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Rabenmutter?! - Baby-Tagebücher von Anna aus Hitzacker

Hautnah. Intensiv. Liebenswert. Folgt hier den Babytagebuch-Bloger:innen und erlebt regelmäßig, wenn frischgebackene Mütter und Väter ihr Leben mit euch teilen. Jede Woche lassen sie euch an ihrer neuen Lebenszeit mit Baby teilhaben und geben ganz persönliche Einblicke: Was hat der Sprössling diese Woche Tolles gelernt? Wie geht es den jungen Eltern mit dem kleinen Knirps? Welche Herausforderungen begegnen den Neu-Mamas und Neu-Papas mit ihrem Neugeborenen? In den Baby-Tagebüchern seid ihr live dabei, von ersten Arztbesuchen bis zu holprigen Gehversuchen. Ob liebenswert chaotisch oder rührend besinnlich: Immer erhaltet ihr einen unverfälschten, authentischen und persönlichen Einblick in das aufregende Leben einer Jungfamilie.

39. Woche

Rabenmutter?!

Wenn die Welt mal wieder meint, dass man das anders machen müsste....

Hallo ihr Lieben,

Eine sehr unfreundliche Dame lieferte mir heute das Thema über das ich schreiben möchte. Es war wieder viel los. Dat Leben wird ja nicht langweilig und deswegen waren wir alle erstmal krank als ich von der Klinik wieder da war. Zuerst die Kinder, dann ich, dann mein Mann und die Kinder noch oder wieder so ein bisschen nebenher. Tatsächlich diese vier Wochen mit vielleicht drei Tagen Pause. Man das war unlustig. Mein Mann und ich hatten richtig die Grippe und lagen mit 40 Fieber total flach. Die Kraft kommt erst so langsam wieder...

Na jedenfalls diese Frau, die ich nicht kannte, pöbelte mich einfach an als ich vor dem Drogeriemarkt stand und auf dem Handy die Coupons durchging um den Einkauf wenigstens etwas günstiger zu machen. "Das ist nicht gut fürs Kind!" Ich guckte sie total doof und verständnislos an. Was will diese Frau von mir? Ich bin seit 4.50 uhr wach, weil mein Sohn da gebrüllt hat und es sich nach einer halben Stunde Versuch nicht mehr lohnte nochmal einzuschlafen. Ich hab einen Morgen mit drei schreienden Kindern hinter mir und war gerade beim Sport um festzustellen wie dermaßen unfit ich bin. Da hab ich mein Baby noch in der Schulterbrücke auf meinem Bauch liegend gestillt. Dann hörte sie endlich auf zu schreien. Konnt ich ja nicht wissen, dass sie plötzlich nach nichtmal zwei Stunden wieder hunger hat. Normalerweise hat sie ziemlich lange Abstände zwischen den Mahlzeiten.
"Das ist nicht gut fürs Kind!" wiederholt sie. Ich kapiers immer noch nicht. Das Baby liegt zufrieden in seinem Babyautositz, der auf das Wagengestell gesteckt ist und spielt. Endlich! Nachdem sie nach dem Sport wie am Spieß gebrüllt hat als ich sie da rein gesetzt hatte. Ich war wieder kurz vorm Heulen. Dieses ganze Geschrei ist einfach nicht witzig. Na jedenfalls ergänzt die unfreundliche Dame, dass sie das Handy meint. Das wär nicht gut, wenn die Mutter aufs Handy schaut. Die Mutter sollte sich nur mit dem Kind beschäftigen. Diesen letzten Satz hat sie genauso gesagt. Und dieser Satz ließ mir dermaßen die Hutschnur platzen! Was bildete sich diese Frau eigentlich ein?! Ich hab erst überlegt darüber hinweg zu sehen und es nicht zu beachten. Aber dieser Satz und das sie immer weiter redete machte mich so sauer, dass ich anfing zu kontern und sie in Grund und Boden geredet habe. Genau aus dem Grund, oder zumindest war es einer davon, bin ich vor ein paar Wochen in die Klinik gegangen. Weil ich so aufgebraucht war vom "nur für die Kinder da sein". Kann sie natürlich nicht wissen. Ich war nicht besonders nett, aber höflich. Und ich war wirklich stolz auf mich das nicht einfach über mich ergehen zu lassen. Hab ich in der Klinik gelernt: meine Grenzen zu erkennen und NICHT drüberlatschen zu lassen.

Natürlich braucht das Kind beschäftigung mit der Mama. Aber es braucht auch (saubere) Kleidung, Zahnungshilfen, was zu essen, usw. Ihr kennt die Liste...! Wer kümmert sich denn darum?! Und eine ausgeglichene Mutter braucht es auch. Puuh war ich sauer.

