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Baby-Tagebücher

Alle vier Monate beginnen frischgebackene Mütter oder Väter auf kidsgo.de ihr Baby - Tagebuch. Jede Woche schreiben sie, welche Fortschritte ihr Baby macht und welche Probleme es im Leben mit dem Baby gibt. Die Baby-Tagebücher werden ermöglicht durch die Unterstützung von lovelymama, Qeridoo, Thule und Bella Baby Happy.
Geburt

Der lange Weg ins Leben

Liebe Leser/innen,

euch erwartet ein Bericht über den Weg von Riekes Geburt.

Ich berichte euch jetzt von den letzten 14 Tagen, die gar keinen Spaß gemacht haben!

Am Donnerstag, den 09.11., hatte ich einen Termin bei meiner Frauenärztin, wo ich eigentlich ohne große Erwartungen hingegangen bin, weil ich dachte, es ist eh alles super. Aber kurze Zeit später wurde ich dann eines Besseren belehrt.

Wie bei jedem Termin, kaum oben in der Praxis angekommen, wurde ich gewogen, Blut abgenommen und der Blutdruck gemessen der bei 160/100 lag - die Blicke der Arzthelferin… fast schon Angst einflößend.
Einen kurzen Moment darauf lag ich schon am CTG. Durch die Blicke beim Blutdruck war ich innerlich ziemlich unruhig und dann kamen noch die beängstigen schnellen Herztöne von unserer Kleinen dazu, diese lagen im Durchschnitt über 180.

Die Arzthelferin fragte mich, ob ich denn genug getrunken hätte, was ich in der Schwangerschaft natürlich immer brav gemacht habe. Nach ca. 15 Minuten sollte ich dann schon zu meiner Ärztin rein, diese vermutete eine Schwangerschaftsvergiftung und verwies mich in ein Krankenhaus. Dort sollte ich zur 24h-EKG- und CTG-Überwachung.

Sie kenne dort die Ärzte der Station und könne das nur empfehlen, mich dort überwachen zu lassen. Sie sagte, wenn alles ok sei, wäre ich morgen auch wieder zuhause. Nachdem Ricardo an der Praxis angekommen war um mich abzuholen, erzählte ich ihm völlig aufgelöst, dass wir noch was vorhaben und fuhren weiter ins Krankenhaus.

Kaum angekommen gingen wir beide also ziemlich aufgeregt Richtung Kreißsaal, wo mich die Frauenärztin schon telefonisch angekündigt hat.

Mir wurde Blut abgenommen und dann ging es wieder ans CTG, nach ca. 1 Stunde die erste Auswertung einer Hebamme: das CTG ist in der Norm, ebenso mein Blutdruck.

Da aber 24h- EKG und CTG von meiner Ärztin angeordnet wurde, musste ich dableiben und fand das alles ziemlich schlimm. Auf einer Seite hatte ich wirklich Angst um die Kleine andererseits hat die Hebamme ja gesagt, es wäre alles im Normbereich.

Am nächsten Tag trudelte dann irgendwann die Visite ins Zimmer, die Ärzte teilten mir dann mit, das die Blutergebnisse unauffällig waren und eine Schwangerschaftsvergiftung könne vorläufig ausgeschlossen werden, jedoch wollen sie keine Risiken eingehen und müsse mich zur Beobachtung länger hier behalten. Das Wohl von Rieke und mir stand im Vordergrund.

Zum Mittag lag ich immer noch in meinem Bett, ohne das ein CTG geschrieben wurde. Auf mein Nachfragen bei einer Stationsschwester wurde ein CTG geschrieben und mein Blutdruck überprüft. Das erste und letzte mal für diesen Tag. Dies sollte sich in den nächsten Tagen nicht ändern. Bis Sonntag zur Morgenvisite wurden insgesamt 6 CTG geschrieben, wohlgemerkt NUR auf mein Nachfragen. Als ich mit den Ärzten bei den Visiten darüber sprechen wollte, wie die Ergebnisse wären und wann ich denn entlassen werden könnte, wurde ich nur auf morgen und die nächsten Ergebnisse vertröstet.

Als Ricardo schon am Samstagmorgen hört, was in den letzten Stunden an Untersuchungen durchgeführt wurde, hielt er mich an, das Krankenhaus zu verlassen. Meine Angst um die Kleine in meinem Bauch überwog jedoch und ich blieb.

