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Tagebücher aus der Schwangerschaft

Alle drei bis vier Monate beginnt eine Schwangere auf kidsgo.de ihr Tagebuch. Jede Woche beschreibt sie ihre Schwangerschaft und was sie bewegt. Die Schwangerschafts-Tagebücher werden ermöglicht durch die Unterstützung von Thule, Qeridoo, mamalila und Lässig.
28. Schwangerschaftswoche

Es wird Zeit für etwas Egoismus

Ich war stets bemüht aber in meinem Lebenszeugnis steht jedes Jahr: Nimmt sich zu viel vor und ist zu unentspannt.

Moin Moin meine Lieben,

die neue Woche beginnt und ich liege etwas verschnupft auf dem Sofa. Dennoch geht es mir deutlich besser als letzte Woche. Ich fühle mich ruhiger und ausgeglichener und das tut mir und auch meinem Baby gut.

Ich habe lange überlegt wovon ich euch diese Woche berichten soll. Von meinen Gesprächen an der Uni letzte Woche, von der Familienkompatibilität meines Studiums, von der schönen Zeit mit meinen Freundinnen in Göttingen, den vielen Zugfahrten und langen Tagen für mich und mein Kind oder vom Besuch bei unseren Eltern?
Schließlich habe ich mich für ein Thema entschieden, dass wohl all diese Punkte verbindet.

Ich-Zeit! Ich-Vertrauen! Ich-Glück! Ich, ich, ich! Es wird Zeit für etwas mehr Egoismus.

Im Laufe meiner Schwangerschaft habe ich mich von einer ganz neuen aber auch irgendwie alt bekannten Seite kennengelernt. Vieles erschien mir ungewohnt, unsicher und beängstigend neu. Plötzlich wussten viele Menschen Rat und kamen mit vielen Tipps um die Ecke. „Am Besten du machst das so...“, „Hast du schon mal das probiert?“, „Bleib entspannt“, „Ruh dich viel aus“, „Nimm dir Zeit“, „Mach nicht so viel“, „also mir hat ja das geholfen“. Die Liste ist endlos. Ratschläge die in den meisten Fällen von Herzen kamen und sicherlich gut gemeint waren. Alle schienen den Durchblick zu haben! Nur ich wusste gar nicht mehr wohin mit mir. Was passiert mit mir? Was passiert mit meinem Leben? Was passiert mit meiner Beziehung? Was passiert mit meinem Körper?
In manchen Beiträgen hatte ich euch bereits davon berichtet! Häufig erschien mir mein Leben nur noch fremdbestimmt. Und zwar nicht nur von dem wachsenden Menschen in mir, sondern von meinem nahen und fernen Umfeld.

Im Alltag überhörte ich meine eigene Stimme leicht. Blöde Sache, denn schließlich weiß ich am besten was mir guttut und wie ich funktioniere. Aber viel zu oft waren da andere Stimmen die meine eigene überdeckten.

„Ruh dich viel aus!“ Ihr wisst nicht wie oft ich diesen Satz schon zu hören bekommen habe. Ja, ich bin Schwanger und ja, ein Baby wächst nicht ohne etwas Energie von seiner Mutter einzufordern. Ich bin dankbar, dass sich so viele Personen Sorgen machen und ja, ich weiß, dass ich mich auch schnell mal übernehme. Aber ich war noch nie ein Mensch, der sich Däumchen drehend aufs Sofa legt und in den Tag bummelt. Ich bin gerne beschäftigt und in Bewegung. Sitze ich nur herum ist meine Laune im Keller und ich habe das Gefühl den Tag verschwendet zu haben. Dann bin ich schlecht drauf und die kleine Maus in meinem Bauch auch.

„Bleib entspannt!“ – Ahja! Ich muss mir dringend eine entspanntere Attitüde zulegen. Es gibt Menschen die immer tiefenentspannt wirken. Als kämen sie gerade von einem vier wöchigen Bali Urlaub, von einem Meditationstraining oder einer mehrstündigen Massage. Wie machen die das? Wenn ich meinem Umfeld glauben schenke, dann wirke ich häufig gestresst. Oh man, ich würde so gerne tiefenentspannter wirken. Dann bräuchte ich mir diesen Spruch nicht so häufig anhören. Vor der Schwangerschaft war es ja noch erträglich aber in der Schwangerschaft müssen wohl alle werdenden Mütter noch entspannter sein oder zu mindestens so wirken. Ich glaube, der Zug ist bei mir abgefahren. Ich war stets bemüht aber in meinem Lebenszeugnis steht jedes Jahr: Nimmt sich zu viel vor und ist zu unentspannt.

Was ist also die Konsequenz für mich? Keine Ratschläge mehr annehmen? Sicher nicht! Die meisten Ratschläge kamen von Frauen die ganz genau wissen wovon sie sprechen. Ich bin sehr dankbar, dass sie ihre Erfahrungen mit mir teilen.
Aber ich möchte mich mal wieder mehr auf mich konzentrieren und etwas genauer in mich hineinhorchen.

Was brauche ich gerade? Was macht mich glücklich? Fühle ich mich gerade wohl in der Situation oder sollte ich etwas ändern? Mit welchen Menschen verbringe ich gerne Zeit? Worauf kann ich verzichten? Was ist mir wichtig und was ist eher nebensächlich?

Auf all diese Fragen weiß ich meist eine Antwort, ich müsste nur mal ehrlich in mich hineinhorchen. Diese Selbstsicherheit würde ich mir gerne für das letzte Trimester bewahren. Schließlich warten noch einige Herausforderungen auf mich und die kleine Maus!

Nächste Woche dann mehr von unserem Alltag und dem ersten Termin beim Geburtsvorbereitungskurs. Ich bin schon ganz gespannt!

Habt eine schöne Woche und genießt den Herbst,
Eure Leandra



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In diesem Beitrag geht's um:

Zeit für mich, Ratschläge, Selbstsicherheit