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Baby-Tagebücher

Alle vier Monate beginnen frischgebackene Mütter oder Väter auf kidsgo.de ihr Baby - Tagebuch. Jede Woche schreiben sie, welche Fortschritte ihr Baby macht und welche Probleme es im Leben mit dem Baby gibt. Die Baby-Tagebücher werden ermöglicht durch die Unterstützung von Paediprotect, Thule, BIG und Babymoov.
23. Woche

mehr Glück als Verstand

Über unsere Woche im eigenen Garten und Eddie, der noch kein Gartenfreund geworden ist.

Hallo,

oft muss ich überlegen wie nun die Überschrift für meinen wöchentlichen Tagebucheintrag heißen soll. Diese Woche hatte mich mein Mann auf die perfekte Überschrift gebracht. Er sagte, dass wir mehr Glück als Verstand hätten. Und es war war wirklich so. Seit ein paar Jahren kurz nachdem Ella geboren wurde, hatten wir ziemlich oft ziemlich großes Glück. Es begann damit, dass mein Mann das Babyjahr mit Ella und mir zusammen verbringen konnte, weil die Firma in der er arbeitete abgebrannt war. Anschließend hatten wir großes Losglück gehabt. All das zog sich bis unser Eddie kam, der überhaupt auch ein kleiner Glücksbringer ist. Am Dienstag hatten wir endlich die Gartenübergabe. Die Hütte des Gartens war voll ausgestattet. Es gab eine Küche, ein Wohnzimmer und sogar ein kleines Bad. Es war zwar etwas altbacken und versprühte DDR-Charme, aber es war alles da was das Herz begehrte. Die alten Pantoffeln des Vorbesitzers waren ebenfalls noch vorhanden. Ja sogar eine vollausgestattete Werkstatt gehörte mit zum Garten, auch wenn das Werkzeug schon sehr alt war, für den Anfang reichte es. Es war ein bisschen wie Urlaub an der Ostsee oder im Spreewald. Es gab Möwen und einmal am Tag landet sogar ein Hubschrauber gegenüber der Gartensparte. Wenn Eddie mal groß ist, wird er bestimmt eine Riesenfreude daran haben.

Am Mittwoch konnten wir anderen auch endlich in den Garten. Die Sonne strahlte. Es war warm und herrlichstes Gartenwetter. Ella war sofort begeistert und überglücklich, dass wir nun einen Garten hatten. Sie war in dieser Woche viel ausgeglichener gewesen. Ob es an der frischen Luft gelegen hatte? Ich hatte am Mittwoch Eddie in den Fahrradanhänger gepackt und war mit dem Rad in den Garten gefahren. Ich liebe es zu sehen wie er immer gebannt aus den kleinen Fenstern schaut und wie er wie ein kleiner König in seiner Babyhängematte liegt. Eddie war nicht so leicht für den Garten zu begeistern wie Ella. Wir hatten zwar seinen Wagen mit dabei und am Mittwoch hatte er auch viel darin geschlafen und glücklich zugesehen bei dem was wir da trieben, doch seine Freude hielt nicht lange an. Des Rest der Woche war er ziemlich wütend im Garten gewesen und weinte wie er es zu Hause fast nie tat. Auf der Decke liegen war doof. In meinen Armen zu liegen fand er ebenso langweilig und hinzu kamen meine Probleme beim Stillen an der frischen Luft. Er ließ sich von allem ablenken und strampelte mit den Beinen meistens so doll, dass ich ihn nicht mehr halten kann. Ich bewundere Frauen, die wirklich in jeder Lebenslage stillen können. Weil Eddie immer am quengeln war mussten wir uns mit der Arbeit abwechseln. Und dass es wirklich Arbeit ist, hatte ich irgendwie bei der Anschaffung des Gartens verdrängt. Die anfängliche Freude war dem Gefühl gewichen „Oh je, wo sollen wir nur anfangen?“. Wir begannen erst einmal damit drei Müllsäcke voll mit Gartenzwergen zu füllen. Mein Mann fegte mit Ella das Laub von der Veranda und ich begann mit der Operation „eine Wiese für ein Trampolin“. Vor dem Haus war ein riesiges Beet voll mit sogenannten Wildkräutern. Ich begann am Mittwoch mit der Hacke und hatte beim Löwenzahn nur mäßigen Erfolg. Ein Drittel hatte ich geschafft und mein Mann meinte, ich solle langsam machen. Wir hätten ja so viel Zeit. Bei mir ist es allerdings so, dass ich immer schnell zum Ziel kommen möchte, wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt hatte. Das kleine Stück Beet hatte mich jedoch so ausgepowert, dass ich froh war einen Turboknopf am Rad zu haben um nach Hause zu kommen.