Da meine Geduld auch irgendwann ein Ende hat, sprach ich am Sonntag mit dem Arzt der Visite über meine Eigenentlassung. Die Ergebnisse der letzten CTGs waren unauffällig seiner Aussage nach. Sofort wurde der Ton schärfer und die Argumente für das Verbleiben im Krankenhaus wurden absurd. Argumente wie „Die Plazenta könne sich lösen, wenn sie jetzt gehen“ und „das würde tödlich für mein Kind und mich enden“. Dies hielt mich jedoch nicht ab die Entlassung zu unterzeichnen.

Zuhause angekommen kamen jedoch Zweifel. Nach einem offenen Gespräch mit Ricardo wollten wir eine zweite Meinung einholen und fuhren in ein anderes Krankenhaus in Göttingen.

Beim Pförtner nach dem Weg gefragt, ab in den Kreißsaal, bei einer der kompetenten selbstständigen Hebammen ans CTG angeschlossen und Blutdruck überprüft. Versichertenkarte gezückt, Personalien und Anamnesebogen ausgefüllt. Blut wurde erneut abgenommen - daran gewöhnt man sich jedoch zum Ende einer Schwangerschaft. Auch wenn ich mich immer noch wegdrehe, weil ich keine Nadeln und Blut sehen kann, stört es immer weniger.

Noch eine Ultraschalluntersuchung durch die diensthabende Ärztin. Erneut keine Auffälligkeiten, Blutergebnisse müsse man abwarten, aber zur genaueren Überprüfung, würden Sie mich auch gerne auf Station behalten. Bereitwillig folgten wir den Anweisungen, schließlich waren wir ja für eine zweite Meinung hier.

Regelmäßig wurde Blutdruck gemessen, CTG geschrieben, ohne Nachfragen oder ähnliches. Alles erneut ohne Auffälligkeiten. Einzige was erschreckend gering war, war mein Eisenwert. Laut der Krankenschwester „ich sage es mal so, Ihr Eisenwert ist im Arsch!“ Da dieser weit unter dem Durchschnitt lag. Jedoch auch nicht erst seit gestern. Im Mutterpass konnte die Ärztin mir zeigen, dass dieser bereits seit September viel zu niedrig und bedenklich war. Darauf hätte mein Arzt mich hinweisen müssen oder sogar Eisentabletten zur Nahrungsergänzung verschreiben sollen.

Am nächsten Morgen kam eine freundliche Ärztin zu mir ins Zimmer um mir mitzuteilen, dass eine Schwangerschaftsvergiftung auf jeden Fall auszuschließen ist, CTG und Blutdruckergebnisse sind normal, Eisentabletten verschrieben, Entlassungspapiere ausgefüllt und fast unterzeichnet, vorher sollte noch ein CTG geschrieben werden, zur abschließenden Sicherheit.

Natürlich war jetzt der Blutdruck wieder normal, aber nicht das CTG. Stark erhöhte Herztöne ließen die Entlassung wieder in weite Ferne rücken. Erneutes abwarten, Blutdruckmessen, ca. alle vier Stunden ein CTG schreiben, Blutentnahmen und einschläferndes Klopfen von dem zusätzlichen, kleinen Herzen in mir. Im Laufe des Tages wieder alles normal. Ob mich meine kleine Tochter jetzt schon ärgern will, ohne dass Sie im Teenageralter ist? Die einzigen aufmunternden Momente waren die Nachmittagsbesuche meiner Familie und die abendlichen von Ricardo.

Dienstagmorgen wurde ich um ca. 7:15 Uhr von einer Hebamme abgeholt zum CTG schreiben. Die Hebamme sagte nach 20 Minuten mit einem zwinkern zu mir, ich solle erstmal Frühstücken und dann wieder kommen, die Herztöne würden sie nerven- da sie wieder zu hoch waren.

Schnell gefrühstückt stand ich wieder im Kreißsaal, wo ich dann die Hiobsbotschaft erhalten habe, dass der Arzt beschlossen hat, dass die Geburt eingeleitet werden soll.

Total aufgelöst und verunsichert rief ich sofort Ricardo an, dass er bitte möglichst schnell zu mir kommen möge. Kaum meinen Wunsch geäußert, stand er mir die Nacht bei und machte mir Mut. Mittwoch nahm er den ganzen Tag frei, um mir beizustehen.

