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Die Zeit nach der stillen Geburt - Part2 - Tagebücher aus der Schwangerschaft von Kinderwunsch: Desiree aus Schwarzheide

Eine neue wunderbare, aufregende und vielleicht auch lang erwartete Lebenszeit beginnt. Für unsere Tagebücher-Blogs haben wir immer 3-4 schwangere Frauen in unterschiedlicher Schwangerschaftsphase, die in freudiger Erwartung über jede Woche dieser spannenden Zeit schreiben, uns und die vielen tausend Follower:innen daran teilhaben lassen und damit unvergessliche Momente schaffen.

0. Schwangerschaftswoche

Die Zeit nach der stillen Geburt - Part2

Die erste Zeit der Trauer zuhause

Hey Leute,

im letzten Beitrag sind wir zeitlich beim Verlassen des Krankenhauses stehen geblieben.

Wir sind also am 15.07.2026 entlassen worden. Und die gesamte erste Woche war wirklich intensiv.

Die ersten Tage habe ich mich nur schlecht gefühlt. Ich hatte stets das Gefühl, dass mich etwas erdrückt. Wie eine schwarze Wolke, die mich komplett eingehüllt hat, oder wie ein schwarzer Mantel, der auf meinen Schultern lastet und mich nicht atmen lässt.

Manchmal saß ich einfach nur am Tisch und starrte ins Leere, als wäre ich gar nicht in meinem eigenen Körper. Und manchmal brach ich einfach zusammen.

Ich weiß, dass mein Partner mich teilweise an die Hand nahm und ins Bett brachte oder unter die Dusche. Wie ferngesteuert, weil ich selbst nicht dazu in der Lage war.

Am 16.07.2026 mussten wir dann noch einmal zum Bestattungsunternehmen, um alles zu unterschreiben und zu veranlassen. Am selben Tag war ich auch bei der Krankenkasse, um einen Antrag auf Mutterschutz zu stellen. Der Gedanke, wieder arbeiten zu gehen, hat mich wahnsinnig gemacht und ich wollte geklärt haben, wie lange mir Mutterschutz zusteht. Doch selbst vor Ort konnte man mir diese Frage nicht beantworten.

Mein Partner ließ sich für zwei Wochen krankschreiben. Und in diesen zwei Wochen konnte ich auch nicht alleine bleiben. Egal, wo er hinwollte – ich war wie sein kleiner Schatten.

In diesen zwei Wochen bekamen wir viel Besuch. Allein sein wollten wir nicht, denn dann kam man nur zu sehr ins Grübeln. Und in dieser Zeit hat sich wirklich gezeigt, was wir teilweise für tolle Menschen um uns haben.

Von vorgekochtem Essen, das auf die Terrasse gestellt wurde, über verschiedenste Aufmunterungen bis hin zu Menschen, die 300 km zu uns gefahren sind, um einfach zuzuhören – es war alles dabei.

Wir sind unendlich dankbar für die Menschen, die für uns da waren und nach wie vor für uns da sind.

Nicht alleine zu sein und eigentlich täglich darüber zu reden, was passiert ist, war sehr heilsam.

Es hat unseren Sohn am Leben gehalten und real gemacht. Denn manchmal habe ich mich gefragt, ob all das wirklich passiert ist oder ob ich vielleicht nur geträumt habe, das ich überhaupt schwanger war.

Unsere Kinder haben auch maßgeblich dazu beigetragen, dass wir schnell wieder in den Alltag gefunden haben. Durch sie konnten wir uns nicht einfach hängen lassen, denn der Tag musste für sie ja weitergehen.

Die zwei Wochen zogen ins Land und mein Partner ging wieder arbeiten. Das war schon eine Herausforderung für mich.

Bis dahin hatte ich noch nicht die Kita betreten. Ich arbeite in derselben Kita, in der auch meine Kinder betreut werden. Und auch jetzt, fast sechs Wochen später, ist das Betreten der Kita nach wie vor eine Herausforderung für mich. Warum genau, weiß ich selbst nicht.

Mein Partner war dann eine Woche arbeiten und hatte anschließend direkt drei Wochen Urlaub. In dieser Zeit waren wir an der Ostsee und im Trainingslager und nun ist bereits die erste Schulwoche wieder um.

Ob es mir mittlerweile wieder gut geht?

Nein. Mir geht es nicht gut.

Aber mir geht es auch nicht dauerhaft schlecht.

Ich habe gute Momente, gute Tage, aber eben auch schlechte Momente und schlechte Tage.

Nach wie vor spreche ich viel über unseren Sohn, schreibe hier darüber und habe nun angefangen, auch bei TikTok darüber zu sprechen.

Es ist furchtbar, wie viele Frauen davon betroffen sind. Und irgendwie ist es gleichzeitig auch tröstlich, nicht allein zu sein.

Diese Frauen verstehen mich, meine Gedanken und meine Gefühle. Und ich verstehe sie.

Man ist nicht allein.

Am Freitag, den 28.08.2026, haben wir die Urne unseres Sohnes abgeholt.

Da unser Bestattungsunternehmen das anbietet, war das möglich. Wir haben uns für eine Naturbestattung in Tschechien entschieden. Dort bekommt man die Urne zunächst ausgehändigt, um in Ruhe trauern und sich verabschieden zu können.

Seit er zuhause ist, fühle ich mich wieder etwas mehr komplett.

Der Gedanke, dass er zuhause, hier bei uns ist, ist tröstlich und heilsam.

Am Samstag, den 05.09.2026, werden wir hier zuhause eine symbolische Beerdigung abhalten.

Mein Partner hat im Garten etwas Wunderschönes gebaut. Darin werden die Plazenta und eine Trauerweide gepflanzt. Dazu haben wir wunderschöne Pflanzen gekauft.

Wenn alles fertig ist, zeige ich euch ein Foto.

Wir haben auch viele weitere Erinnerungen an unseren Sohn erschaffen, aber dazu mal einen eigenen Beitrag.

Bis ganz bald

Desi



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