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Abschied nehmen... - Tagebücher aus der Schwangerschaft von Kinderwunsch: Desiree aus Schwarzheide

Eine neue wunderbare, aufregende und vielleicht auch lang erwartete Lebenszeit beginnt. Für unsere Tagebücher-Blogs haben wir immer 3-4 schwangere Frauen in unterschiedlicher Schwangerschaftsphase, die in freudiger Erwartung über jede Woche dieser spannenden Zeit schreiben, uns und die vielen tausend Follower:innen daran teilhaben lassen und damit unvergessliche Momente schaffen.

Abschied nehmen...

So haben wir uns verabschiedet

Hey Leute,

am Wochenende war es so weit. Wir haben unseren Sohn beerdigt. Jedenfalls symbolisch.

Denn wir haben uns bewusst gegen eine klassische Bestattung auf dem Friedhof entschieden.

Ich selbst hatte große Angst davor, unseren Sohn auf einem Friedhof beerdigen zu müssen. Die Vorstellung, dass man im typischen Alltagsstress vielleicht nicht immer die Zeit findet, so oft zum Grab zu gehen, wie man es eigentlich möchte, hat mich sehr belastet. Auch unser großer Sohn hatte Angst davor, nicht jederzeit zu seinem Bruder gehen zu können, wenn er ihn braucht, und dabei immer ein Stück weit von uns abhängig zu sein.

Und auch ich wusste, dass ich mich auf einem Friedhof vermutlich nicht so frei fühlen würde, mit meinem Sohn zu sprechen, wie ich es gerne möchte.

Am 12.07.2026 haben wir vom Tod unseres Sohnes erfahren.

Einen Tag zuvor war mein Partner bei unserem älteren Nachbarn. Dieser zeigte ihm das Grab seines verstorbenen Hundes und erzählte, dass er sich irgendwann vorstellen könne, bei seinem Hund auf seinem Grundstück beerdigt zu werden.

Mein Partner staunte nicht schlecht und fragte, wie das überhaupt möglich sein sollte.

Da erzählte unser Nachbar von einer Baumbestattung.

Mein Partner und später auch ich hörten davon zum ersten Mal.

Als wir dann vom Tod unseres Sohnes erfuhren, erzählte mein Partner mir davon. Und irgendwie fand ich diese Art der Bestattung wunderschön. Also begannen wir, uns darüber zu informieren.

Denn eine solche Bestattung gibt es in dieser Form in Deutschland noch nicht.

Es war unglaublich schwer, überhaupt an Informationen zu kommen. Die Möglichkeit, dies beispielsweise in den Niederlanden oder der Schweiz zu organisieren, erschien uns zu kompliziert und zu risikoreich. Auch Bestattungsunternehmen, die so etwas anbieten, fanden wir kaum.

Bis auf eines.

Es war ausgerechnet das Bestattungsunternehmen direkt gegenüber von dem Krankenhaus, in dem wir unseren Sohn entbunden haben.

Die Website war übersichtlich, modern und dort fanden wir die Bestattungsform „Tree of Life“.

Bei dieser Form der Bestattung wird die Asche in die Niederlande gebracht, dort mit Mutterboden vermischt und gemeinsam mit einem Baum der eigenen Wahl eingepflanzt. Wenn der Baum nach etwa 6–9 Monaten eine bestimmte Größe erreicht hat, bekommt man ihn zugeschickt und kann ihn bei sich zu Hause einpflanzen.

Zwei Tage nach unserer Entlassung fuhren wir zum Bestattungsunternehmen, um alles zu organisieren.

Dort erzählte uns die Bestatterin von einer weiteren Möglichkeit: der Naturbestattung in Tschechien.

In Tschechien gibt es ein deutsches Ehepaar, das mit verschiedenen Bestattungsunternehmen zusammenarbeitet.

In Tschechien, den Niederlanden und der Schweiz gelten andere gesetzliche Regelungen für Bestattungen als bei uns in Deutschland.

Bei der Naturbestattung in Tschechien bekommt man die Urne des verstorbenen Menschen zunächst ausgehändigt. Man kann sie mit nach Hause nehmen und sich in aller Ruhe die Zeit nehmen, die man für den Abschied und die eigene Trauer braucht.

Wenn man sich verabschiedet hat, wird die Urne zurückgebracht und die Asche anschließend in einem Naturgebiet verstreut.

Zu wissen, dass unser Sohn auf diesem Weg nach Hause kommen und während unseres Trauer- und Abschiedsprozesses bei uns sein kann, fanden wir unglaublich tröstlich.

Um unserem Sohn dennoch eine Art Trauerfeier zu ermöglichen und uns gemeinsam mit unserer Familie von ihm zu verabschieden, haben wir in unserem Garten einen Gedenkplatz für ihn errichtet.

Einen Ort, der für immer mit unserem Sohn verbunden sein wird.

Einen Ort, an den wir jederzeit gehen können. An dem wir mit ihm sprechen können. An dem wir uns zurückziehen können, ohne uns eingeengt oder beobachtet zu fühlen.

Diese symbolische Beerdigung fand am Samstag, den 05.09.2026, statt.

Es war gleichzeitig sein errechneter Entbindungstermin. Das ist mir allerdings erst später bewusst geworden.

Wir hatten unsere gesamte Familie eingeladen.

Im Hintergrund lief die Musik, die wir auch bei seiner Geburt gespielt hatten: Enya.

Gemeinsam pflanzten wir eine Trauerweide. Unter ihr haben wir seine Plazenta beigesetzt.

Anschließend lasen mein Partner und ich gemeinsam die Rede vor, die ich für diesen Tag geschrieben hatte.

Um die Stimmung danach wieder ein kleines bisschen aufzulockern, bemalten wir gemeinsam Steine für den Gedenkplatz unseres Sohnes.

Die Steine hatte ich vorher selbst gegossen.

Es sind wunderschöne Exemplare mit ganz besonderen und tiefgründigen Botschaften entstanden. Jeder Stein erzählt auf seine eigene Weise von unserem Sohn und davon, was er uns bedeutet.

Es war trotz allem ein schöner Tag.

Und wir sind dankbar, jetzt diesen besonderen Platz in unserem Garten zu haben.

Einen Platz, der uns mit unserem Sohn verbindet.

Einen Platz, an den wir uns zurückziehen können.

Einen Platz, an dem wir mit ihm reden können.

Und irgendwie fühlt es sich dadurch ein Stück weit so an, als wäre er bei uns.

Meine Kolleginnen hatten uns außerdem eine Sternentaufe geschenkt.

Wenn ich heute an dem Gedenkplatz unseres Sohnes stehe und in den Himmel schaue, sehe ich das Sternbild – und darin seinen Stern.

Seinen Stern.

Den Stern, der nach ihm benannt wurde.

Und das ist wunderschön.

Es gibt mir das Gefühl, dass er immer bei uns ist. ❤️

Fühlt euch gedrückt.

Desi

Tagebuch Kinderwunsch: Desiree

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Trauer, Sternenkind, Abschied nehmen, Stille Geburt, 33. Schwangerschaftswoche,