Keine Änderungen an dem Zustand meiner Kleinen und mir. Weiterhin waren die CTG-, Blutwert- und Blutdruckergebnisse im Rahmen. Die Tabletten die mir gestern und heute verabreicht wurden, lösten nicht mehr als ein kleineres Ziehen im unteren Bereich meines Bauches aus, ähnlich wie bei leichten Regelschmerzen.

Heute wurde eine Pause bei der Einleitung angesetzt. Weiterhin Blutentnahmen, CTGs und Blutdruckmessungen. Um die Geburt weiter voranzutreiben wurden Spaziergänge empfohlen. Gesagt getan. Wehen oder ähnliches hatte ich jedoch nicht mehr als am Vortag das ziehen im Unterbauch.
Zweite Runde und nächster Schwung Tabletten. Bis Mittag gab es keine Änderungen. Erst am Nachmittag gab es einen guten Sprung nach vorne durch die kleinen Helfer. Bei einem Spaziergang mit meiner Schwester um den Block, hatte ich einen hohen Blasensprung.

Vom Gefühl her, war dies wie leicht eingepieselt. Jetzt begann die Uhr gegen mich zu ticken. Ab dem Sprung der Blase, wurde mir mitgeteilt, hätte man 24 Stunden Zeit, bis das Kind geholt werden muss. Der Muttermund öffnete sich langsam und der Gebärmutterhals wurde kürzer. Erneut kam mein Ricardo, hielt mir die Hand und machte mit mir Spaziergänge. Die Wehen und Schmerzen im Unterbauch wurden erst zum Abend stärker. Als wir uns nicht mehr sicher waren, wie weit wir Spaziergänge unternehmen können, gingen wir die Flure im Krankenhaus und das Treppenhaus, rauf und runter.

Um ca. 21:00 Uhr waren die Wehen als kontinuierlicher Schmerz zu spüren. Auf Nachfragen der Hebamme, wie es voran gehen würde, ob ein kommender und gehender Schmerz zu verspüren ist, antwortete ich, dass der Schmerz permanent anstehen würde, dies lag an den Tabletten.

Wenn eine Geburt mit Tabletten eingeleitet wird, kann es unter Umständen zu einem anhaltenden Schmerz kommen. Jede Frau würde etwas anders auf diese Medikamente ansprechen, aber alles wäre bei mir in der Norm. Das ruhige und gute Zureden einer vertrauten Person, wie Mutter, Ehemann oder einer Hebamme ist ab diesem Moment schon fast unerlässlich.

Zur Entspannung wurde mir ein Bad in der Wanne neben dem Kreißsaal eingelassen. Schön warmes Wasser, Duschbad mit Rosmarin und Menthol. Zwei Stunden Entspannung pur. Beim Heraussteigen gab es dann den großen „Knall“, die Fruchtblase ist komplett geplatzt. Grünes Fruchtwasser lief mir an den Beinen herab. Ricardo holte schnell die Hebamme. Das Grüne wies darauf hin, dass das Kind in der letzten Zeit Stress ausgesetzt war, was einen ja nicht wundert bei dem ganzen hin und her!!

Schnelle Blutentnahme zur Überprüfung einer Infektion. Die Werte waren erhöht. Vorsorglich wurde mir ein Antibiotikum alle vier Stunden über den Tropf injiziert.

In der Nacht von Freitag auf Samstag gegen halb zwei ließ ich mir eine PDA setzen. Die Wehen kamen nun stärker und Schubweise. Der Schmerz war lang und kaum noch auszuhalten. Die Hebamme hielt mich ebenfalls an, eine PDA setzen zu lassen, da ich für die kommenden Stunden Kraft brauchen würde und dies ohne ein paar Stunden Schlaf, nach so einem langen Weg, nicht durchstehen würde.

Sie hatte so Recht. Kaum gesetzt, ließen nach ca. drei bis vier Wehen die Schmerzen nach. Ich konnte die Augen für wenige Momente schließen, bis Ricardo mich mit seinem Schnarchen aus meinem Dösen riss. Unglaublich. Kaum angestoßen und aufgefordert, dass er aufhören solle, war er wieder dabei.

