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Gefühlstornado - Baby-Tagebücher von Anna aus Hitzacker

Hautnah. Intensiv. Liebenswert. Folgt hier den Babytagebuch-Bloger:innen und erlebt regelmäßig, wenn frischgebackene Mütter und Väter ihr Leben mit euch teilen. Jede Woche lassen sie euch an ihrer neuen Lebenszeit mit Baby teilhaben und geben ganz persönliche Einblicke: Was hat der Sprössling diese Woche Tolles gelernt? Wie geht es den jungen Eltern mit dem kleinen Knirps? Welche Herausforderungen begegnen den Neu-Mamas und Neu-Papas mit ihrem Neugeborenen? In den Baby-Tagebüchern seid ihr live dabei, von ersten Arztbesuchen bis zu holprigen Gehversuchen. Ob liebenswert chaotisch oder rührend besinnlich: Immer erhaltet ihr einen unverfälschten, authentischen und persönlichen Einblick in das aufregende Leben einer Jungfamilie.

40. Woche

Gefühlstornado

Autonomiephase, Wutanfälle und Kuschelkurs. Rund gehts mit vier Kindern.

Hallo ihr Lieben,

Während meine kleinen Jungs den Fernseher am Sonntag Vormittag genießen (da freuen sie sich schon die ganze Woche drauf), der Große in seinem Zimmer den Zockfreuden nachgeht und mein Mann noch schläft, hab ich nun ein wenig Zeit mit der schlafenden Babylady auf meinem Rücken und einer Tasse Kräutertee über ein maßgebendes Thema der letzten Wochen zu schreiben: Gefühle. Viele und große Gefühle.

Meine acht Wochen in der psychiatrischen Klinik hatten die Kinder nach anfänglichen Schwierigkeiten gefühlt gut weggesteckt. Der Alltag lief. Anders als mit mir, aber er lief gut. Nun war ich wieder da und das Pulverfass explodierte. Die kleinen Jungs waren sehr verunsichert. Ständig haben sie mich gefragt, ob ich wieder weggehe. Wenn ich wegging zu einem Spaziergang, einem Termin, den Einkauf abholen oder mich nur in einen Raum zuhause zurückzog war das besonders für den Mini untragbar. Er legte sich weinend vor die Badezimmertür, wenn ich zur Toilette ging. Schlafen ging nicht mehr bei Papa. Nur noch mit Mama. Und das war immens wichtig für ihn und ist es noch. Teilweise ist er nachts aufgewacht und hat sich versichert, dass ich noch da bin. Der Ninja verarbeitete mit Beobachtung, der Midi mit Worten, der Mini mit Tränen, mein Mann mit Nähe und die Babylady musste wieder lernen mich nicht nur für sich allein zu haben. Ich musste lernen meine Grenzen zu erkennen und zu schützen, wie ich es in der Klinik gelernt hatte. Und ich musste die Frustration aushalten, die meine Grenzen bei den anderen hervorriefen. Das war und ist immer noch hart, weil gesund und voll belastbar bin ich nunmal leider noch nicht.

Werden meine Grenzen nicht respektiert, oder bemerke ich sie nicht rechtzeitig, so erinnert mich meine Wut sehr unfreundlich und nachdrücklich daran gefälligst besser aufzupassen. Das ist so schwierig die Bedürfnisse von so vielen Menschen überein zu bekommen. Manchmal muss ich priorisieren. Und das sage ich den Kindern dann auch. Schreiendes Baby vor Buch lesen. Kackwindel wechseln vor Schaukeln. Schürfwunde versorgen vor essen machen.

Oft bin ich die letzten Wochen mit Oropax herum gelaufen, weil mich dieses Schreien der Kinder so übel triggert. Das macht es zwar nicht leise, aber es dämpft es immerhin und nimmt irgendeine Frequenz heraus, sodass es mir besser möglich ist das Kind in Ruhe zu begleiten.

Ich habe viel mit Bachblüten gearbeitet und versucht einen Weg zu finden, der ihnen Sicherheit gibt, dass ich da bin und sie sich auf mich verlassen können. Versprechen, dass ich nicht mehr weggehe konnte und kann ich aber nicht. Das war besonders schwer. Und trotzdem selbst wegzugehen und die eigene Freiheit zumindest ein wenig zu leben und ihnen dadurch auch zu zeigen: ja, Mama geht weg. ABER Mama kommt auch wieder!

Scheinbar hat das gut funktioniert. Eine befreundete Mutter machte mich nocheinmal darauf aufmerksam wie gut und gesund es wäre, dass die Kinder diese Gefühle alle nocheinmal richtig durchleben und rauslassen. Das machte es mir auch nochmal ein wenig leichter damit umzugehen.

Nun hat sich die Situation wieder verändert. Mama ist nach wie vor wichtig zum Schlafen. Und es wird ausgiebig gefragt wo ich denn hingehe, wenn ich das Haus oder Zimmer verlasse. Auch ein "Mama?" Wird immer mal in den Raum geworfen. Einfach nur zum Checken ob ich da bin und wo. Es wird aber nun viel leichter akzeptiert, dass ich gehe. Und der Mini ist von einer totalen Anhänglichkeit zu neuen Unabhängigkeitsbestrebungen gekommen. Ich habe ihn bei meiner Mama gelassen, um nur ein Kind beim Sport dabei zu haben. Er bekam seinen eigenen Rucksack gepackt, wie der große Bruder. Und dieses wunderbare Kind gab mir mit leuchtenden Augen einen Kuss, säuselte "Tschüß Mama" und stiefelte seinen Rucksack schleppend bei meiner Mama durch die Tür. Ich war abgeschrieben. Total baff stand ich da und freute mich riesig, dass mein Sohn wieder diese Sicherheit in sich trägt und raus in die Welt gehen kann.