Das nächste mal werde ich sie bitten den Einkaufszettel an meinem Handy fertigzustellen, damit ich in der Zeit mit meiner Tochter spielen kann. Denn das hätte ich viel lieber gemacht! So oft muss ich die schönen Zeiten, in denen sie happy und zufrieden ist für andere Dinge nehmen, die nunmal leider auch erledigt werden müssen.

Und danach hat sie noch einen Quetschie bekommen. Himmel hilf. *Ironie off*
Sie hatte schon wieder hunger und fand ihn toll. So war sie dann auch schön satt und konnte im Auto nach kurzem Schreien einschlafen.
Dann hab ich sie wirklich noch kurz im Auto schlafen lassen, während ich kurz Apfelsaft, Erdbeeren und eine bestimmte Schokotafel geholt habe, deren eigentlich mir zugedachte Hälfte zuhause mein lieber Sohn aus ihrem Versteck entführt, in ein anderes gebracht und restlos aufgefuttert hat. Bei 17° und Wolkenhimmel geht das noch so gerade. Nun wird es wieder gefährlich die Kinder im Auto zu lassen. Das heizt sich unglaublich schnell auf.

Was stimmt nur nicht mit den Leuten da
ständig eine Meinung zu haben zu müssen? Sie sehen eine Momentaufmahme. Eine ganz kleine und meinen sie wüssten genau was du oder dein Kind bräuchtest. Mittlerweile konter ich da richtig, weil ich das so doof und unverschämt finde. Brüllt das Kind im Wagen hat es hunger. Nein, es hatte in dem Fall einfach keinen Bock im Wagen zu liegen! Da wurde verständlislos geguckt. Sowas gibts? Aber das ist doch ein Kinderwagen????! Joa, das ist dem Kind aber wurscht.

Selbes Spiel mit meinem Großen damals. Ich lief mit dem damaligen Baby auf dem Arm, den Wagen schiebend an einer alten Dame vorbei. 21 Jahre jung war ich. Da wussten die Menschem ganz besonders viel besser. Ich sollte das Kind nicht so verwöhnen! Ich war so platt, dass ich nichts erwiedern konnte und weiterging. Was hätte sie wohl gesagt, hätte sie uns zwei Minuten vorher getroffen, als das Baby sich im Wagen liegend die Lunge aus dem Leib schrie?

Wir waren letzte Woche unseren Ernteanteil von der Solawi holen. Da habe ich den Motor laufen lassen. Alle drei Kinder unglaublich mies gelaunt und nur am schreien gewesen. Mein Mann krank und konnte nicht helfen und ich noch in der Erholung von der eigenen Krankheit. Sie sind alle drei auf der Fahrt eingeschlafen. Ich war SO froh und wusste, wenn sie jetzt aufwachen gehts weiter. Also ließ ich den Motor laufen, weil das ein ziemlicher Garant fürs Weiterschlafen ist. Während ich noch mit dieser Entscheidung haderte, weil ich wirklich kein Fan davon bin das länger laufen zu lassen oder öfter zu nutzen als nötig klopfte es an der Scheibe. Ein mir unbekannter Mann wetterte ich solle doch bitte das Auto ausmachen und aufhören die Luft zu verpesten. Ich versuchte ihm die Situation zu erklären und meine Verzweifelung darzulegen, dass meine Nerven ein aussuchen von Gemüse mit drei brüllenden Kindern daneben, bzw. Eines davon dann auf dem Arm gerade nicht überleben würden. Keine Einsicht.
Ich fühlte mich dann doch eingeschüchtert und hatte ein schlechtes Gewissen und machte das Auto aus. Die Kinder nahmen die guten 50% und schliefen tatsächlich weiter. Naja zumindest zwei. Aber der Große schrie immerhin nicht.
Später traf ich den Mann nochmal und er entschuldigte sich tatsächlich. Ich mich ebenso. Das war eine wunderschöne Auflösung dieser doofen Situation.

Ich wollte diesen Bericht eigentlich noch weiterschreiben. Über verschiedene Situationen, die allgemein nicht gern gesehen werden. Z.b. waren wir im Urlaub nun leider die laute Familie. Kinder schreien, Eltern schimpfen. Ach es war furchtbar. Aber auch schön. Aber die Zeit reicht mir hinten und vorne nicht und ihr sollt mal wieder was zu lesen haben.
Also soweit diesmal. Einen lieben Gruß an alle wundervollen "Rabenmütter" da draußen, die sich trotzdem wunderbar um ihre Kinder kümmern und bei denen keiner weiß warum sie das gerade so machen.

Liebe Grüße von Anna



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Kommentare von Lesern:

Jana Südthüringen16.06.2026 07:17

Liebe Anna. Danke! Dein Bericht spricht mir aus der Seele. LG

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