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Baby-Tagebücher

Hautnah. Intensiv. Liebenswert. Folgt hier den Babytagebuch-Bloger:innen und erlebt regelmäßig, wenn frischgebackene Mütter und Väter ihr Leben mit euch teilen. Jede Woche lassen sie euch an ihrer neuen Lebenszeit mit Baby teilhaben und geben ganz persönliche Einblicke: Was hat der Sprössling diese Woche Tolles gelernt? Wie geht es den jungen Eltern mit dem kleinen Knirps? Welche Herausforderungen begegnen den Neu-Mamas und Neu-Papas mit ihrem Neugeborenen? In den Baby-Tagebüchern seid ihr live dabei, von ersten Arztbesuchen bis zu holprigen Gehversuchen. Ob liebenswert chaotisch oder rührend besinnlich: Immer erhaltet ihr einen unverfälschten, authentischen und persönlichen Einblick in das aufregende Leben einer Jungfamilie.
19. Woche

Es ist ein Junge!

Schon wieder hat mich eine Erkältung voll erwischt. Ich schreibe ansonsten über die unterschiedliche Behandlung von Mädchen und Jungs. Und ich warne vor Kräutertees in der Schwangerschaft.

Wenn man will, dass sich etwas ändert, muss man es niederschreiben. Dann ändert es sich sofort. So auch nach meinem letzten Blog:

Zunächst das Positive: Alexander macht nun doch motorische Fortschritte. Zum Einen hat er urplötzlich erkannt, dass etwas, was man vor ihn hält, mit den Händen erfasst werden kann. Und dann wird es natürlich Richtung Mund geschoben, um abgeschlabbert zu werden. (Besonders gut klappt das noch nicht, meistens fällt es nach wenigen Sekunden wieder aus den Händen, was ein gewisses Gejammer folgen lässt.)
Zum Anderen versucht er nun ganz langsam, sich zu drehen. Kopf in eine Richtung rumreißen, Beine nach oben strecken und (hoffentlich) in die gleiche Richtung drehen. Damit kommt er inzwischen ein bisschen auf die Seite zu liegen, aber weiter geht es noch nicht.

Und zum Negativen:
Nachdem ich beim letzten Blog frohlockt hatte, dass ich von der in meiner Familie umlaufenden Erkältung anscheinend verschont bliebe, wachte ich Donnerstag mit einer tierischen Erkältung auf. Es ist wirklich zum Kotzen. Seit Tanja im Kindergarten ist, jagt eine Krankheit die nächste. Von den 8,5 Monaten, die sie nun in Fremdbetreuung ist, waren wir Eltern beide mindestens 3 Monate krank. Soviel wie in den letzten 5 Jahren zusammen. Kommen wir da in absehbarer Zeit mal raus oder wird das zur Endlosschleife? Dass Nervtötende dabei ist zudem, dass die Krankheiten jedes Mal richtig zuschlagen. Also nicht ein kleines Schnüpfchen mit ein bisschen Hüsteln, sondern eine pausenlos laufende Nase mit einem so bellenden Husten, dass ich nachts kaum zum Schlafen komme.

Noch blöder war, dass ab genau diesem Donnerstag, an dem ich mich ins Bett legen musste, ein langes Wochenende mit vier Tagen anfing. Erst Himmelfahrt, dann machte der Kindergarten den Freitag als Brückentag zu und dann noch ein Wochenende.
Inzwischen haben die Kirchen bei mir ihr letztes Ansehen verloren, seitdem sich bei uns in den letzten Monaten ein verlängertes Wochenende an das nächste reiht.

Leute, die keine Kinder haben, werden das vermutlich nicht verstehen. Kann doch nicht so schlimm sein, läppische vier Tage rumzukriegen. Man spielt ein bisschen mit den Kindern, liest was vor, geht in den Zoo oder macht sonst was – kein Problem. Jaja, das dachte ich auch mal. Ist aber nicht so:
Zum Einen haben erstmal alle Eltern das gleiche Problem, was bedeutet, dass die meisten Kinder-Bespaßungs-Einrichtungen (Schwimmbad, Indoorspielplatz etc.) gnadenlos überfüllt sind. Ein Schwimmbad unter der Woche mit 20 schreienden Kindern ist okay, ein Schwimmbad am Wochenende mit 200 schreienden Kindern ist Folter.
Und zum Anderen ist es auch gar nicht so leicht, einfach mal so einen Tag rum zu bringen. Nehmen wir den Donnerstag. Trotz meiner heftigen Erkältung verbrachte ich morgens drei geschlagene Stunden mit Tanja im Zoo. Und nachmittags waren wir zu Bekannten eingeladen. Damit wäre doch der Tag gut gefüllt, müsste man meinen, wenn Tanja nicht der festen Überzeugung wäre, dass wir natürlich auch die ganze Zeit davor, danach und dazwischen mit ihr spielen müssten. Und zwar permanent.