Mein Mann hatte sich am Mittwochabend noch ein bisschen belesen, wie man denn nun am Besten einen Rasen anlegt. Seitdem er bei der Eisenbahn arbeitet muss alles nach Plan und Vorschrift laufen. Und so schnappte ich mir am Donnerstag anstatt der Hacke eine Heugabel und grub das gesamte Feld um. Es tat so gut. Ich konnte meine ganze überschüssige Energie und Wut in diese Aufgabe stecken und nach einer Stunde war das gesamte Beet fertig gewesen. Mein Mann musste nur noch am nächsten Tag den Rechen schwingen und Grassamen streuen. Ich bin sogar stolz auf mich, denn normalerweise habe ich Angst vor allen Tieren, die mehr als 4 Beine haben. Der Garten ist voller Spinnen und bis jetzt bin ich noch nicht schreiend davon gerannt. Ich war sogar Ella ein gutes Vorbild gewesen und wir hatten uns alle Schnecken gemeinsam angesehen und inspiziert. Außerdem habe ich ihr erklärt was Hummeln so machen und dass man besser nicht zum Hummelnest geht. Wir haben nämlich auch ein Hummelnest. Dann haben wir noch eine Matschküche aufgebaut. Jetzt fehlte nur noch der Sandkasten.

Am Freitag nahm ich mir „gartenfrei“ und traf mich mit meiner Freundin. Sie hatte mit mir die Ausbildung gemacht. Wir hatten zusammen in der letzten Reihe gesessen und sie war auch der Grund gewesen warum ich meinen Mann kennen gelernt hatte. Wenn sie mich vor dem Silvester im Jahr 2012 nicht gefragt hätte, ob ich nicht mitkommen wollte, dann wäre ich nie auf meinen Mann getroffen. Es war schön sie wieder zu sehen. Sie hatte Eddie das erste Mal richtig kennen gelernt. Als er auf ihrem Schoß saß hatte er zielgerichtet die Andockstation gefunden und wollte gleich mal probieren, ob es da nicht auch etwas zu holen gab. Leider klappte es nicht wie Eddie es gern gehabt hätte. Die Zeit war viel zu knapp und man trifft sich viel zu selten mit lieben Menschen.

Samstag war einer der Tage die mies beginnen und einfach nicht mehr besser werden. Ich war am morgen einkaufen gewesen, weil mein Mann keine Lust mehr darauf hatte, seitdem man eine Maske dabei tragen musste. Als ich wieder kam erwartete mich das blanke Chaos daheim. Er fluchte über unsere neue Kaffeemaschine. Ella räumte den Besteckkasten aus und Eddie quiekte um auch noch etwas von sich zu geben. Ich wäre am liebsten wieder umgekehrt. Der Samstag war grau und kalt. Trotzdem wollten wir in den Garten, denn die Operation „Wiese“ musste beendet werden und ich wollte mit Operation „Möhren für Eddie“ weiter machen. Die Beete hinter dem Häuschen hatte ich irgendwie anders in Erinnerung. Es erwartete mich ein Löcherbeet und Berge von Löwenzahn. Ich bin ehrlich. Ich hatte überhaupt keine Lust mehr. Ich schmiss die Heugabel in die Ecke und fluchte durch den Garten. Eddie war wieder am mosern. Ihm war langweilig oder er hatte Hunger. Ich weiß es nicht. Irgendwann versuchte ich ihn bei der Kälte zu stillen und nichts klappte. Am Ende stritten wir uns alle und gingen frustriert nach Hause. Was wohl die Gartennachbarn dachten, nachdem sie uns so fluchen gehört hatten? Mein Mann ging sich im Baumarkt abreagieren und kaufte noch ein paar Scheren und Erdbeeren für unser Beet.

Nachdem am Sonntag wieder der Himmel strahlte, fand ich auch die Muße mich dem Beet zu widmen. Umgraben, den Spinnen entgehen und die Erdbeeren einpflanzen. Eine Reihe Möhren fand auch noch Platz. Ella hatte sich mit dem Mädchen aus dem Nachbargarten angefreundet und wir hatten auch eine Menge geschafft. Jetzt fehlt noch ein Beet für weitere Möhren und Radieschen, eine Eibe muss weg und den Tipp von der lieben Leserin aus Stuttgart mit dem Hibiskus habe ich im Hinterkopf behalten. Ich hatte im Laden vor dem tollsten pinken Hibiskus gestanden, doch es dauert noch eine Weile bis er Platz bei uns finden wird, denn als Abschluss muss ich noch ein Blumenbeet bearbeiten. Und zum guten Schluss hat es Eddie endlich nach langer Arbeit geschafft sich vom Rücken auf den Bauch zu drehen. Jetzt wird endlich gekullert.

Ob Eddie bald auch ein Gartenfreund wird? Und wie wir voran kommen erfahrt ihr in der nächsten Woche.

Macht es gut und liebe Grüße,
Marie

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Dir alles Gute,

Anke (kidsgo-Tagebuch-Betreuerin)

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Foto: Privat

 

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