Ein andermal wollte ich vom Sandkasten reingehen. Er rief mir durch den Garten nach: "Warte Mama!". Ich dachte es kommt der nächste tränenreiche Ausbruch, dass ich nicht gehen soll. Stattdessen rief er: "Ich will dir noch einen Kuss geben!" Er flitzte mit seinen keinen Beinen über die Wiese zu mir, hauchte mir ganz umsichtig einen Kuss auf die Wange, während er mein Gesicht mit beiden Händen festhielt und rannte dann wieder zum Sandkasten.

Der Mini hat nun in einen vollen Schub der Autonomiephase gefunden. Alles kann er alleine. Holt sich Milch aus dem Kühlschrank, schiebt seinen Stuhl ran, fährt Laufrad und wehe er darf die Milch nicht eingießen....! Sonst gibt es von jetzt auf gleich einen Tobsuchtsanfall mit Schreien, auf den Boden schmeißen und umherfliegenden Sachen.

Der Midi und der Ninja möchten ganz viel mit mir alleine machen. Mit dem Ninja habe ich jetzt ein Spiel angefangen. Zocken ist das einzige was er noch mit mir machen möchte. Also machen wir das. Ich habe davon ja so garkeine Ahnung. Mein Sohn fragte nach der ersten Stunde ganz enthusiastisch wann wir denn zum ersten Boss wollen. Ich meinte, dass ich leider den Ratgeber ausversehen mit einem Knüppel verhaue, ständig die Fackel fallen lasse und mit der Steuerung noch herbe Probleme habe. Bosskampf ist echt noch nicht drin. Er ist sehr nachsichtig mit mir. Er eilt mir gegen die Bösewichte zur hilfe, bewacht mein Zeug, wenn ich abschmiere und "erledigt" das mal alles nebenher, während ich einfach Holz machen gehe. :D Aber das macht schon Spaß und lässt mich ihn von einer anderen Seite kennenlernen.
Der Midi möchte gerne einen Film mit mir gucken. Einen ganzen. Ganz alleine mit mir! Also gehen wir demnächst ins Kino. Nur wir beide.

Mein Mann und ich sind nicht zuletzt durch unseren Kurzurlaub über Pfingsten zu dem Schluss gekommen, dass wir uns mehr aufteilen und getrennt machen müssen. Sodass jeder mal Exklusivzeit hat und sich nicht immer alles aufs jüngste Kind ausrichten muss. Ist schade, weil wir eigentlich gerne alle was zusammen machen würden. Nicht zuletzt würden mein Mann und ich gerne etwas gemeinsam machen. Das ist aber gerade nicht drin und für alle entspannter, wenn wir uns aufteilen.

Die Babylady macht sich gut. Sie liebt ihre Brüder nach wie vor. Und Papa ist gerade der Held. Sie ist ganz verrückt nach ihm. Das ist echt schön, nachdem eine Weile nur Mama ging und sie sogar bei ihm gefremdelt hat.
Zuletzt war sie sehr anhänglich. Ohne Trage kämen wir gerade wirklich nicht durch die Tage. Es darf kein Papier zwischen uns passen. So viel Nähe brauchte sie und auch jetzt immer wieder. Auf dem Schoß sitzen und sich zu den Spielsachen runterstürzen ist völlig ok. Zwischen meinen Beinen auf dem Boden sitzen ist viiiiiiiiiel zu weit weg! Da wird laut protestiert und geweint.

Irgendetwas muss super lustig sein, wenn jemand vor einem die Treppe hoch läuft. Da lacht sie.
Sie kommt nun auch irgendwie vorwärts, aber irgendwie auch nicht. Sie wippt immer mehr und hat gestern das erste mal richtig in den Vierfüßer gefunden. Das war wohl sehr anstrengend und da schimpft sie dann wie ein Rohrspatz. In sowas kann sie sich richtig reinsteigern. Wenn sie sich den Kopf stößt oder sowas ist das fast jedes Mal ein Weltuntergang. Sie kann sich rückwärts schieben und erkundet die Welt. Sand ist super!

Essen tut sie jetzt richtig viel! Aber auch die Brust wird noch gut frequentiert. Sie verdreht richtig die Augen, wenn sie nach längerem Abstand wieder stillt. Als wäre das das Beste auf der Welt. Essen mag sie nun mittags und abends. Und auch zum Frühstück will sie nun dabei sein. Zum Frühstück gibts nun Blw. Wobei ich da gerade etwas auf dem Schlauch stehe. Obst mag sie gerade nicht wirklich, außer geviertelte Trauben. Zähne hat sie noch keine. Milchprodukte bekommt sie erst später.
Mittags und abends gibt es Brei.

Aktuell haben wir hier alle mit Wutanfällen zu kämpfen. Naja eher der Mini, der Midi und ich. Ich habe den Verdacht, dass es eine weitere Gefühlsphase ist, also nach der Trauer und Verlustangst über mein langes Fernbleiben kommt die Wut über das verlassen werden raus. Erstaunlicherweise sind diese Wutanfälle nämlich am besten mit Nähe, Zeit und Aufmerksamkeit zu handeln. Das habe ich diese Woche herausgefunden.

Soweit der Stand der Dinge.
Viele liebe Grüße von

Anna



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In diesem Beitrag geht's um:

Autonomiephase, Beikost, Verhalten der Kinder, wenn die Mama lange weg war, postnatale Depression