Gott sei Dank waren dann aber Tanja und Alexander Freitag bis Sonntag recht lieb und damit bekamen wir die Tage auch rum. Das Meiste hing natürlich an meiner Frau, während ich mich von Medikamentenpackung zu Medikamentenpackung hangelte.

Ach ja: Heute habe ich etwas in der Zeitung gelesen, dass ich unbedingt weitergeben muss. Mediziner warnen dringend davor, während der Schwangerschaft Kräutertees zu nehmen, deren Wirkung nicht hundertprozentig klar ist. Insbesondere vor Kräutertees aus dubiosen Quellen (Wochenmarkt, eigene Zubereitungen etc.). Der Hintergrund ist der tragische Fall, in dem eine Schwangere zur Stärkung der Immunabwehr einen Kräutertee regelmäßig trank. Dummerweise hatte der Hersteller keine Ahnung, er mixte nämlich (bewusst oder unbewusst) eine Pflanze hinein, die leberschädigend wirkt. Während die Frau den Tee ohne wesentliche Probleme überstand, wurde aber die Leber des Embryos so stark geschädigt, dass das Kind wenige Tage nach der Geburt starb. Und das ist wohl kein Einzelfall. Also: Vorsicht!

Diese Woche möchte ich mich mal noch darüber auslassen, ob und wie man Mädchen und Jungen anders behandelt.

Aufhänger ist dafür mein Vatertaggeschenk. Zum Muttertag hatten die Erzieherinnen im Kindergarten etwas richtig Süßes mit den Kindern gemacht. Ein gebackenes und nett verziertes Herz, ganz hübsch und mit viel Liebe gemacht (und auch noch lecker). Was gab es zum Vatertag? Ein ausgeschnittenes Papierherz, ein bisschen Farbe draufgeklatscht und als Krönung mit einem ganzen Bonbon verziert. Versteht mich nicht falsch, der Vatertag ist mir ziemlich wurscht, aber das Missverhältnis zwischen diesen beiden Geschenken fand ich schon irgendwie bezeichnend. Haben wir Väter nicht mehr verdient?
(Vermutlich haben wir es nicht mal, da auch heute noch die meiste Haus- und Erziehungsarbeit an den Frauen hängt und ich mit meinen 5 Monaten Elternzeit ja schon die absolute Ausnahme bin.)

Bevor ich Kinder bekam, war ich der festen Überzeugung, dass eine geschlechterspezifische Erziehung kompletter Unsinn ist und ich natürlich, wenn wir denn einen Jungen und ein Mädchen bekämen, beide genau gleich behandeln würden. Und natürlich hätte ich kein Problem damit, wenn z.B. Tanja einen ausgesprochenen Männerberuf und Alexander einen typischen Frauenberuf ergreifen würde. Fände ich sogar gut.

Aber im täglichen Leben beim Zusammenleben und Erziehen mache ich natürlich schon Unterschiede. Es sind so viele kleine Sachen, die, ob man es will oder nicht, die Unterschiede hervorheben.

Nehmen wir Kleidung: Wenn Tanja ein neues Kleid hat, bewundere ich dies natürlich ausgiebig und lautstark und erkläre sie zum hübschesten Mädchen des Universums (was sie auch ist). Werde ich das bei Alexander auch machen, wenn er mit einer neuen Jeans erscheint? Wohl kaum.
Meine Frau beklagt sich übrigens, dass man für Mädchen tausenderlei Kleidung erhält, sich bei Jungen aber die Auswahl in „Pirat“ oder „Camouflage“ erschöpft. Warum eigentlich? Verkauft sich ausgefallenere Jungenkleidung so schlecht?

Ein anderes Beispiel: Bücher. Vor einiger Zeit erhielt ich von kidsgo ein Bücherpaket für Tanja. Eines davon war ein Buch über eine Autowerkstatt. „Toll“, dachte ich, „wer schickt denn für ein Mädchen ein Buch über eine Autowerkstatt? Das interessiert doch kein Mädchen.“ Als ich es dann doch mit Tanja durchsah, war sie Feuer und Flamme für dieses Buch. Ich selbst hätte ihr aber sicher noch 10 Prinzessinnen-Bücher gekauft als auch nur ein solches Buch.

Noch ein Beispiel: Wenn Tanja lautstark irgendetwas mit „Totschießen“ spielt (lässt sich einfach nicht verhindern, da sie das im Kindergarten aufschnappt), finde ich das für sie total unangebracht und weigere mich, das mitzuspielen. Werde ich genauso reagieren, wenn Alexander das spielen wird?
Ich denke, jeder von Euch kann hier mit eigenen Beispielen kommen. Selbst wenn man noch so sehr vom Kopf her für Gleichberechtigung eintritt, man macht doch permanent kleine Unterschiede.

