ich glaube, es war gegen 16:30 Uhr, als meine Schwester mit ihrem Mann und den Kindern bei mir vorbeikam, um mich etwas abzulenken.
Doch auch das half nicht.

Irgendwann überwand ich meine Angst und meine große Schwester begleitete mich ins Krankenhaus.
Nachdem ich mich in der Notaufnahme angemeldet hatte, rief ich noch schnell meinen Partner an, um ihm Bescheid zu geben. Von seiner Arbeitsstelle war es nicht weit bis zum Krankenhaus und er saß bereits im Auto.

Es muss also ungefähr 21:30 Uhr gewesen sein.
Gemeinsam mit meiner Schwester lief ich hoch auf die Geburtenstation.
Dort wurde ich in ein Zimmer gebracht, um ein CTG zu schreiben.

Als die Hebamme keine Herztöne fand, brach ich das erste Mal richtig in Tränen aus.
Ich weiß noch genau, wie ich sagte:
„Oh Gott, ich glaube, ich kriege Panik.“
Währenddessen liefen mir bereits die Tränen über das Gesicht und ich konnte kaum atmen.

Die Hebamme versuchte, mich zu beruhigen. Ich war nicht die schlankste Person und dadurch konnte es manchmal etwas schwieriger sein, die Herztöne zu finden.
Aber ich hatte erst am Mittwoch zuvor ein CTG gehabt. Da waren die Herztöne unseres Sohnes innerhalb von Sekunden gefunden worden.
Die Hebamme holte deshalb eine weitere Hebamme zur Unterstützung.
Zwischendurch fanden sie einen Herzschlag. Allerdings wurde relativ schnell vermutet, dass es mein eigener Puls war.
Daraufhin wurde umgehend der diensthabende Arzt informiert und ich direkt ins Ultraschallzimmer gebracht.

Im Ultraschall sah ich sofort, dass unser kleiner Abenteurer sich nicht bewegte.
Und genau das war sonst immer das Erste, was man bei ihm sah. Er bewegte sich. Viel.
Diesmal jedoch nicht.

Der Arzt schallte lange.
Die Hebamme versuchte mich immer wieder zu beruhigen, da es sonst die Untersuchung erschwerte.

Doch letztendlich blieb dem Arzt nichts anderes übrig, als den Tod unseres wunderbaren Jungen festzustellen. (IUFT)
Ich glaube, ich habe noch nie in meinem Leben so geweint wie an diesem Abend.
Ich weiß nicht einmal, ob das überhaupt noch Weinen war.
Ich konnte nicht begreifen und realisieren was da passierte.

Ich weiß noch, dass meine Schwester vor der Tür des Untersuchungszimmers stand und alles mitbekommen hat.
In Gesprächen danach erzählte sie mir, dass sie teilweise noch immer von meinem Weinen träumt.
Ich glaube, auch sie ist von diesem Abend etwas traumatisiert.

Kurze Zeit später kam mein Partner dazu.
Ich konnte ihm gar nicht sagen, was passiert war, weil ich nur weinte.
Irgendwann schaffte ich es dann.
Er nahm mich die ganze Zeit in den Arm.
Zu diesem Zeitpunkt stand er, glaube ich, selbst völlig unter Schock und begriff vermutlich gar nicht richtig, was ich ihm gerade sagte.

Meine größten Gedanken und Ängste galten in diesem Moment unseren Kindern.
Wie sollten wir ihnen sagen, dass ihr Bruder, auf den sie sich so unfassbar gefreut hatten, gestorben war?
Ich wusste nicht, wie ich es überhaupt schaffen sollte, es irgendjemandem zu sagen.

Später kam auch meine Schwester wieder zu uns. Sie hielt mich lange im Arm und war einfach für mich da.
Die Hebammen und Ärzte ließen uns Zeit und den nötigen Raum.
Irgendwann kam dann der Oberarzt, der erneut einen Ultraschall machte und den Tod unseres Sohnes ebenfalls bestätigte.