Am Morgen wurde uns mitgeteilt, dass die Wortfetzen, die die Hebamme vor der Tür mitbekam, sie ungemein erheiterten, „Hör auf zu schnarchen!“ - „Ich mach doch nix“. Männer seien die Einzigen, die im Kreißsaal einschlafen können und er wäre nicht der Erste, war ihre Erfahrung.

Als die Sonne aufging wurde mir zusätzlich ein Wehentropf gelegt. Muttermund öffnete sich bis dahin sehr langsam. 12:30 Uhr nur noch eineinhalb Stunden bis die 24 Stunden abgelaufen und ein Kaiserschnitt angesetzt worden wäre. Die Wehen wurden dank des Tropfes stärker. Erneut ließ ich mir die PDA nachsetzen. Ich bin so Dankbar für die Unterstützung durch Hebamme, Hebammenschülerin und vor allem meinem Ricardo, bei den gefühlt endlosen Stunden der Geburt. Gedanklich waren ich und die eben hinzugezogene Ärztin schon beim Kaiserschnitt. Unterlagen waren auch schon ausgefüllt und warteten auf meine Unterschrift. Noch eine Überprüfung des Muttermundes und –hals, beides verkürzt bzw. öffnete sich dann plötzlich rasant schnell. Einer normalen Geburt, in der Vierfüßlerstellung, stand nichts mehr im Wege.

Auf die letzten Sekunden vor dem Kaiserschnitt, kam dann die kleine Rieke, um 13:48 Uhr, mit einer Größe von 52cm und einem Gewicht von 3530g zur Welt. Nach einem kurzen Schrei und Glückwünschen der Anwesenden, wurde unsere Rieke mir mit warmen Handtüchern auf die Brust gelegt. Ricardo und ich wussten, dass der Stress der letzten Tage sich mehr als gelohnt hat, nachdem wir diesen kleinen verschmierten Wurm sahen. Stolz wie Oskar schnitt Ricardo die Nabelschnur durch.

Gemeinsam konnten wir uns die Nachgeburt anschauen. Selbst diese war Makellos, ohne Löcher oder Verfärbungen, laut der Ärztin.

Rundum glücklich wurden wir für kurze Zeit allein gelassen, um zu uns zu finden und unsere kleine perfekte Rieke zu bestaunen.

Ungläubige Blicke ernteten wir erst, als eine der Hebammen uns fragte, welche Hebamme die Nachsorge übernehmen würde. Unwissend antworteten wir, Keine? „Gerade beim ersten Kind ist es zu empfehlen, eine Hebamme an der Seite zu haben. Auf sowas weist der Frauenarzt hin, der uns betreuen würde. Dieser hat ja bereits die Erfahrung und weiß worauf man achten sollte, wenn man Schwanger ist.“
Auf mein Nachfragen ob sie wen kennen würde, der mich jetzt noch aufnehmen könne, grinste sie nur, senkte den Blick und sagte, darum kümmere man sich schon ab dem 3. Schwangerschaftsmonat. Sie selbst sei bis Mai ausgebucht und könne niemanden mehr zwischenquetschen.

Bis zur Entlassung am Dienstag wurden wir noch gut umsorgt. U1 und U2 wurden bei Rieke ohne Beanstandung durchgeführt. Patente, fleißige Kinder- und Krankenschwestern wuselten um uns herum und ließen dennoch genug Platz für Ruhe und Erholung. Halfen beim Wickeln, Füttern und überwachten die Gesundheit der Kleinen.

Bei der Entlassung unterhielt ich mich mit einer ebenfalls frisch gebackenen Mutter in meinem Zimmer. Sie gab mir die Telefonnummer Ihrer Hebamme. Dankeschön an dieser Stelle dafür! Nach dem Telefonat hatte ich nun auch eine Hebamme für die Nachsorge. Jetzt beginnt daheim die Phase des Kennenlernens.

Wir freuen uns auf die nächsten Zeilen, in denen wir Euch mehr von unserer kleinen Familie erzählen können.

Liebe Grüße, Mareike




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Kommentare von Lesern:

Fanni28.11.2017 19:22

Herzlichen Glückwunsch zum kleinen Mädchen und herzlich willkommen kleine Rieke...wir wünschen Euch einen guten Start zu Hause und ein kuscheliges Kennenlernen.

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