Eine kleine Anekdote zum Abschluss: Tanja verrichtet ihr großes Geschäft auf der Toilette. Dann meint sie: „Uh, hier stinkt es aber. Willst Du mal riechen?“ (Ja, ich weiß, darüber können nur Eltern lachen.)



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Kommentare von Lesern:

Natalie, Berlin27.05.2009 22:33

Ja, ja, unserer eigenen Sozialisierung können wir uns nicht vollkommen entziehen. Und nicht immer ist Gleichbehandlung auch gleich Richtig. Schließlich sind unserer Kinder Individuen, die jede für sich ist. Es ist vieleicht richtiger, als Ziel zu haben, jedem seiner Kinder indibviduell gerecht zu werden. Ich kann mich immer mehr an Dinge erinnern, die ich nicht machen wollte und/oder nicht verstanden habe. Mit jedem Moment, gibt es so manche Einsicht, aber auch Bestätigung, es auf jeden Fall anders zu machen.

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Gabriela, Berlin 27.05.2009 10:50

Lieber Gerd,
immer, wenn ich mal auf der Kids-Go-Seite bin, lese ich Deine Beiträge besonders gerne. Männer und Frauen sind ja genau so unterschiedlich wie Jungen und Mädchen (was man auch in der Erziehung immer wieder merkt). Und sowohl in der Schwangerschaft als auch iin den ersten beiden Jahren mit unserem Baby/Kleinkinder habe ich mich oft gefragt, warum es anderen Müttern super geht, und mich so vieles stresst: Leute, die Babysitten und Besuche anbieten, aber dann nie Zeit haben. Eltern, bei denen immer "alles schön" ist. Wochenenden, an denen man Kinder bespaßen muss, auch wenn man selber krank und müde ist.... Ich les das immer und denke "ja, das hatten wir auch mal". Schreiben Männer ungeschönter? Müssen Mütter Dinge vorgeben, um sich nicht als Versagerinnen zu fühlen?
Schreib weiter, so wie bisher.
Und liebe Susanne: solch eine Diagnose per Internet finde ich komplett daneben. Gut, dass ich da mit meiner Meinung nicht alleine bin.

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Evi, München26.05.2009 11:26

Was das ADHS angeht: Ich denke, mit dieser sog. Diagnose sollte man sowieso vorsichtiger umgehen. Auch unter (sog.) Fachleuten werden heutzutage allzu schnell Kinder, die nicht haargenau in das vorgefertigte Entwicklungsschema passen, mit ADS behaftet. Man sollte sich davor hüten, jede Verhaltensauffälligkeit gleich als längerandauernde "Störung" anzusehen! Jedes Kind ist anders und einzigartig. Die einen spielen gern mit anderen, die anderen brauchen länger, um Kontakte zu schließen. Und nicht vergessen: Kinder bleiben nicht stehen!
LG
Evi

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anne, düsseldorf25.05.2009 13:26

Also langsam reicht es mir wirklich.
Ich verfolge Gerds Aufzeichnungen von Beginn an mit
Interesse und schätze seine offene Art sehr.
Aber nicht zu ertragen sind die sich hier häufenden Kommentare anderer, wohlmeinender und besser wissender Mütter, die Gerd, seine Wahrnehmung, seine Tochter etc. kritisieren, diagnostizieren, belehren wollen.
Hört endlich auf damit! Und AD(H)S per Blog feststellen zu wollen, ist nun wirklich hanebüchen.

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Jacki, Berlin25.05.2009 12:32

Hallo Gerd,

warte mal bis die beiden größer sind, dann werden die Unterschiede in der Erziehung noch sichtbarer, wenn auch unterbewusst. Und wenn es nur um die Zeit geht wann Tanja oder Alexander nach Hause kommen sollen... ;o)

Bin selber "große" Schwester und habe mal im Nachhinein festgestellt, dass meine Mum unterbewusst doch Unterschiede gemacht hat. Nehm ich ihr aber nicht übel, ist halt so.

Liebe Grüße aus dem sonnigen Berlin

Jacki

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veronika,hh25.05.2009 12:19

also: ich wäre beleidigt, liebe susanne. ganz klar.

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susanne, Köln25.05.2009 11:11

Hallo Gerd,

kann es sein, dass Tanja Anzeichen von ADHs bzw. ADS zeigt (kein Kuschelbedürfnis, wenig Kontaktwunsch zu anderen Kindern, sich nicht alleine beschäftigen können). Also bei uns sind lange WE kein Problem. Ich bin froh, wenn ich meine 4-jährige Tochter sehe und dann nur, wenn sie Ihre Freunde dann bei uns im Garten sind. Kinder dieses Alters brennen doch darauf, mit anderen Kindern zu spielen.
Ich hoffe, Du nimmst den Hinweis nicht als Belidigung auf.
Gruß aus Köln,
Susanne

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