Wir hatten anschließend die Wahl, ob wir direkt im Krankenhaus bleiben oder am nächsten Tag wiederkommen wollten.
Die Hebammen sagten uns, dass wir uns so viel Zeit lassen sollten, wie wir benötigten.

Ich wollte nur nach Hause.
Zu meinen Kindern.
Ich wusste, wenn wir jetzt nicht wiederkommen würden, würden sie sofort merken, dass etwas passiert war. Und ich wollte es ihnen selbst sagen und für sie da sein.
Außerdem brauchte ich meine Kinder einfach in meinen Armen.

Also holten wir sie bei meiner Schwester ab und fuhren nach Hause.
Ich glaube, es war mittlerweile etwa 0:30 Uhr.
Zu Hause erzählten wir unserem Großen, was passiert war.
Unsere Kleine war inzwischen eingeschlafen, deshalb erzählten wir es ihr am nächsten Morgen.

Beide waren traurig und weinten, als sie erfuhren, dass ihr Bruder gestorben war. Trotzdem nahmen sie die Nachricht vergleichsweise gut auf.

Nach dem Krankenhaus hatte ich bereits viele Wehen.
Ich dachte, dass mein Körper vielleicht selbst schon realisiert hatte, was passiert war, und die Geburt von alleine einleitete.
Doch am nächsten Tag hatte sich alles wieder beruhigt.

Mein Partner rief früh am 13.07.2026 im Krankenhaus an und teilte mit, dass wir uns auf den Weg machen würden, um die Geburt einzuleiten.
Auch dort vergewisserte sich die Hebamme noch einmal, ob wir uns wirklich sicher waren und das wir uns zu nicht gedrängt fühlen sollten.

Wir gaben die Kinder wieder bei meiner Schwester ab, weil ich wusste, dass sie dort emotional am besten aufgefangen werden konnten.
Und dann machten wir uns auf den Weg ins Krankenhaus.

So bis hierhin erst einmal.

Dieser Beitrag war gar nicht leicht zu schreiben.
Das alles noch einmal Revue passieren zu lassen, war unglaublich schwer.
Wenn ich mir die Ereignisse ins Gedächtnis rufe, habe ich manchmal das Gefühl, ich erzähle von einer anderen Person.
Als wäre es gar nicht uns passiert.
Obwohl es zu diesem Zeitpunkt erst etwas mehr als 3 Wochen her ist.
Als hätte ich daneben gestanden und alles nur beobachtet.
Ganz merkwürdig.
Es kann auch sein, dass die Abläufe an der einen oder anderen Stelle etwas durcheinandergeraten sind.
Manchmal ist es unglaublich schwer, alles in die richtige zeitliche Reihenfolge zu bringen. Man befand sich in einer absoluten Ausnahmesituation. Man war da und hat alles mitbekommen und irgendwie stand man dennoch so neben sich, dass man das alles gar nicht so realisieren konnte. Man hat nur funktioniert und dennoch fühle ich mich rückblickend so, als hätte ich in dieser Situation meinen Körper verlassen und von außen zugeschaut.
Ich weiß nicht ob man verstehen kann was ich meine.

Im nächsten Beitrag wird es dann um die Geburt gehen.

Wir sind jetzt vom 09. bis 14.08.2026 spontan im Urlaub, um mit den Kindern einmal etwas rauszukommen.
Bei uns sind gerade Ferien und direkt in der ersten Ferienwoche ist unser kleiner Abenteurer verstorben. Unsere Kinder hatten dadurch nicht gerade viel von ihren Ferien.
Ein Tapetenwechsel wird uns deshalb sicherlich guttun.
Das bedeutet allerdings auch, dass es sein kann, dass in dieser Zeit keine Beiträge folgen. Ich weiß nicht, wie das Internet vor Ort sein wird und ob ich die Möglichkeit haben werde, zu schreiben.

Ansonsten hören beziehungsweise lesen wir uns, wenn wir wieder zu Hause sind.

Bis ganz bald

Desi



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